Gewerbeauskunft auf Kundenfang

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12. September 2012, 09:14 Uhr

Prignitz | Die Schreiben, die das Unternehmen Gewerbeauskunft-Zentrale.de derzeit auch an Unternehmen in der Prignitz verschickt, macht einen amtlich korrekten Eindruck. Behördentypisches graues Recyclingpapier, genaue Anweisungen zum Ausfüllen freier Flächen und eine subtile Warnung im Briefkopf: "Schreiben ist ihnen schon am ... per Post zugestellt worden!"

"Das ist eine ganz klassische Falle, um Unternehmen für einen Eintrag in ein Branchenverzeichnis zu ködern", bestätigt Hartmut Müller von der Verbraucherzentrale Brandenburg den Verdacht unserer Redaktion, an die das Schreiben adressiert war. "Die amtliche Aufmachung suggeriert, dass das Schreiben unbedingt auszufüllen und abzusenden sei. Dabei spekulieren die Absender auf den hektischen geschäftlichen Alltag, in dem derartige schreiben gern mal nur überflogen und rasch unterschrieben werden, damit sie vom Tisch sind."

Die Gewerbeauskunft-Zentrale.de sei seit langem für ihr Geschäftsgebaren bekannt. "Das ist eine Masche am Rande der Legalität, denn sie ist allein darauf ausgerichtet, den Empfänger zu überrumpeln. Illegal ist es aber nicht, und das wissen die Urheber sehr genau", so Müller.

Auch vor Gericht hätten Geschäftsleute, die das Formular ausgefüllt und unterschrieben zurücksenden, später schlechte Karten. "Im Kleingedruckten ist von einem Eintragungsangebot die Rede. Mit der Unterschrift kommt ein rechtsgültiger Vertrag zustande, denn hätte sich der Geschädigte das Schreiben und die auf der Rückseite aufgedruckten Allgemeinen Geschäftsbedingungen durchgelesen, hätte er erkennen können, dass es um einen kostenpflichtigen Eintrag in einem Verzeichnis geht." Ein Urteil des Landgerichts Gießen folgte dieser Einschätzung.

Daher rät der Experte, derartige Schreiben bis ins Detail durchzulesen und keinesfalls vorschnell zu unterschreiben. "Der Eintrag bringt Unternehmern nichts als Kosten, denn kaum ein Kunde nutzt derartige Verzeichnisse, um Dienstleister zu kontaktieren."

Die Kosten für einen einjährigen Eintrag belaufen sich übrigens auf horrende 569,06 Euro.

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