zur Navigation springen

Diamantene Hochzeit in Reckenzin : Gesundheit ist der größte Wunsch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gerda und Rudolf Kauder aus Reckenzin begingen gestern ihren 60. Hochzeitstag / Große Feier am Samstag in Groß Warnow

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Sie kennen sich schon seit fast 65 Jahren und sind seit 60 Jahren miteinander verheiratet: Gestern begingen Gerda und Rudolf Kauder aus Reckenzin ihre „Diamant-Hochzeit“. Die 84-Jährige und ihr ein Jahr älterer Mann gaben sich am 3. Januar 1957 das Ja-Wort, knapp vier Jahre nachdem sie sich in Streesow kennenlernten. „Das war beim Neujahrstanz 1953“, erinnert sich Gerda Kauder. Damals habe es in praktisch jedem Dorf einen Neujahrstanz gegeben und bei dem einen fiel ihr dieser junge Mann auf.

Wie es in den östlichen Bundesländern keine Seltenheit ist, so beginnt auch die Liebesgeschichte der Eheleute Kauder mit einer Flucht. Denn Rudolf kam in der Nachkriegszeit als Flüchtling aus Schlesien. „1947 kam ich aus der Nähe von Breslau hier her“, erinnert er sich. Gerade einmal 16 Jahre war er alt. Noch heute hört man ihm seine frühere Heimat an, denn seinen schlesischen Dialekt ist er nie ganz losgeworden. „Ich habe früher schon viel gequasselt und manchmal hat man mich hier gar nicht verstanden. Irgendwann mischte sich das bei mir langsam mit dem Plattdeutschen“, schätzt Rudolf Kauder ein. Nach der Ankunft in der Prignitz habe man damals die jungen Schlesier versammelt und die örtlichen Bauern kommen lassen. „Die haben sich die stärksten Burschen ausgesucht, als Arbeitskräfte“, erinnert er sich. Kost und Logis waren frei, eine Mark pro Tag gab es als Lohn. Fünf Jahre lang hat der junge Rudolf in der Landwirtschaft geholfen. „Man musste sich erstmal ein bisschen Geld verdienen, es gab ja auch praktisch keine Wohnungen. Wo sollte man hin?“, ergänzt seine Frau, die bei der LPG in der Pflanzenproduktion ihre Stellung fand und in den Wintermonaten auch im Stall mit anpackte. Um als Paar auf eigenen Füßen zu stehen, blieb den beiden irgendwann nur die Heirat. „Wenn wir nicht geheiratet hätten, hätten wir auch keine Wohnung bekommen“, sind sich die Eheleute sicher. Zwei Kinder komplettierten dann Anfang der 60er das Familienglück, Rudolf Kauder fand Arbeit im Gleisbau.

Das Leben in der DDR sei einfach und arbeitsreich gewesen. Neben ihren Berufen mussten noch etwas Kleinviehhaltung und ein Garten her. Das brauchte man alles, um sich zum Teil selbst versorgen zu können. Am Leben in Reckenzin habe sie insbesondere die Ruhe gereizt. „Es war schon immer schön ruhig hier. Wir hatten früher einen kleinen Konsum im Dorf und eine Kneipe. Und wenn man manchmal mehr brauchte, zum Beispiel vom Fleischer oder einfach nur Kleidung, dann fuhr man mit dem Bus nach Grabow“, erzählt Gerda Kauder.

Neben den Höhen gab es in einer so langen Ehe natürlich auch mal das eine oder andere Tief. Aber es sei nie etwas großes gewesen, versichern sie einhellig. Und heute? „Wir planen in unserem Alter nicht mehr viel, wir sind froh, wenn wir gesund sind“, sagt Gerda Kauder. Auf die zwei jährlichen Busreisen möchten sie aber nicht verzichten. Seit Jahren buchen sie gerne sogenannte „Blaufahrten“, lassen sich vom Reisedienst überraschen, wohin es geht. Das möchten sie noch machen, solange es geht.

Am Freitag begeht nun Rudolf Kauder seinen 86. Geburtstag, bevor sich dann die gesamte Familie am Samstag in Groß Warnow in der Gaststätte „Zum goldenen Stern“ einfindet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen