Gesund genießen mit Hildegard von Bingen

Jürgen Schmidt versteht es, das Mittelalter lebendig zu machen.
1 von 5
Jürgen Schmidt versteht es, das Mittelalter lebendig zu machen.

von
21. September 2012, 06:16 Uhr

Wittenberge | Eine kleine Holzschatulle geht von Hand zu Hand: "Greifen Sie zu. Zerkauen Sie ein winziges Stück. Sie werden staunen", lädt Robert Kodlin ein. Der Chefkoch des Theaterkellers hat nicht zu viel versprochen. Der Assampfeffer entfaltet eine erstaunliche Wirkung. Es kribbelt, im Mund breitet sich Wärme aus, gemischt mit einem pfeffrig-säuerlichen Geschmack. So besonders, wie dieser Pfeffer heute anmutet, muss es den Menschen im Mittelalter ergangen sein, wenn sie ihr Essen mit Gewürzen, vielleicht noch kostbareren aus dem Orient verfeinerten.

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) kannte manch feines Kräutlein zum Würzen, empfahl das eine wegen seiner guten Wirkungen, lehnte andere als "Küchengift" ab. Die Frau, die für ihre Zeit ein fast biblisches Alter erreichte, beschäftigte sich mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie, propagierte eine "maßvolle Lebens-Ordnung".

Für das Hier und Heute heiße das: Wir müssen nicht Diät essen, aber gut und bekömmlich speisen. Solcher Art eingestimmt, erwartete in dieser Woche eine Runde von 30 hungrigen, vor allem aber gespannten Gästen, was der Abend ihnen bringen würde. Sie testeten die neueste Idee des Kultur- und Tourismusbetriebes (KSTW): Erlebnisgastronomie ganz im Zeichen der Hildegard von Bingen, die wohl, drückt man es modern aus, als Powerfrau des Mittelalters gelten darf.

Die Marketingchefin des KSTW kann auf den versierten Stadtführer Jürgen Schmidt setzen, zum Testabend noch im 50 Pfund schweren Kettenhemd, künftig aber in der Mönchskutte als Hildegards Begleiter. Als kreativer Koch steht Robert Kodlin der Mannschaft des Theaterkellers vor. Manuela Bleß weiß als Hildegard von Bingen höchstselbst von der heilenden und beruhigenden Wirkung der Edelsteine zu berichten, Brigitte Hemmerling kann aus dem Vollen ihres Wissens über Gewürze und Würzkräuter schöpfen. In dieser Woche noch nicht dabei, aber fest eingeplant für das erste Gastmahl, das quasi als Comeback für die Ideen vom gesunden Lebenswandel der Hildegard von Bingen gelten darf, ist Eberhard Schomaker als Lautenspieler.

Heiter-poientiert eingestimmt auf das Mittelalter und die gar nicht so ritterlich auftretenden Rittersleut’, auf die Klosterfrau und ihre Vita, ging es ans Essen. Dinkelbrot zu Fenchelsuppe, und die dann auch noch in einer Brot-Tasse: Das lässt sich gut, ja sehr gut an, zumal auch die typischen von-Bingen-Gewürze Galgant, Quendel und Bertram Verwendung finden. Auch der folgende Hauptgang kitzelt die Zunge. Kartoffeln kannte man zu Hildegards Zeiten noch nicht. Das Senffleisch aus Rind - Schweinefleisch galt als Küchengift - gibt es zu Pastinaken und Kürbis. Kodlin und die Kräuterfrau können erklären, was sich dahinter verbirgt. Zum krönenden Abschluss gibt es Bratapfel im Schlafrock. Die Rezepte, so versichert Robert Kodlin, lehnen sich eng an Kochvorschriften der Benediktinerin an. Wer es nachkochen will, erhält vor dem nach Hause Gehen die Rezeptur feinsäuberlich auf einem Zettel notiert.

Wer selbst einmal wie Hildegard von Bingen speisen und rundherum gut unterhalten werden möchte, sollte sich für den ersten Abend bei der Powerfrau am 16. April 2013 anmelden.

Darum geht's im MEDIENPROJEKT von SVZ und NNN

Etwa 75.000 Schüler und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern erhalten in einem gemeinsamen Projekt der Zeitungsverlage und des MV-Bildungsministeriums bis zum Jahresende kostenlosen Zugang zu den Newsportalen. Fragen Sie an den Einrichtungen ihrer Kinder nach den Bedingungen und Login-Daten, die Sie auch in der Familie nutzen können.
Was bewegt die Schüler ab Klasse 5 bis hinauf in die Gymnasien und Berufsschulen unseres Landes? Was passiert in ihrem Umfeld, in Deutschland und der Welt? Wie können seriöse Nachrichten von Fake News unterschieden werden?
Die Schweriner Volkszeitung und die Norddeutschen Neuesten Nachrichten bieten den Schülern die aktuellsten Berichte, liefern in einem speziellen Dossierbereich "Diskussionsstoff" für den Unterricht und möchten mit ihnen in Austausch kommen.
 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen