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"Grüne Tunnel" in Gefahr: Alleen werden kahler

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erstellt am 30.Dez.2012 | 07:26 Uhr

Potsdam | Brandenburgs Alleen bleiben die Sorgenkinder der Naturschützer. Durch Straßenbau, unsachgemäßen Schnitt und zu viel Tausalz seien die Baumreihen im Land gefährdet, beklagt der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund). Zudem bleibe das Land hinter seinem selbst gesetzten Ziel der Nachpflanzungen zurück.

Jährlich sollen laut Alleenkonzept 5000 Bäume an 30 Kilometern Straße außerhalb von Ortschaften neu gesetzt werden. Im vergangenen Jahr waren es nur 4328 Bäume an 24 Kilometern, so der Landesbetrieb Straßenwesen. Im gleichen Zeitraum wurden 3827 Bäume gefällt. 2010 wurden sogar nur knapp 2000 Bäume gepflanzt. Lediglich 2009 und 2008 konnte das Land seinen Plan erfüllen. Gründe sieht der Landesbetrieb auch in zu wenigen bepflanzbaren Straßenabschnitten. Von insgesamt 6416 Kilometern Landes- und Bundesstraßen seien nur 473 Kilometer überhaupt bepflanzbar. Wegen der nötigen Abstände von 4,50 Metern zur Fahrbahn sei der Grunderwerb schwierig und langwierig. Im Jahr 2011 habe der Einsatz externer Planungsbüros etwas Entspannung gebracht. Aktuelle Zahlen für 2012 konnte das Infrastrukturministerium nicht vorlegen.

Aus Sicht der Naturschützer besteht Handlungsbedarf, um die landestypischen "grünen Tunnel" zu erhalten. "Der Einsatz von Tausalz sollte auf Gefahrensituationen wie etwa Blitzeis beschränkt werden", fordert Axel Heinzel-Berndt vom Bund Brandenburg. Jeden Winter werden die Bäume durch das Salz schwer geschädigt. Die Schnittmaßnahmen müssten zudem besser kontrolliert werden, zu oft werden unfachmännisch Äste entfernt.

Der BUND will ein Umdenken bei den Straßenbaubehörden und den politisch Verantwortlichen erreichen. "Alleen dürfen nicht als Gefahr für die Verkehrssicherheit betrachtet werden, sondern bereichern das Landschaftsbild und sind Lebensraum für viele Tiere", so Heinzel-Berndt. Der Landtag habe bereits 2010 die Landesregierung aufgefordert, das Alleenkonzept zu überarbeiten. Dem sei das zuständige Ministerium bislang aber nicht nachgekommen, so der Bund-Vertreter.

Schon jetzt gebe es aber 70 Alleenpaten, die sich jeweils um einen Abschnitt kümmern und diesen beobachten. Andere geben Gelder. Der BUND hält einen Alleenfonds für wichtig, um zusätzliche Mittel für Neupflanzungen zu haben. "Die Bedeutung von Bäumen als Sauerstoffspender und für den Biotopverbund lässt sich nicht nur haushaltstechnisch bewerten", gibt der Bund-Experte zu bedenken.

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