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Der Prignitzer

17. Dezember 2017 | 03:20 Uhr

Groß Warnower Wehr wehrt sich

vom

svz.de von
erstellt am 19.Aug.2013 | 07:12 Uhr

Gross Warnow | Werden sie gerufen, stehen sie wie ein Mann. Doch wenn es zu Gemeindeausscheiden geht, dann kommt alles andere als Hurra-Stimmung bei ihnen auf. Und dabei haben sie sogar eine super Wettkampftruppe. Die Rede ist von der Freiwilligen Feuerwehr Groß Warnow. Mit den Frauen sind sie 26 Aktive. Sie haben ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSFW), das mittels moderner Schaumanlage faktisch aus einem Tropfen Wasser sieben Tropfen Schaum produziert und so schon eine Größe in der Brandbekämpfung darstellt, erläutert nicht ohne gewissen Stolz Andreas Freitag. Er ist der Ortswehrführer, "das erste halbe Jahr im Amt", ergänzt er schmunzelnd. Und er nennt weiter, was ihr Allround-Fahrzeug noch so an Bord hat: Schneid- und Spreizwerkzeug, Lichtmast, vier Atemschutzausrüstungen. Heute bereits zwölf Jahre alt, war es damals das modernste Fahrzeug weit und breit. Und jenes brachten die Groß Warnower wie auch ihr Gerätehaus faktisch als Mitgift in die Gemeindeehe ein. "Davon redet aber niemand", betont der junge Ortswehrführer. Vielmehr bekommen sie von anderen Wehren immer wieder durch die Blume zu verstehen - ihr habt ja alles und was noch nicht da ist, dass bekommt ihr schon. Schließlich wohnt der Gemeindebürgermeister in eurem Dorf.

Und genau das liegt den Groß Warnowern gelinde gesagt schwer im Magen, geht ihnen gegen den Strich, "weil es einfach nicht stimmt", ergänzt Martin Schmidt. Und sein Bruder Tommy, der zugleich auch Vorsitzender des Feuerwehrfördervereins ist, fügt an: "Wir haben ganz viel aus eigener Tasche finanziert." So wurde auch ein Transporter mit Hilfe des Fördervereins angeschafft und für die Belange der Wehr entsprechend um- und ausgerüstet. An Bord Kettensäge, Verkehrsleitkegel mit Blitz und ohne, Faltsignal zur Absicherung der Unfallstelle und einiges mehr. "Alles wichtig schon im Interesse unserer eigenen Sicherheit", betont Tommy Schmidt. Denn 90 Prozent der Alarmierungen betreffen technische Hilfeleistungen.

Seit Anfang 2000 gebe es den Förderverein und seither habe der sich für die Wehr aber auch für die Gemeinde ins Zeug gelegt. Janine Littmann, sie macht aktiv in der Frauengruppe mit, verweist auf die sogar satzungsmäßig verankerte Unterstützung für die Kita und Schule. "Demnächst feiern wir mit den Kindern wieder das Windmühlenfest." Vielleicht ein Grund, warum der Nachwuchs sich zu den Groß Warnower Blauröcken hingezogen fühlt. 15 Kinder und Jugendliche in zwei Mannschaften hat Jugendwart Conrad Staeck unter seinen Fittichen, und die kommen nicht nur aus Groß Warnow.

Inzwischen sind etliche Jugendliche schon in die Erwachsenenwehr nachgerückt bzw. einige Ehemalige sind aus der Ferne wieder ins heimatliche Dorf und natürlich dann auch in die Feuerwehr zurückgekehrt. "Die Chemie bei uns stimmt, das heißt nicht, dass immer alles Friede, Freude. Eierkuchen ist", betonen die Groß Warnower. Auch ihnen fällt es nicht leicht, am Tage das Fahrzeug voll zu besetzen. "Doch bis jetzt sind wir immer ausgerückt", so der junge Wehrführer. Und das soll so bleiben, zumal die Groß Warnower mit Blick auf die A 14 Stützpunktwehr werden möchten. Das heißt aber auch, die Leute entsprechend vorzubereiten. Andreas Freitag beginnt im November die Gruppenführerausbildung, zudem wolle man sechs weitere Leute zum Atemschutz trägerlehrgang schicken, fünf haben bereits die Berechtigung. Darüber hinaus mache man viel in Eigenregie, wie Fahrzeugkunde und dergleichen. Und wer die Groß Warnower Blauröcke sucht, freitags trifft er sie hundertprozentig an ihrem Gerätehaus, wenn sie nicht gerade zum Einsatz gerufen wurden. Übrigens, jenes haben sie jetzt auch erst wieder auf Vordermann gebracht - in Eigenregie und mit eigenem Geld. "Wir haben es seit 1998. Ein neues bekommen wir nicht, also müssen wir es pflegen. So einfach ist es", sagt Martin Schmidt.

Gut 2000 Euro hat der Förderverein in diesem Jahr schon in die Wehr gesteckt. "Wir brauchten unter anderem einen Saugschlauch, da wir auch eine Wettkampfmannschaft sind", so die Groß Warnower. Zumeist fahren sie aber zu Cups. Am 30. August geht zum Nachtpokal ins mecklenburgische Spornitz, im September zum Insel Poel Cup, wo 150 Teams sich im Löschangriff messen. "All das trainiert auch", sind sie sich einig.

Und wie kommt der Förderverein zu Barem? "Wir sammeln Schrott im Dorf, organisieren das Weihnachtsbaumverbrennen, helfen, wo unsere Hilfe benötigt wird. Und nicht zu vergessen unsere Sponsoren", zählt Janine Littmann auf. Als Kassenfrau des Fördervereins hat sie natürlich den besten Durch- und Überblick. Aber man müsse sich schon kümmern, von nichts komme nichts. Und persönlicher Kontakt ist immer besser, als Papier hin und her zu schicken. "Manchmal muss man einfach auch nur nicht locker lassen", weiß der Ortswehrführer.

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