Dorf macht Oper : Götter außer Rand und Band

Das Festspielhaus im ehemaligen Schweinestall war dieses Mal Refugium der Kinder, die hier die Klein Leppiner Weltausstellung gestaltet hatten. Fotos: Birgit Hamann
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Das Festspielhaus im ehemaligen Schweinestall war dieses Mal Refugium der Kinder, die hier die Klein Leppiner Weltausstellung gestaltet hatten. Fotos: Birgit Hamann

Klein Leppin macht 2015 Operette statt Oper – Publikum und Künstler fanden „Orpheus in der Unterwelt“ toll

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28. Juni 2015, 22:00 Uhr

Dorf macht Operette und Operette macht Spaß. Dieses Resümee könnte man aus den drei Tagen „Dorf macht Oper“ ziehen, die gestern Nachmittag mit der Aufführung von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ ihr viel bejubeltes Ende in Klein Leppin fanden. Der Abstecher des Festland e. V. ins Operettenfach, der über Jahre die Opernaufführungen zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender etablieren konnte, ist schnell erklärt. Christina Tast, Vorsitzende des Vereins: „Es war der Wunsch des Klein Leppiner Opernchores und vieler Besucher.“

Das soll natürlich nicht heißen, dass Opern-Inszenierungen der zurückliegenden Zeit den Beteiligten keinen Spaß machten. Aber: Die Operette setzte noch eins drauf. Sowohl den Akteuren auf den Bühnen – Café, Olymp und Unterwelt – als auch den Zuschauern merkte man an, dass das, was Regisseurin Mira Ebert dieses Mal auf die Bretter zauberte, erst einmal wieder getoppt werden muss. Die Persiflage auf die feine Pariser Oberschicht, festgemacht an Namen aus der griechischen Mythologie, war modern inszeniert. Kostüme und Ausstattung, bis hin zu Smartphones und Tablet-PC, passten eher ins 21. Jahrhundert.

Das wiederum machte umso mehr deutlich, dass der Offenbach-Stoff an Aktualität bis heute nichts eingebüßt hat. „Die öffentliche Meinung“, dargestellt von der Sopranistin Kathleen Brandhofer, reglementiert in Paris 1858 wie auch in der Prignitz 2015 so manche menschliche Verhaltensweise.

Köstliche zwei Abende – Generalprobe am Freitag und Premiere am Sonnabend – sowie ein amüsanter Sonntagnachmittag liegen nun hinter den Akteuren und den rund 800 Besuchern. Umrahmt wurden die Aufführungen von der ersten Klein Leppiner Weltausstellung, gestaltet von Prignitzer Kindern aus der näheren und ferneren Umgebung des Dorfes in der Gemeinde Plattenburg.

Sie werden schon immer in die Vorbereitung des Spektakels und auch in die Bühnenpräsentation integriert. Darüber hinaus gründeten die Kinder im Vorfeld den Radiosender „Unterfunk 26c“, erstellten einen Live-Bericht über die Aufführung. „Das rührt aus einer neuen Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur. Die Kinder haben im April den Sender besucht und erhielten dort ein erstes Coaching als Radioreporter“, berichtet Tast.

Bereits während der alljährlichen Operntage stellt sich stets die Frage: „Was kommt nächstes Jahr? “ Die Antwort lautet zu diesem Zeitpunkt immer ähnlich: „Das wissen wir noch nicht.“ Christina Tast ergänzte das am Sonnabend jedoch erstmals mit einem Zusatz: „Vielleicht machen wir mal ein Jahr Pause.“ Ob die Unentwegten in Klein Leppin und die zahllosen Fans von „Dorf macht Oper“ das durchhalten, bleibt indes abzuwarten. Eine Entscheidung soll es nach den Sommerferien geben.

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