Boberow : GST-Schießen begründete Tradition

Nach 1990 mussten einige Umbauarbeiten nach bundesdeutschen Vorgaben geleistet werden. Im Bild Dieter Schulz und Günter Ketelhön am Mischer.   Repro: Manfred Drössler
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Nach 1990 mussten einige Umbauarbeiten nach bundesdeutschen Vorgaben geleistet werden. Im Bild Dieter Schulz und Günter Ketelhön am Mischer. Repro: Manfred Drössler

Boberower begingen mit zahlreichen Gästen 25 Jahre Vereinsjubiläum und feierten ihr 35. Schützenfest

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17. Juni 2015, 12:00 Uhr

25 Jahre Vereinsgründung begehen und das 35. Schützenfest feiern? In Boberow geht das – am Wochenende 20./21. Juni, diesmal gar mit Kreiskönigsschießen. Die Boberower gründeten zwar 1990 offiziell nach bundesdeutschen Recht einen neuen Schützenverein – Schießsport und auch Schützenfeste gab es jedoch bereits vorher.

„1975 traten drei Jugendliche an mich heran, ob wir nicht einen Schützenverein gründen können“, erinnert sich Friedhelm Hirte. Der heute 67-Jährige war damals 28 Jahre alt, arbeitete als Lehrer an der POS Groß Warnow und unterstützte die Jugendarbeit in Boberow. Schützenverein hieß das, was Friedhelm Hirte ankurbelte, dann zwar nicht, gegründet wurde eine GST-Grundorganisation mit der Sektion Schießsport. Weitere Mitbegründer neben Hirte – er selbst hat noch seinen Mitgliedsausweis von 1976 – waren u.a. Gerd-Ulrich Rode, Horst Henke, Ingo Sauer, Hansi Schulz und Hans-Ulrich Gadow.


LPG half mit Technik und Material


Tatkräftige Unterstützung beim Bau eines Schießplatzes mit 50 Meter-Bahnen für das Schießen mit Kleinkalibergewehren und erster Gebäude fand die junge GST-GO in der LPG Boberow und ihrem Vorsitzenden Ottokar Düwert. Bereit gestellt wurden Technik und Material. So hatte eine Planierraupe wochenlang zu tun, einen tiefen Einschnitt ins Gelände zu schieben. Dafür bieten die hohen Wälle eine große Sicherheit. Auch die GST-Mitglieder, damals etwa 30 an der Zahl, packten tatkräftig zu.

Über die Schule gründete Hirte eine Schieß-AG, die regen Zulauf bei den Schülern fand. Als der erste offizielle Schießwettkampf stattfinden sollte, fragten die Boberower beim Rat des Kreises nach, ob er Schützenfest und der Sieger Schützenkönig heißen dürfe. Einwände habe es nicht gegeben, erinnert sich Hirte, aber Auflagen: kein Alkoholausschank auf dem Schießplatz. „Da haben wir entschieden, unsere ,Kneipe‘ steht vor dem Platz und es wird kontrolliert, keiner darf mit Alkohol rauf. Das blieb über Jahre so.“

Mit dem KK-Gewehr schießen, das hatte seinen Reiz, denn privat besaß der eine oder andere „nur“ ein Luftgewehr. Und so fand das GST-Angebot regen Zuspruch. Dass die Boberower ihre Schützenfeste stets am dritten Juni-Wochenende feierten, war bewusst gewählt. „Der dritten Sonntag im Juni hatte als Ehrentag für die Genossenschaftsbauern eine Sonderstellung, und die nutzten wir für unser Fest“, erklärt der Boberower.

Aus dieser Zeit rühren auch die Mannschaftswettkämpfe mit KK-Schießen, Luftgewehrschießen und Kegeln, die es in dieser Form in keinem anderen Schützenverein gibt. „Grundidee war, die Brigaden aus den LPG einzubeziehen. Anreiz waren Geldpreise für die Besten“, so Hirte. Die Wettkämpfe leben auch heute weiter, doch das Ansinnen, nach 1990 die Gemeinden bzw. Ortsteile des Amtes bzw. der späteren Großgemeinde Karstädt mit eigenen Mannschaften einzubinden und damit das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken, ging so nicht auf. Heute können spontan vier Personen eine Mannschaft bilden und zum Wettkampf antreten.

Auch Tombolas standen damals hoch im Kurs. Sachpreise waren u.a. Läufer (Jungschweine vor der Hauptmast), Getreide und Kartoffeln, die Landwirtschaftsbetriebe sponserten. Erster Schützenkönig war 1985 Jürgen Ketelhön, erste Schützenkönigin Marion Schmidt – allerdings erst 1994. Bis zur Wende, die übrigens keinen Mitgliederknick brachte, war der Schießsport eher eine Männerdomäne. Dann traten auch Frauen dem neu formierten Schützenverein bei. Heute sind 15 der aktuell 47 Vereinsmitglieder Frauen.

„Unser Bestreben war immer: Vereinsmitglied sein muss nicht teuer sein. Wir müssen uns nicht für 1000 Euro einkleiden oder teure Königsschießen ausrichten“, betont Hirte. Schützenkleidung der Männer waren anfangs schwarze Hosen, weiße Hemden, Schützenschlips, passende Jacketts und Natur-Eichenlaub an den Hüten. Die Frauen sorgten mit eigenen Ideen, u.a. mit roten Jacken, für Aufsehen. Sie nutzten Mode im Landhausstil.


Mit Glückstreffern zum Schützenkönig


Auch die Ermittlung von Schützenkönig oder -königin nach Boberower Art dürfte einmalig sein. Alle Vereinsmitglieder feuern vorab fünf Schuss auf eine Scheibe ab, das Ergebnis wird addiert. Der Amtsinhaber gibt auf dem Schützenfest einen Schuss auf eine Keilerscheibe ab, die eine Zahlenschablone verdeckt. „Stimmt der Wert eines Teilnehmers mit der verdeckt getroffenen Zahl der Schablone überein oder kommt dieser am nächsten, ist er bzw. sie Schützenkönig oder -königin. Dieses Zufallsprinzip gibt jedem die Möglichkeit, einmal Sieger zu sein. Hier kann nicht geschummelt werden. Bisher gab es nie den Wunsch, das zu ändern“, erklärt Hirte.

„Wir haben in all den Jahren sparsam gewirtschaftet und keine Schulden gemacht“, betont der pensionierte Lehrer. So wurde zum Beispiel für Betonarbeiten „Fegezement“ gekauft, auch organisierte man günstig Stahlrohre für die Hallenkonstruktion. Nach 1990 mussten einige Umbauten vorgenommen werden, um die Schießanlage bundesdeutschen Vorgaben anzupassen. Viele Sonntage gingen drauf, Arbeitsbeginn war um 7 Uhr. „Nach langjährigen Verhandlungen mit einer Erbengemeinschaft konnte wir auch das Vereinsgelände kaufen. Um das finanziell zu stemmen, erklärten sich etliche Mitglieder bereit, ihren Beitrag auf zehn Jahre im voraus zu bezahlen“, erzählt der Vereinschef.

„Baulich sind wir im wesentlichen fertig, wobei immer Verbesserungen anstehen“, so Hirte, der sich freut, dass die Mitglieder ihre Aufgaben eigenverantwortlich wahrnehmen. Vorbei sind die Zeiten, wo Schießergebnisse per Kreide auf ausgedienten Schultafeln geschrieben wurden. Heute erledigen das Laptop und Beamer. Auch müssen keine „Läufer“ mehr (damals Schüler der 9. Klasse, die bei der GST ihre Fahrerlaubnis machten) die Scheiben wechseln. Ebenso hat die Kegelbahn ein festes Gebäude - sogar mit Bar, die jemand aus Holland mitbrachte.

Hirte steht seit 1976 den Schützen vor – erst als GST- und nach 1990 als Vereinschef. Mit fast 40 Jahren Vereinsführung dürfte er weit und breit der dienstälteste Schützenvereinsvorsitzende sein. Nachwuchssorgen hat er nicht, zumindest, was den Vorstand betrifft. Ihm stehen mit Bianca Altenburg, Matthias Kuhrmann, Michael Jastram und Jürgen Ketelhön junge Mitstreiter zur Seite. Und: „Unsere Feste feiern wir nicht nur im, sondern mit dem Dorf“, unterstreicht Hirte den Gemeinschaftssinn. So freut er sich über die Resonanz auch bei Nichtmitgliedern, das Kuchenbuffet zum Schützenfest zu bereichern.

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