Hafenspeicher: Nun doch kein Abriss

<strong>Die Silhouette</strong> am Stadthafen, wie sie Wittenberger kennen und lieben. <foto>Archiv</foto>
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Die Silhouette am Stadthafen, wie sie Wittenberger kennen und lieben. Archiv

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31. Januar 2013, 09:15 Uhr

Wittenberge | Der größte der drei Hafenspeicher wird abgerissen. Der Grund: Gravierende Mängel an der vorgesetzten Fassade, die teilweise schon abgestürzt ist: Einmütig fassten die Stadtverordneten im September diesen Beschluss.

Am Dienstagabend positionierten sich die Mitglieder im Bauausschuss neu zu diesem Votum, empfehlen vielmehr der Ende Februare tagenden Stadtverordnetenversammlung, den Abriss zurückzustellen und Fördermittel für die Instandsetzung des großen Silos zu beantragen.

Für diesen Sinneswandel gibt es gewichtige Gründe. Wie der "Prignitzer" auf Nachfrage von Martin Hahn, Leiter des Stadtbauamtes, erfuhr, "hat das Landesamt für Denkmalpflege - und dafür sind wir dankbar - finanzielle Unterstützung für die Sicherung des Speichers 1 in Aussicht gestellt". Es handelt sich, wie der Bauamtschef ausdrücklich unterstreicht, noch nicht um eine bindende Fördermittel-Zusage. Aber mit Unterstützung der Denkmalbehörden kann es jetzt gelingen, das stadtbildprägende Speicherensemble an der Wasserkante, das von drei einzelnen Vorratsgebäuden gebildet wird, zu erhalten.

Die Speicher 2 und 3 (zur Stadt hin gelegen) wollten die Abgeordneten, so ihr Beschluss im September, ohnehin erhalten, Stadtumbaumittel beantragen und nach einer nachhaltigen Nutzung in der Zukunft suchen.

Für das große Silo sahen sie seinerzeit keine Chance, die zu dem Zeitpunkt geschätzten Reparaturkosten von 1,5 Millionen Euro aufzubringen. Der Abriss schien die einzige Alternative.

Von der Stadt auch in Abstimmung mit den Denkmalbehörden in Auftrag gegebene Gutachten - vorgenommen von Professor Dr. Holger Stehr als einem Experten auch für zweischaliges Mauerwerk - bestätigte den desolaten Zustand der Fassadenkonstruktion mit ihrer Verankerung im Mauerwerk.

Daraus ergeben sich die Konzeptvorschläge des Gutachters, die Hahn im Gespräch mit der Redaktion erklärt. Zur Reparatur bzw. Sanierung muss als größter finanzieller Brocken eine vollflächige Nachverankerung der vorgesetzten Fassade an allen Flächen erfolgen. Das betrifft den Speicher 1 ebenso wie seinen in gleicher Bauweise errichteten Bruder Nummer 2. Hinzu kommen Sanierungsarbeiten im Bereich der Mauerwerksfugen und der Dächer.

"Wir als Stadt waren und sind bei all unseren Schritten und Planungen im ständigen intensiven Gespräch mit der Denkmalbehörde", sagt Hahn. Die Gebäude stehen nämlich bereits seit DDR-Zeiten auf der Denkmalliste. Ein Abriss ist nur mit Zustimmung dieser Behörden denkbar.

Für den Fachreferenten für technische und industrielle Denkmäler am Landesamt für Denkmalpflege, Dr. Matthias Baxmann, haben die Speicher "herausragende städtebauliche Bedeutung. Sie prägen die Stadtsilhouette, besonders das Hafenareal" und seien ein markantes Beispiel dafür, "dass auch Stromhäfen über derart große Speicher verfügen." Außerdem legen sie Zeugnis von den Industrialisierungsprozessen in Wittenberge und der Prignitz ab, sagte der Fachreferent bereits im Herbst auf "Prignitzer"-Anfrage. Den Wert der Speichergebäude als Ensemble hat laut Hahn das Landesamt auch in den jüngsten Gesprächen mit der Stadt ausdrücklich betont. Mit dem Fördergeld, welches das Landesamt jetzt in Aussicht stellt, könnte das Ensemble als Ganzes erst einmal gerettet werden, wenn die Abgeordneten das Angebot in Anspruch nehmen.

Allerdings sind damit nicht automatisch alle Probleme gelöst, auch darauf weist der Bauamtschef hin. "Wir müssen an die Nachfolgekosten denken, die auf die Stadt zukommen, und eine sinnvolle Nutzung finden." Mit dem Hafenbetrieb soll es an dieser Stelle für immer vorbei sein.

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