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Der Prignitzer

19. September 2017 | 22:41 Uhr

Gitterroste sorgen für Ärger

vom

svz.de von
erstellt am 03.Nov.2011 | 07:49 Uhr

Kietz | Alljährlich verenden unzählige Kröten und Frösche auf dem Weg zu ihren Laichplätzen unter Autoreifen. Auf der Bundesstraße 195 zwischen Kietz und Unbesandten könnte ihnen dieses Schicksal künftig erspart bleiben. Im Zuge der Sanierungsarbeiten der Straßendecke lässt der Landesbetrieb für Straßenwesen ein Amphibien-Leitsystem errichten. Doch Anwohner und Jäger haben damit ein Problem.

Installiert wurden zwölf so genannte Krötentunnel, um Rotbauchunke, Laubfrosch und Co ein gefahrloses Unterqueren der Bundesstraße zu ermöglichen. Damit die Frösche den Weg zu den Tunneln finden, wurden etwa 60 cm hohe Wände aus Polymerbeton auf einer Strecke von einem Kilometer beidseitig der Straße aufgestellt. Geschätzte Kosten der gesamten Anlage: knapp 247 000 Euro, die das Land mit Hilfe der Konjunkturpaketmittel in den Naturschutz investiert. "Insgesamt hat die Baumaßnahme ein Volumen von rund 2,7 Millionen Euro", sagt Robby Werdermann, Sachgebietsleiter beim Landesbetrieb für Straßenwesen.

Doch nicht überall stößt die Gestaltung der Schutzmaßnahme auf Gegenliebe. So ist das Ausmaß der Baumaßnahme zum Schutz der Frösche nach Meinung vieler Einwohner der Lenzerwische überdimensioniert. "Man hätte für das Geld lieber einen ordentlichen Fahrradweg bauen sollen", heiß es hinter vorgehaltener Hand.

"Das ist eine regelrechte Unfallquelle", sagt Angelika Jothann aus Kietz und zeigt auf eine mit einem Gitterrost verschraubte Betonröhre im Boden vor ihrer Hauseinfahrt. In die sollen die Tiere fallen, um in den nächsten Tunnelübergang zu gelangen. "Mit Hackenschuhen oder dem Krückstock bleibt man schnell mal im Gitter hängen und knickt um. Auch für Besucher oder den Postboten kann das Gitter im Dunkeln gefährlich werden. Die Abstände zwischen den Stäben sind zu groß." Sie selbst sei schon einmal fast gestürzt und hat deshalb eine Eingabe an das Landesstraßenbauamt eingereicht. Gegen die Schutzmaßnahmen für die Amphibien im Allgemeinen sperrt sich die gehbehinderte Rentnerin nicht, gibt aber zu: "Ich hab noch keinen Frosch hier lang hüpfen sehen."

Doch Angelika Jothann ist nicht die Einzige, die Änderungen am Abdeckrost fordert: "Es gibt auch Beschwerden der Jägerschaft", bestätigt Jörg Molz vom Lenzener Ordnungsamt. Die Waidmänner befürchten, dass sich das Wild in den Gittern auf den Röhren, die vor Straßenübergängen in den Boden gesetzt wurden, verfängt und verletzt. "Wie haben die Bedenken in das Protokoll der Bauberatung aufgenommen", erklärt Jörg Molz.

Für Frank Schmidt vom Landesstraßenbauamt sind die Einwände nur bedingt nachzuvollziehen. "Das Wild geht nicht über die Roste", sagt er und verweist auf Beispiele in Österreich. Die Abdeckungen seien nach Vorschrift gebaut und würden nicht demontiert. "Im Fall der Frau werden wir sicher eine Lösung finden", ist sich Frank Schmidt sicher.

Anwohner und Autofahrer können dagegen aufatmen: Ende November sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Lediglich Restarbeiten, die den Durchgangsverkehr kaum beeinflussen, stünden noch an. "Wir liegen voll im Plan", bestätigt Robby Werdermann.

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