Oberschule in Gefahr : Glöwens Schule erhält letzte Chance

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Ministerium erlaubt eine neue 7. Klasse , Gymnasium Perleberg nur zweizügig

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01. Juni 2017, 08:00 Uhr

Nur 13 Schüler hatten sich für die neuen 7. Klassen an der Oberschule Glöwen angemeldet, sagte die zuständige Schulrätin Doris Kerfin am Dienstagabend im kreislichen Schulausschuss, der im Gymnasium Perleberg tagte. Damit hatte die Schule das zweite Jahr in Folge die vorgeschriebene Mindestschülerzahl von 24 weit unterschritten.

Mehrere Wochen lang hatten Bildungsministerium und das Staatliche Schulamt Neuruppin beraten. Die Entscheidung sei erst wenige Stunden vor dem Auslaufen der Frist gefallen, nach der die Eltern informiert werden müssen. „Wir waren erleichtert“, so Doris Kerfin. Durch Zuweisungen anderer Schüler stieg die Zahl auf 20.

Aufatmen kann die Schule nicht. Das Ministerium habe deutlich gemacht, dass dies die letzte Ausnahme im Fall Glöwen sei. Das Schulgesetz sehe keine Einzügigkeit an weiterführenden Schulen vor. „Glöwen ist landesweit die einzige, an der das gestattet wurde“, ergänzte Schulrätin Kornelia Schießke.

Schon im vergangenen Jahr war die Schule in einer ähnlich schwierigen Lage. Damals retteten Kinder aus Flüchtlingsfamilien die Situation, so dass in den zwei jetzigen 7. Klassen 25 Schüler unterrichtet werden.

Die Gemeinde Plattenburg als Träger der Schule hofft und plant mittelfristig mit ihrem Fortbestand, hat allerdings darauf keinen Einfluss. Allein das Schulamt entscheidet über die Eröffnung neuer Klassen. Werden zwei Jahre in Folge keine 7. Klassen zugelassen, läuft die Schule aus, erklärt Schulrätin Schießke.

Beim Blick auf die prognostizierten Schülerzahlen droht Glöwen genau dieses Szenario. Bis zum Schuljahr 2021/22 wird mit elf bis 14 Anmeldungen gerechnet. Das geht aus dem neuen Schulentwicklungsplan hervor, der ebenfalls Dienstagabend vorgestellt wurde.

Glöwen ist in der Prignitz die einzig verbliebene weiterführende Schule jenseits der Städte Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk. An den dortigen Oberschulen herrscht mittelfristig kein Schülermangel. Eher das Gegenteil ist der Fall.

In Perleberg und Pritzwalk wird es mit über 80 Schülern jeweils vier siebente Klassen im nächsten Schuljahr geben. In Wittenberge sind es mit 73 Schülern drei Klassen, informierte Doris Kerfin. Die Tendenz in Wittenberge gehe in Richtung vier Klassen.

Neu im Angebot ist die Ibis-Schule, die seit diesem Jahr eine Sekundarstufe anbietet. Sie hat für das kommende Schuljahr zwölf Anmeldungen bekommen, das ist die maximal zugelassene Zahl. Als Schule in freier Trägerschaft ist sie nicht an die Mindestzahlen der staatlichen Schulen gebunden.

Auch die drei Gymnasien müssen vorerst nicht um ihren Fortbestand bangen. Wittenberge und Pritzwalk können mit 69 bzw. 68 Schülern je drei siebente Klassen eröffnen. In Perleberg sind es nur zwei mit je 30 Schülern.

Angesichts der nur geringen Differenz zu den anderen Gymnasien hält der Kreistagsabgeordnete Torsten Diehn (SPD) diese Entscheidung für „nicht nachvollziehbar“. Ein gutes Lern- und Arbeitsklima sei bei diesem Maximum an Schülern nicht möglich, so Diehn. Hier werde aus wirtschaftlichen Gründen entschieden.

Schulrätin Kerfin verwies auf Gespräche mit dem Gymnasium. Die Schulkonferenz habe der Schülerzahl zugestimmt, die Schule erhalte zusätzliche Lehrerstunden und könne drei Fremdsprachen anbieten. Damit habe das Schulamt „sehr großzügig“ agiert, sagte sie. In anderen Kreisen seien die 30 Schüler längst keine Ausnahme mehr.

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