Erntezeit : Getreidediebstahl gibt Rätsel auf

Um ein Weizenfeld abzuernten, braucht es neben Mähdreschern auch entsprechende Transportkapazität.
Um ein Weizenfeld abzuernten, braucht es neben Mähdreschern auch entsprechende Transportkapazität.

Polizei ermittelt Ernteunternehmen – das spricht von einer Vereinbarung mit den Flächeneigentümern

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12. August 2015, 22:00 Uhr

Das Verschwinden der Ernte von einem ganzen Weizenfeld zwischen Preddöhl und Buckow gibt weiter Rätsel auf. Gestern hatte der „Prignitzer“ in einer Polizeimeldung darüber berichtet, dass Unbekannte zwischen dem 8. und 11. August den Getreideschlag abgeerntet hatten. Auf 22 Hektar – das entspricht etwa der Größe von 30 Fußballfeldern – sei der Weizen weg gewesen, und den Besitzern dadurch ein Schaden von rund 27  000 Euro entstanden, hatten die Ermittlungsbehörden informiert.

Die Polizei hatte gestern zunächst darüber informiert, dass in alle Richtungen ermittelt werde. „Ich kann mich allerdings an keinen Fall erinnern, in dem ein Getreidefeld von Dieben abgeerntet worden ist“, sagte Dörte Röhrs, Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. „Was schon einmal vorgekommen ist, dass sich ein Landwirtschaftsdienstleister aufgrund fehlender Ortskenntnis im Feld geirrt und das Nachbarfeld seines Auftraggebers abmäht hat. Aber Diebstahl in diesen Dimensionen, das wäre neu.“

Auch Lothar Pawlowski, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, hat sich über die Polizeimeldung gewundert und gibt sich skeptisch. „Dass einem Landwirt ein ganzes Feld leer gemäht wird und die Ernte verschwindet, das wäre, so es denn stimmt, meines Wissens nach der erste Fall dieser Art im Kreis, ein absolutes Novum.“ Allerdings, räumte Pawlowski ein, kenne er den Betrieb nicht. „Ich vermute, dass er auch nicht im Kreisbauernverband Mitglied ist, denn sonst hätten wir sicher zeitnah eine entsprechende Meldung wegen des Diebstahls erhalten.“

Im Laufe des Tages meldete sich das betroffene Unternehmen zu Wort. Die Königsberger Agrarservice GmbH, der der Schlag gehört, geht demnach von einem Diebstahl aus und nicht etwa von einem versehentlich abgeernteten Feld.

Vergangene Woche sei noch alles in Ordnung gewesen, am Dienstag sei das Getreide weg gewesen, sagte Geschäftsführer Michael Schuran. „Wir wollten dort ernten, und da waren schon Stoppel“, berichtete er.

Es ist gegen 15.30 Uhr, als die PD Nord gestern über einen ersten Ermittlungserfolg informiert. „Die Kollegen der Kripo konnten das Unternehmen, das das Feld abgeerntet hat, ausfindig machen“, sagte Sprecherin Dörte Röhrs. „Der Betrieb hat der Polizei gegenüber angegeben, dass es zwischen ihm und dem Flächeneigentümer eine Vereinbarung über die Nutzung gegeben haben soll. Wir prüfen jetzt, inwiefern hier tatsächlich etwas abgesprochen wurde.“

Kreisbauernchef Pawlowski wies im Zusammenhang mit zunächst als Diebstahl angezeigten Fällen darauf hin, dass es unter Landwirten nicht unüblich sei, Schulden mittels sogenanntem Früchtepfandes zu regeln. „Das bedeutet, dass ein Flächenbesitzer seinem Gläubiger die Schuld in Naturalien, also der Ernte, überlässt.“ Wenn solch eine Vereinbarung in Vergessenheit gerate, könne es aussehen wie ein Diebstahl.

Generell seien Diebstähle in der Landwirtschaft aber vielmehr in Bezug auf die Maschinen ein Problem, denn hin und wieder verschwinden selbst Großgeräte von Äckern. „Hier sind Versicherungen wichtig, denn wenn ein Traktor oder ein Mähdrescher gestohlen wird, liegt der Schaden schnell im sechs- bis siebenstelligen Bereich“, sagt der Kreisbauernchef.

Außerdem sei die Absicherung gegen Brandschäden für Landwirte essenziell. „Wenn wir ernten, ist es meist heiß und trocken. Da reichen ein Funke, ein heißgelaufenes Lager oder ein anderer Defekt an einer Erntemaschine, und es brennt lichterloh. Ein Stoppelfeld brennt wie Zunder, und jedes Jahr gehen bei der Ernte Felder in Flammen auf. Auch bei der Technik gibt es jedes Jahr Verluste durch Feuer.“

Schließlich bleibe das Wetter ein Risiko für die Ernte. „Vor allem Hagel und Starkregen können erhebliche Ernteausfälle verursachen“, sagt Pawlowski. Aber auch dagegen könnten sich Landwirte versichern, um das Ausfallrisiko zu minimieren.  

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