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Krankenhausspiegel : Gläserne Klinik legen Daten offen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

KMG machen beim Krankenhausspiegel Brandenburg mit, Kreiskrankenhaus setzt vorerst auf andere Möglichkeiten der Transparenz

von
erstellt am 04.Okt.2017 | 04:50 Uhr

Patienten sollten möglichst schon vor einer geplanten Behandlung, das Krankenhaus kennen, sich einen Überblick über die Qualität der Behandlungen verschaffen. „Dieser Transparenzgedanke ist uns wichtig und deshalb beteiligen wir uns am neuen Krankenhausspiegel Brandenburgs“, sagt Stefan Eschmann, Vorstandsvorsitzender KMG Kliniken plc.

Die Politik befürworte diese Mitarbeit und immer mehr Patienten erwarten genau diese Transparenz. „Patienten recherchieren im Internet, informieren sich. Eine positive Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist“, so Eschmann. Der Spiegel biete zugleich eine Chance, „zu zeigen, was wir als Krankenhaus können und er motiviert, dort, wo möglich, besser zu werden“.

KMG ist darin mit ihren brandenburgischen Häusern Pritzwalk, Wittstock und Kyritz vertreten. Ausgewertet wurden Daten aus dem Jahr 2015, erklärt Eschmann. Es sind die aktuell vorliegenden. Sie beziehen sich auf spezifische Behandlungen wie Herzkatheteranwendungen oder Ersatz von Hüft- und Kniegelenken.

Ein Beispiel: Beim Hüftgelenkersatz gab es in Pritzwalk 103 Patienten. 95 Prozent erreichten bei ihrer Entlassung eine gute Beweglichkeit. Der Wert liegt unter dem Landesdurchschnitt von 98,3 Prozent. Bei der gleichen Operation im KMG Klinikum Kyritz sind es 100 Prozent. Die Abweichungen können sich beispielsweise durch die besondere Komplexität der Eingriffe ergeben, so Eschmann.

Diese und weitere Qualitätsmerkmale der Behandlungen finden sich im Spiegel wieder. „Der Krankenhausspiegel macht zweifellos Sinn, kann aber in Teilen noch besser verständlich aufgebaut werden, so dass auch Laien ihn sicher und schnell verstehen können“, spricht Stefan Eschmann eine Problematik an, die die Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg e.V. als Initiator erkannt hat. Eine Arbeitsgruppe, in der auch KMG vertreten ist, prüft Möglichkeiten der Änderung, die möglichst bis zur Veröffentlichung der Daten aus 2016 greifen sollen

Neben dem Krankenhausspiegel beteiligt sich die KMG an der bundesweiten Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Sie wertet Routinedaten aus, misst die Qualität der Behandlung. „Wir haben uns bei IQM freiwillig verpflichtet, unsere Ergebnisse mitzuteilen und transparent zu machen. Kommt es zu Auffälligkeiten, werden diese im Rahmen sogenannter Pier Reviews durch speziell ausgebildete Chefärzte anderer Kliniken untersucht“, so Eschmann. Diese Initiative an dem mehr als zehn Prozent der deutschen Kliniken beteiligt sind, halte er aktuell für führend.

Auch das Kreiskrankenhaus in Perleberg spricht sich für Transparenz aus, hat sich aber gegen eine Teilnahme am Krankenhausspiegel entschieden. „Die Art und Weise der Darstellung hat uns nicht überzeugt“, begründet Geschäftsführer Karsten Krüger.

Es würden Kliniken mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen miteinander verglichen. „Die Patientenstruktur ist unterschiedlich, zum Beispiel beim Alter.“ Bei älteren Patienten sinken Heilungschancen, die Gefahr von Komplikationen steigt oder sie haben multiple Erkrankungen. Die Alters- und Patientenstruktur der Prignitz unterscheide sich wesentlich von der im Berliner Umland. „Das macht Ergebnisse schwer vergleichbar“, so Krüger. Hinweise dazu werden zwar auf der Homepage des Krankenhausspiegels gegeben, reichen aus Krüger Sicht aber nicht aus.

Diesen und weitere Hinweise habe man dem Betreiber mitgeteilt. „Wir schauen uns die Entwicklung an, warten auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppe. Wir schließen eine künftige Teilnahme nicht aus“, sagt der Geschäftsführer.

Die Perleberger Klinik sei dennoch transparent. Die bei der Landesärztekammer angesiedelte Landesgeschäftsstelle Qualitätssicherung erhalte laufend alle Behandlungsdaten, mehr als die offiziell geforderten, betont Karsten Krüger. Stichprobenartig würden diese auf Richtigkeit überprüft, allerdings in zu großen Abständen.

Hausintern gebe es seit Jahren ein Beschwerdemanagement, für das zwei Kollegen zuständig sind. Dazu kommen zwei Patientenfürsprecher, der Lob- und Tadelbogen für jeden Patienten sowie seit neuestem ein Touchbildschirm mit acht Fragen, die Patienten zu Themen wie Pflege, Hygiene oder Verpflegung beantworten können. Alle Elemente würden rege genutzt. Auf der privat betriebenen Internetseite klinikbewertungen.de können Patienten das Perleberger Haus bewerten. Aktuell liegen dort rund 90 Bewertungen vor, die jüngste stammt vom März 2017.

 

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