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Kampfmittelbeseitigungsdienst im Einsatz : Granate legt Bauarbeiten lahm

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Baggerfahrer stößt auf Flakmunition ohne Zünder aus Zweiten Weltkrieg. Abtransport durch Kampfmittelbeseitigungsdienst

von
erstellt am 14.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Gestern gegen 8 Uhr auf der Baustelle neue Ampelkreuzung in Quitzow. Dirk Kaiser von der Firma Eurovia fräst mit seinem Bagger oberflächlich die Erdschicht ab. Ungefähr 60 Zentimeter tief dann das. Eine Bombe. „Nicht meine erste“, erzählt der Baggerfahrer und „doch ist einem immer wieder mulmig beim Anblick“, gesteht er.

Mit Schlag ruhen alle Arbeiten in diesem Baustellenbereich. „Wir haben ihn sofort gesichert“. Und dann laufen die Telefonleitungen heiß. Straßenbauamt und Baufirma werden informiert. Uwe Schleich vom Ordnungsamt der Stadt fährt umgehend zur Baustelle, der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes wird angefordert. An Ort und Stelle muss er entscheiden, wie mit der Fundmunition zu verfahren ist.

Eine 10,5 Zentimeter Sprenggranate liegt Paul Große vom Kampfmittelbeseitigungsdienst zu Füßen. „Sie hat keinen Zünder, wir können sie transportieren“, gibt der Spezialist gegen 11.30 Uhr Entwarnung. „In unserem Zerlegebetrieb wird die Granate später gesprengt oder anderweitig unschädlich gemacht.“ Dass es sich bei dem Fund um Flakmunition handelt, liege in diesem Fall sehr nahe, mutmaßt Paul Große. Der Meinung ist auch Hobbyhistoriker Jens Nering.

Im April 1945 wurde im Pritzwalker Bahnhof ein V2-Waffenzug der Wehrmacht von britischen Spitfire angegriffen. Der Bahnhof wurde dabei vollkommen zerstört. Es blieb nur ein Krater.

Auf dem Perleberger stand zu der Zeit ebenfalls ein Zug voll beladen mit Munition. Eine Explosion hätte verheerende Folgen für die Stadt gehabt. Geistesgegenwärtig zogen die Eisenbahner diesen aus der Stadt nach Quitzow. Hier nahmen ihn dann zwei der britischen Jagdflugzeuge unter Beschuss. „Von dem Zug blieb nichts übrig. Zerstört wurden zudem das Bahnwärterhäuschen und eine Scheune.

Stark getroffen wurde auch die Gaststätte an der heutigen B 5. Damals diente sie aus Ausweichquartier für Schwangere und junge Mütter. Verletzt wurde bei dem Angriff nach meinen Erkenntnissen niemand, doch die Schäden waren riesig“, berichtet Jens Nering. Die Trümmer lagen noch zwei Jahre nach dem Krieg dort. Die Munition, die nicht explodierte, wurde im Umkreis von 200 bis 250 Metern verteilt. Der Zug hatte Gewehr- und Artilleriemunition geladen, Flakgranaten und Fliegerbomben kleineren Kalibers. Die Munition wurde in der Regel ohne Zünder transportiert, weiß der Perleberger zu berichten.

 

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