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Nach Unwetter in der Prignitz : Hagelschlag verwüstet Felder

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schäden punktuell enorm. Gegend um Retzin, Tüchen und Mesendorf besonders betroffen. Anbaupläne geraten durcheinander

svz.de von
erstellt am 10.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Eigentlich sieht alles nach einem guten Erntejahr aus, so Christina Stettin Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Die Kulturen auf den Feldern stehen gut, das Wetter im Frühsommer brachte die richtige Mischung aus Wärme und Feuchtigkeit für Raps, Mais und Getreide mit sich. Doch das kurze aber heftige Unwetter am vergangenen Freitagnachmittag (wir berichteten gestern) hat in einem Streifen von Pirow bis nach Gumtow viele Ernten vernichtet. Der Mais steht teilweise nur noch als Strunk, die Blattmasse ist abgeschlagen, das Getreide liegt am Boden.

Sechsstelliger Schaden um Retzin


Das Ausmaß der Schäden ist punktuell sehr unterschiedlich. Besonders getroffen hat es die Region um Retzin, Kreuzburg, Mesendorf und Tüchen. Im Schnitt sei auf den 1700 Hektar, die die Retziner Agrargenossenschaft bewirtschaftet, mit einem Ausfall von etwa 50 Prozent zu rechnen, so Dirk Huijbers, Chef der Genossenschaft. Beim Raps sei ungefähr die Hälfte dem Sturm zum Opfer gefallen, beim Mais sind mindestens 40 Hektar von 300 komplett dahin. Genau beziffern kann er die Schäden noch nicht, geht aber von einem sechsstelligen Betrag möglicherweise um die 200  000 Euro aus. Problem: „Wir werden nur einen Teil des Schadens erstattet bekommen, Mais und Getreide hatten wir nicht versichert, den Raps schon“, so Huijbers.

In Wolfshagen direkt sei kein Hagel herunter gekommen, betroffen sind eher die Felder um die Ortslage Dannhof, so Bernd Sellahn, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Wolfshagen. „Wir haben dort besonders Schäden im Mais und im Getreide. Wir haben die Schäden bei der Versicherung angemeldet, das muss aber erstmal begutachtet werden. Aber bis jemand vorbeikommt, dauert das eine Weile.“

Abgeknickt: Die Gerste zwischen Tüchen und Lindenberg hatte dem Unwetter nichts entgegenzusetzen.
Abgeknickt: Die Gerste zwischen Tüchen und Lindenberg hatte dem Unwetter nichts entgegenzusetzen. Foto: Thomas Bein

Ungefähr 250 Hektar seien betroffen, das ist etwa ein Viertel der Fläche, die die Genossenschaft bewirtschaftet. Teile der betroffenen Felder seien aber zu retten, ein hundertpozentiger Schaden augenscheinlich nirgends zu beklagen, so Sellahn gelassen. Er rechnet nicht damit, dass dadurch im nächsten Jahr die Versicherungsprämie steigen könne.

Etwa 17 Kilometer weiter, in Viesecke, sind keine Schäden zu verzeichnen, so Till Herzer, Vorstandsmitglied der Agrargenossenschaft Viesecke. „Wir haben tatsächlich nichts abbekommen. Ich muss noch mal unten in Grube und Sigrön nachschauen, aber das Unwetter war so punktuell“, so Herzer. Am Freitag wollten Mitarbeiter der APG zum Dreschen auf die Felder bei Rambow. „Ich war eine halbe Stunde vorher dort und habe die Gerste kontrolliert. Als wir los wollten, war kurz zuvor das Unwetter durchgezogen. Bis Rambow sind es ja nur fünf Kilometer, plötzlich war überall alles nass“, so Herzer. Gedroschen wurde dann am Sonntag doch noch. Das Getreide habe es gut überstanden. „Die Feuchtigkeit im Korn lag da bei 15 Prozent. Das ist ein idealer Wert.“

Klimawandel macht sich bemerkbar


Manche Landwirte, so auch Dirk Huijbers, können sich nicht des Eindrucks erwehren, dass solche Wetterphänomene mit starkem Hagelschlag in der jüngeren Vergangenheit häufiger auftreten. Christina Stettin ergänzt: „Wir hatten solche Ereignisse schon des öfteren, aber die Stärke ist was besonderes. Neben dem Hagel hat uns besonders die Windintensität überrascht.“

Rückmeldungen, dass Betriebe wegen der Wetterkapriolen aufgeben müssen, habe sie nicht, so Stettin, aber gerade bei so punktuellen Unwettern könne schnell ein einzelner Gesamtbetrieb in die Schieflage gebracht werden.

„Unser Betrieb hat in den vergangenen Jahren schon viel weggesteckt“, resümiert Dirk Huijbers, die Vorjahre seien für die Landwirte ohnehin keine guten gewesen. „Man kann sagen, wir leiden konstant weiter.“ So kampferprobt wie man sei, fühle man sich deswegen von den jetzigen Ausfällen nicht existenziell bedroht. Aber zumindest der Anbauplan fürs nächste Jahr sei dadurch durcheinander. Denn beim Maisanbau für die Biogasanlage liege man mit dem Puffer einer Jahresernte im Vorlauf. Das ist nun dahin, so Huijbers.

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