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Der Prignitzer

18. November 2017 | 11:39 Uhr

Großer Einsatz für kleine Lebewesen

vom

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2013 | 07:24 Uhr

Klein Lüben | Zaghaft reckt der Kriechende Sellerie seine Blätter zur Wasseroberfläche. Er ist filigran und nicht größer als eine Handfläche. Kaum lässt sich erahnen, was an dieser Pflanze besonders sein soll. Doch der Kriechende Sellerie ist vom Aussterben bedroht und steht europaweit unter Schutz. Dass er hier bei einem kleinen Tümpel nördlich von Klein Lüben wächst, ist ein kleines Wunder. Lange galt er in der Prignitz als verschollen. 2002 wurde er dann erstmals wiederentdeckt.

Rot-weißes Flatterband markiert den Standort des Selleries. Rundherum wächst meterhohes Schilf aus dem Wasser und überwuchert den ganzen Tümpel, der sich auf fast einem Hektar erstreckt. "Der kriechende Sellerie braucht offene Flächen. Durch den Schilf und die Weiden wird er verdrängt. Genauso wie der vom Aussterben bedrohte Kamm-Molch, der hier ein Zuhause gefunden hat", erklärt Thomas Heinicke.

Mit vollem Einsatz kämpfen sich die Mitglieder durch das Gestrüpp

Seine vom Regen nassen Haare kleben an seiner Stirn. Er trägt Gummistiefel, Regenjacke und Arbeitshandschuhe. Zusammen mit elf weiteren Mitgliedern des Fördervereins Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe ist er am Samstag nach Klein Lüben gekommen, um den Tümpel von Schilf zu befreien und somit dem Kriechenden Sellerie und dem Kamm-Molch mehr Lebensraum zu bieten.

Mit Heckenscheren, Astzangen und Freischneidern ausgestattet, kämpfen sich die Mitglieder Meter für Meter durch das Gestrüpp. "Die Äste sind ganz schön zäh. Sie lassen sich ziemlich schwer entfernen", meint Johanna Hamann und reibt sich die Hände. Zusammen mit ihrer besten Freundin Johanna Emmerich hat die 12-Jährige gerade an einem besonders widerspenstigen Ast gezerrt, bis dieser endlich nachgab. Den Holzschnitt tragen die Mädchen zu einem bereitstehenden Anhänger. Später soll aus den Ästen bei einem nahe gelegenem Wald eine Benjeshecke angelegt werden, die dort Kleintieren Schutz bieten kann.

Weiter hinten am Tümpel macht sich Jochen Purps unterdessen mit einer Motorsäge an einer Weide zu schaffen. "Weiden sind Samenbäume. Sie produzieren immer wieder neue Triebe. Ich säge die Äste ab, damit hier kein zu großes Buschwerk entsteht. Der Baum muss dann nur alle paar Jahre wieder gestutzt werden", erklärt er. Als er am nächsten Ast ansetzt, löst sich die Kette von dem Motorblatt.

Rinder sollen auf natürliche Weise die Tümpel pflegen

Purps nimmt seinen Schutzhelm ab und blickt auf die Arbeit, die vor ihm liegt: "Früher konnte man hier super Eislaufen. Damals war hier noch nicht so viel Schilf. Das Gewässer ist so flach, dass man eigentlich durchwaten kann", erinnert er sich. Das wäre Absicht gewesen, als vor einigen Jahren auf Initiative des Biosphärenreservats der Tümpel angelegt wurde. "So sollte das Gewässer fischfrei bleiben, damit sich Amphibien und Frösche hier in Ruhe ansiedeln können", erklärt Purps. Dieser und ein zweiter Tümpel bei Klein Lüben wurden damals als Ersatzlebensraum im deichgeschützten Bereich geschaffen. "Noch bevor es das Abschöpfwerk Karthane gab, wurden die Wiesen hier noch regelmäßig überflutet. Die so entstandenen Microgewässer boten genug Raum", so Purps weiter.

Umso wichtiger sei es, dass in Zukunft der Tümpel weiterhin eine Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen, wie den Kamm-Molch und den Kriechenden Sellerie bietet, betont auch Heinicke: "Damals hofften wir, dass auch der Brachvogel wieder in der Prignitz heimisch wird. Doch leider ist er bisher verschwunden."

Um das völlige Zuwachsen des Teiches zukünftig zu vermeiden, sollen im kommenden Jahr Rinder auf der Wiese um den Teich weiden. Diese fressen das junge Schilf und sorgen somit auf natürliche Weise für ein freies Gewässer.

"Wir vom Förderverein machen eigentlich einmal im Jahr eine Exkursion zusammen. Das war unser erster Arbeitseinsatz", meint Krista Dziewiaty, Vorsitzende des Fördervereins, die ebenfalls kräftig mit anpackt. Doch es soll nicht der letzte sein.

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