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Der Prignitzer

19. November 2017 | 21:05 Uhr

Havelberg : Gesucht: Zeitzeugen der DDR-Mode

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Alice Peterich will die Kindermode aus DDR-Zeiten erforschen und hofft auf Unterstützung mit Fotos, Geschichten und Originalen

svz.de von
erstellt am 09.Sep.2016 | 11:45 Uhr

Wie sah die Kinderkleidung in der DDR aus, was trugen die Mädchen und Jungen, wodurch war diese Mode geprägt? Fragen, auf die die Historikerin Alice Peterich Antworten geben will. Nachdem sie sich bereits mit der Kinderkleidung in Mecklenburg-Vorpommern in der Zeit von 1860 bis 1960 intensiv beschäftigt und das Buch „Zeigt her eure Kleider – Kindermode im Wandel der Zeit“ herausgegeben hat, widmet sich die gebürtige Mecklenburgerin, die bis 2001 im Stadtmuseum Leipzig arbeitete, nun der Kindermode in der DDR.

Havelberg ist eine wichtige Adresse für ihre Recherchen. Denn in der Domstadt gab es einst den VEB Oberbekleidung Havelberg, der auch für seine Kinderkleidung bekannt war. Sie selbst hat ein Mädchenkleid von ihren Töchtern, das zirka 1987 in Havelberg produziert wurde. Gern hätte sie noch mehr Kleidung, Fotos davon und vor allem Berichte von Zeitzeugen. „Die Erinnerungen der Zeitzeugen sind immer das Spannendste“, findet die 65-Jährige. Sie hofft, dass sich viele Leute bei ihr melden. Dabei ist sie neben der Kindermode und den dazu gehörigen Erinnerungen aus Havelberg generell interessiert an Schulanfangskleidung der DDR, festlicher Kleidung zur Jugendweihe, Spiel- und Sportsachen, Pionierkleidung, Schuhen und Schmuck. Gleiches gilt für Kinderfotografien, Modezeitungen und Strickanleitungen. „Wer erinnert sich noch an Kleidungsgeschenke aus der BRD, die aus Westpaketen stammen“, fragt die Historikerin. „Ich suche außerdem originale Kindersachen aus der DDR-Produktion. Vielleicht ist ja auch jemand bereit, vorhandene Kleidung zu Studienzwecken leihweise zur Verfügung zu stellen.“

Bei ihren Recherchen zur Kindermode in Mecklenburg-Vorpommern stieß sie auf die Produktion von Kinderkleidung in den 1950er Jahren. Jener Zeit, in der sie geboren ist. Ihr Interesse war geweckt. „Ich möchte diese Modezeit als Teil der Kulturgeschichte rekonstruieren und damit festhalten“, sagt die Historikerin. Dabei suchte sie zunächst nach Betrieben zwischen Rostock und Suhl, in denen Kinderkleidung hergestellt wurde. „Es gibt so viele, zum Beispiel hatte der Betrieb in Magdeburg eine Niederlassung in Salzwedel und der in Berlin eine in Neubrandenburg.“ Interessiert ist sie auch an Modekatalogen, die zu DDR-Zeiten den Modeversand möglich machten. Dabei geht sie auch der Frage nach, ob die Kleidung so wie abgebildet getragen wurde. Welchen Einfluss hatte der Westen auf die Mode, gab es einen Austausch zwischen den Modemachern, ist ein weiteres Feld, dem sie sich widmet.

Ihre beiden Töchter sind 1978 und 1982 geboren, somit hat Alice Peterich auch selbst Erinnerungen an Kleidung, aber auch Bücher, die sie gelesen haben. Es wurde aber auch viel selbst geschneidert in der DDR. Die Vielfalt möglicher Dokumentationen ist groß. „Man braucht vor allem viel Geduld für die Recherchen“, weiß sie aus Erfahrung. Besuchen will sie zum Beispiel auch Archive, um möglichst viel über die DDR-Kindermode herauszufinden. Im Internet hat sie unter museum-digital ein Kinderkleid aus dem Prignitz-Museum entdeckt, das ebenfalls in Havelberg produziert wurde. Von Interesse sind zudem Modetrends wie Flower-Power in den 70er Jahren oder die Schlaghosen: War die Kindermode wie die Erwachsenenmode davon geprägt oder gab es eher die praktische Mode, die den Kindern das Spielen besser möglich machte?
 

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