Stresstest in Rühstädt : Großeinsatz für 14 Wehren

Mit Löschschaum rücken Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Bad Wilsnack den Flammen zu Leibe.
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Mit Löschschaum rücken Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Bad Wilsnack den Flammen zu Leibe.

Amt Bad Wilsnack/Weisen ruft seine Blauröcke zum Stresstest nach Klein Lüben und ins Rühstädter Besucherzentrum

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04. September 2017, 08:00 Uhr

„Hallo, hier ist die Feuerwehr. Ist da jemand?“, hallt es in dumpfem Ton durch die Räume des Nabu-Besucherzentrums in Rühstädt. Die Kameraden der Rühstädter Wehr haben einen Einsatz unter Atemschutz. Jeder Kamerad trägt Ausrüstung mit einem Gewicht von insgesamt etwa 40 Kilogramm.

Doch hier wird am Freitagabend der Ernstfall nur geprobt. Die Wehren des Amtes Bad Wilsnack/Weisen werden gleich zu zwei Szenarien gerufen. Das erste ist an der L11 kurz vor Klein Lüben aufgebaut. „Hier müssen die Kameraden einen Autobrand löschen, dann noch eine eingeklemmte Person aus einem zweiten Fahrzeug befreien und drittens Insassen aus einem umgekippten Auto bergen“, erklärt Torsten Blüthmann, stellvertretender Amtsbrandmeister Bad Wilsnack/Weisen, die Situation. Die eingeklemmte Person ist ein 40 Kilo schweres Fass, das Auto, das nach einem Überschlag auf dem Dach liegt, ist ein Simulator. Kurz nach 17 Uhr erfolgt das Stichwort „Hilfeleistung VU klemm“ durch Torsten Blüthmann. „Die Kameraden wissen, dass eine Übung stattfindet. Wir wollten, dass möglichst viele teilnehmen und nicht gerade privat unterwegs sind“, erklärt er. Der Lerneffekt stehe im Vordergrund. So sind insgesamt mehr als 115 Feuerwehrleute dabei. Den Autobrand haben die Blauröcke aus Bad Wilsnack ziemlich zügig im Griff. Nicole Spielmann und Jochen Herbst greifen mit einem Schaummittel an und sorgen für einen dicken, weißen Teppich, der das Feuer erstickt.

Über eine Leiter wird Heike Ellner in Sicherheit gebracht.
Foto: Reik Anton
Über eine Leiter wird Heike Ellner in Sicherheit gebracht.
 

Bald nach dem ersten Stichwort wird es dann in Rühstädt ernst. Das Szenario: Das Besucherzentrum des europäischen Storchendorfes steht in Flammen, es sind noch Personen in dem Gebäude. Darunter auch Heike Ellner, Leiterin der Reservatsverwaltung. Sie finden die ehrenamtlichen Retter in ihrem Büro. Nachdem klar ist, dass es ihr gut geht, wird ihr ein Sicherungsseil angelegt, bevor es über eine Leiter aus dem zweiten Obergeschoss abwärts geht.

Jeder Raum muss von den Feuerwehrleuten überprüft werden. Dabei schauen sie in jede Ecke, in jeden Schrank, denn in Panik verstecken sich die Menschen, um Schutz vor Rauch und Flammen zu finden. Doch die Architektur des Besucherzentrums ist eine Herausforderung. Es gibt zahlreiche Räume, verschlossene Türen, enge Flure sowie schmale Treppen und kleine Fenster. Ein Albtraum für Retter und Opfer. Auf dem Dach des Gebäudes simuliert Ulrich Wulf von der Feuerwehr Breese, dass er verletzt ist und selbst nicht mehr laufen kann. Mit einer Trage müssen ihn die Feuerwehrleute in Sicherheit bringen. Selbst Ordnungsamtschef Gerald Neu unterbricht seinen Urlaub und ist bei der Übung dabei – als ebenfalls verletztes Opfer, das vom Dach geleitet werden muss.

Lagebesprechung, bevor alle Räume des Besucherzentrums nach Personen durchsucht werden.
Foto: Reik Anton
Lagebesprechung, bevor alle Räume des Besucherzentrums nach Personen durchsucht werden.
 

Die Verletzten werden auf dem Feld neben dem Besucherzentrum von 13 Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuzes in einem Betreuungszelt behandelt. „So eine Großübung ist auch für uns sehr gut, denn sonst stehen eher Einzelmaßnahmen auf dem Plan. Hier werden die Abläufe gefestigt und wir können mit den Feuerwehren gemeinsam trainieren“, sagt Christian Piehl vom DRK.

Gegen 19 Uhr ist die Übung am Besucherzentrum beendet, alle neun Personen, die noch im Gebäude waren, sind in Sicherheit. „Die Übungsideen waren gut. Grundsätzlich bin ich zufrieden. Dennoch haben wir einige Schwachstellen entdeckt, die beseitigt werden müssen“, sagt gestern Volker Lehmann, stellvertretender Kreisbrandmeister, mit Blick auf die Organisation an der Einsatzstelle oder auch die Verwendung einiger Geräte. Auch Torsten Blüthmann sieht Verbesserungspotential. „Solche Übungen sind dafür gedacht, an Dingen arbeiten zu können.“

Am 13. September ist eine weitere Auswertung mit der Amtswehrführung geplant, danach auch eine mit den Wehrführern. Das Besucherzentrum sei im Notfall eine echte Herausforderung, sagt Lehmann. Schon während der Übung ist klar, dass zum Beispiel Tragen zu sperrig sind in den engen Fluren und auf den schmalen Treppen. Tragetücher wären hier besser.  

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