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Der Prignitzer

21. November 2017 | 00:17 Uhr

Großprojekt zum Schmökern

vom

svz.de von
erstellt am 06.Feb.2013 | 05:56 Uhr

Prignitz | Für Jochen Purps ist die Deichrückverlegung bei Lenzen ein Teil seines Lebens. "Ich bin vor inzwischen mehr als 16 Jahren auch wegen dieses Projektes in die Prignitz gekommen und habe bereits die Anfänge begleitet", erzählt der diplomierte Forstwirt. Dass jetzt mit einer Spezialausgabe des "Auenreports" erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Vorhabens in Buchform erscheinen, ist sicher nicht nur für ihn eine Erfüllung. "Zunächst haben wir ja ins Ungewisse geforscht. Niemand wusste, wann die Ideen tatsächlich umgesetzt werden", erinnert er sich. Mit dem Hochwasser 2002 wurden die Vorplanungen konkreter. Was in den Köpfen und auf Entwürfen längst klar war, begann Gestalt anzunehmen.

Jochen Purps bezeichnet es als Glücksumstand, dass es in der Prignitz gelang, die Rückdeichung mit hochkarätiger Forschung zu untersetzen. Das sei alles andere als selbstverständlich. So bietet der "Auenreport spezial", herausgegeben vom brandenburgischen Umweltministerium, für Fachleute ebenso wie für interessierte Laien Einblicke in das, was bei Lenzen auf einer Fläche von rund 400 Hektar seit Jahren geschieht. Dr. Frank Neuschulz, von 1993 bis 2005 Leiter des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg (verstorben 2008) kleidete dies einst in folgende Worte: "Es ist der erste Akt im Festspielhaus Natur." Auf welche Art die Natur sich nun diesen Lebensraum zurückerobert, welche Tiere und Pflanzen damit zurechtkommen, welche sich eher schwer tun - über diese Entwicklungen wird unter anderem im Buch berichtet. "Arten verabschieden sich zugunsten anderer Arten, die hinzukommen. Man ist nur noch Zuschauer", beschreibt es Jochen Purps.

Gegenwärtig ist das Projekt bei Lenzen die größte, fertiggestellte Deichrückverlegung in Deutschland. "Sie ist regional akzeptiert und sorgt sogar international für Furore", macht Jochen Purps deutlich. Seinen Informationen zufolge gibt es bereits an die 100 Fachveröffentlichungen zu dieser Rückdeichung.

Das Buch enthält 13 Fachbeiträge. "Sie sind schon sehr speziell, aber man kann sich ’reinlesen, findet auf jeden Fall einen Zugang", sagt Anneliese Struck, die im Biosphärenreservat für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. In ihren Händen sowie in denen von Heike Garbe, stellvertretende Leiterin des Reservats, und Dr. Birgit Felinks, Trägerverbund Lenzen, lag die Redaktion für den "Auenreport spezial".

Wer erfahren möchte, warum die Geschichte der Deichrückverlegung zwischen Lenzen und Wustrow im weitesten Sinne bereits 1898 ihren Lauf nahm, der kann das im geschichtlichen Abriss von Christian Damm nachlesen, der den Fachbeiträgen vorangestellt ist. Ebenso wie ein Geleit von Horst Möhring, über das sich die Macher der Broschüre besonders freuen. Insgesamt wirkten 31 Autoren an dem Werk mit.

Wie es mit der Forschungsarbeit weitergeht, ist indes nicht rundheraus geklärt. Das werde wohl eher in Einzelarbeiten und -projekten externer Institutionen laufen, die wiederum aber auch an diesem Buch mitgearbeitet haben, so Jochen Purps. Beispiele wären die Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe, die Uni Hamburg, das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow, die Bundesanstalt für Gewässerkunde oder das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. "Ob wir das alles richtig geplant und umgesetzt haben, werden ohnehin erst unsere Nachfahren bewerten können, schätzungsweise so in 150 Jahren", fügt Jochen Purps schmunzelnd an.

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