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Der Prignitzer

24. November 2017 | 12:29 Uhr

Grasnarbe am Deich hat gelitten

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jul.2013 | 06:18 Uhr

Prignitz | Löcher im Deich, abgesackte Stellen, eine zerstörte Grasnarbe. Das Juni-Hochwasser hat immense Schäden hinterlassen, die jetzt sichtbar werden. "Rund 30 Schadstellen sind bisher gemeldet worden", sagt Lysann Jacob, Mitarbeiterin des Landesumweltamtes in Lenzen. Die Expertin muss mit ihren Kollegen entscheiden, wo sofortiger Handlungsbedarf besteht. Meistens ist es die kaputte Grasnarbe.

Treibgut kann ganze Grasbüschel rausreißen. Wo Sandsäcke und Faschinen wochenlang gelegen haben, ist das Gras abgestorben. Deswegen werde auch mit Hochdruck daran gearbeitet, die letzten noch verbliebenen Verbaumaßnahmen zu entfernen. "Die Wurzeln des Grases halten den Deich zusammen, stabilisieren ihn", erklärt Lysann Jacob.

Es sei ohnehin schwer, die Grasnarbe durchgängig in gutem Zustand zu erhalten und nach dem extremen Hochwasser sei es eine echte Herausforderung. Nicht überall werde sich das Gras von alleine erholen. "Teilweise werden wir Gras neu aussäen müssen, teilweise werden wir gar den Mutterboden austauschen." Und selbst dann sei es ungewiss, wie schnell das Gras bei diesem trockenen und heißen Wetter anwächst.


Ein Wettlauf gegen die Zeit

Es sei ein Wettlauf gegen die Zeit, denn niemand weiß, wann ein neues Hochwasser kommt. Selbst bei Pegelständen in Wittenberge um die vier oder viereinhalb Meter, komme es bereits zu Schäden an der Grasnarbe. Rund 1000 Quadratmeter Mutterboden werden für alle Schadstellen benötigt, wagt Lysann Jacob eine erste, sehr vage Schätzung. In dieser Größenordnung sei das Landesumweltamt gezwungen, eine Ausschreibung vorzunehmen.

Es sind die Mitarbeiter des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz, die die Schäden melden. Sie sammeln das Treibgut ein und schauen sich dabei sehr genau den Deich an. "Überall wo sie Schäden vermuten, wird ein blaues Fähnchen in den Boden gesteckt. Dann entscheiden wir dort, was getan werden muss", sagt Lysann Jacob und zeigt auf so eine Stelle.

Hier liegt ein richtiger Kieshaufen verteilt auf der Böschung. Sie klingt beim Hinabgehen hohl. Klarer Fall: "Hierunter befindet sich ein Tierbau", weiß Lysann Jacob. Die Tiere hätten den Kies sozusagen ausgegraben. Hier müsse schnell gehandelt werden. Ohne Reparatur könne so eine Stelle beim Hochwasser zu einer ernsten Gefahr werden.

Ein kleines, robustes Böschungsfahrzeug fährt bei Müggendorf im Schritttempo. Männer und Frauen laufen nebenher und sammeln das angespülte Treibholz auf, werfen es auf die Ladefläche. Keine leichte Arbeit bei diesen Temperaturen. "Wo das Gras höher steht, fressen dich Mücken und Bremsen auf", sagt Bodo Brennicke und hebt den nächsten Ast auf.

Doch nicht nur Holz finden sie hier. Leere Schnapsflaschen, Räder, Badewannen aus Plaste. "Es gibt fast nichts, was wir noch nicht gefunden haben", so Brennicke. Alles werde mitgenommen, sortiert und dann entsorgt. Das Einsammeln des Treibgutes sei zumindest am Elbdeich fast abgeschlossen. Vereinzelt liegen noch größere Stämme, die zersägt werden müssen.

Lysann Jacob meldet alle registrierten Schäden einem Büro in Pritzwalk. Dieses fertigt dazu eine umfangreiche Dokumentation an. Bis zur Deichschau im Herbst soll sie vorliegen und sei dann Grundlage für die Experten des Landesumweltamtes, die über die Art und Reihenfolge der Reparaturen an den Deichen entscheiden müssen.

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