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Der Prignitzer

21. November 2017 | 20:38 Uhr

Gute Fahrt, Kapitän Riesch!

vom

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 09:08 Uhr

Wittenberge | Seit gestern ist die Elbe für die Schifffahrt größtenteils wieder freigegeben. Rund drei Wochen war die Strecke zwischen Wittenberge und Hamburg wegen Treibeis auf dem Wasser stillgelegt. Nichts ging mehr. Insgesamt sechs Schiffe mussten gezwungenermaßen im Wittenberger Elbehafen Schutz suchen. Eines davon ist der Tanker "Dettmer-Tank 87". Dessen Kapitän Erich Riesch war auf dem Weg von Magdeburg nach Hamburg, als die Temperaturen plötzlich und unerwartet in den zweistelligen Minusbereich fielen und sein Schiff in der Elbestadt in den Winterschlaf ging.

"Wir wollten ohnehin in Wittenberge übernachten. Doch am nächsten Tag, das war der 1. Februar, wurde es plötzlich so kalt, dass ich entschied, im Hafen zu bleiben", erzählt Erich Riesch, dem der Tanker gehört. Kurz darauf kam auch die Nachricht des Wasser- und Schifffahrtsamtes: Die Weiterfahrt wurde untersagt. Einen so plötzlich eintretenden, strengen Frost, der vier Tage anhält, hatte selbst der erfahrene Schiffskapitän noch nicht erlebt. "Dass wir irgendwo überwintern, ist nichts Besonderes. Aber dass der Strom so schnell zufriert, war tatsächlich das erste Mal."

In Wittenberge hatte der bei Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen lebende Riesch mit seinem Tanker noch nie Halt gemacht. Gefreut hat er sich über den "erstklassigen Service" im Elbehafen: "Vom Wasser- und Schifffahrtsamt und besonders von dessen Leiter Hubert Finke erhielten wir immer alle wichtigen Informationen. Und der Eisbrecher hat sehr gute Dienste geleistet." Von der Stadt selbst hat Riesch nicht viel gesehen. "Ich fahre öfter mit dem Auto durch und gehe in den Supermarkt. Das ist schon alles."

Die vergangenen drei Wochen haben der Schiffsführer und sein Steuermann Jiri Rames genutzt, um an dem 80 Meter langen Tanker Wartungs- und Pflegearbeiten vorzunehmen. "Eine richtig intensive Wartung ist sonst kaum möglich, wenn die Maschinen laufen", sagt er. Über Nacht fuhr der Kapitän meistens nach Hause zu seiner Frau. Wenn er doch in Wittenberge blieb, schlief er in der wohnlich eingerichteten Kajüte, die Abendstunden verbrachte er ebenfalls dort vor dem Fernseher.

Von Schifffahrtsromantik sei heute keine Rede mehr. "Wir gehen nicht aus. Das Schiff darf auch gar nicht allein gelassen werden. Außerdem ist Alkohol streng verboten und durch das Schichtsystem ist der Drang nach Freiheit auch nicht mehr so groß wie früher, als wir noch monatelang auf dem Schiff waren", sagt Erich Riesch lachend.

Drei Wochen haben die Arbeiter in der Binnenschifffahrt nach den heutigen Vorgaben durchgängig Dienst, darauf folgen wiederum drei Wochen frei. So geht es das ganze Jahr über. Immer im Wechsel. Heute wird er das im Tanker geladene Ethanol in Hamburg abliefern, am Sonnabend fährt das Schiff mit Dieselkraftstoff an Bord wieder zurück nach Magdeburg. Für den Kapitän ist dann Feierabend, eine Zweitbesatzung übernimmt die Weiterfahrt. Auf Riesch warten drei Wochen Freizeit. Seine Arbeit mache dem 57-Jährigen auch nach 40 Jahren noch Spaß. "Auf dem Schiff habe ich Wasser, Natur und Ruhe um mich herum. Was will ich mehr?"

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