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Beschwerde in Birkholz : Gestank sorgt für Unmut

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Birkholzer Anwohner beschweren sich über offen liegenden Aushub aus Gülle-Kanal. Inhaberin der Milchviehanlage gibt Erklärung

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 21:00 Uhr

„Fakt ist, es besteht keine Gefahr für das Allgemeinwohl und es ist keine illegale Müllabfallablagerung, unterliegt nicht dem Abfallgesetz“, sagt Andreas Much, Sachbereichsleiter Abfallwirtschaft des Landkreises. Die Birkholzer müssen sich keine Sorge machen, dass von der Flüssigkeit Gefahr ausgehe. Was war passiert? Direkt neben dem Wirtschaftsweg zur Dorfseite hin liegt ein Haufen. Anwohner hatten sich bereits Anfang vergangener Woche über den üblen Geruch beschwert und der Gemeinde Karstädt einen anonymen Hinweis gegeben. Die Gemeinde als Eigentümerin des Grundstücks informierte die Polizei, stellte Anzeige. Die Gemeinde kümmere sich aber um die Beseitigung. Auch die Untere Wasserbehörde ist inzwischen eingeschaltet worden. Einige Anwohner sind immer noch verärgert, erkundigten sich am Donnerstag telefonisch beim „Prignitzer“, was denn mittlerweile geschehen sei.

„Der Prignitzer“ fuhr nach Birkholz. Wie Anwohner sagen, die nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden wollen, sei es ein Unding, so einen übel riechenden Haufen hundert Meter vom Spielplatz abzuladen. Der Starkregen in den vergangenen Wochen hätte die Lage verschärft. Er spülte den großen Haufen auseinander. Der Wirtschaftsweg solle unterspült gewesen sein, wie Anwohner berichten. Inzwischen ist der Haufen kleiner geworden, und auch der Weg ist frei. Wie sich der „Prignitzer“ selbst ein Bild von der Lage machte und Kontakt mit der Verursacherin aufnahm. Landwirtin Sabine Nolte, Inhaberin der Milchviehanlage in Birkholz, lud uns sofort ein, ihren Betrieb mit 15 Beschäftigten anzusehen und über die Ablagerung zu sprechen. Während sie uns über ihre Anlage mit dem Melkkarussell, den verschiedenen Ställen für ihre 700 Milchkühe, von denen immer rund 100 trocken stehen, weil sie in den nächsten Wochen kalben oder sich davon erholen, führt, erklärt sie im großen Kuhstall ihre Sicht. Dabei zeigt sie auch die Gülle-Kanäle, aus denen der Aushub stammt. „In unserer Gassilage ist ein erhöhter Anteil von Sandpartikeln. Das liegt an dem hohen Besatz an Maulwürfen, die ja geschützt sind, deren Hügel zwar immer abgeschleppt und gewalzt werden, die Erde bei der Ernte trotzdem mit in das Futter gelangt. Im Laufe der Zeit setzen sich durch den im Kot der Kühe enthaltenen Sand unsere Gülle-Kanäle vollständig mit Sand zu. Alle vier, fünf Jahre müssen wir sie ausbaggern, so auch in diesem Jahr in einem Stall“, erklärt Nolte.

Vor dem Starkregen war der dickflüssige Aushub mit Mist und Futterresten gesichert.
Vor dem Starkregen war der dickflüssige Aushub mit Mist und Futterresten gesichert. Foto: Privat
 

Und sie fügt an: „Wir können den Aushub noch nicht auf unsere Felder verteilen, wir müssen erst die Luzerne und den Mais ernten. So haben wir ein Zwischenlager für den Aushub auf einem von mir bewirtschafteten Luzernefeld eingerichtet. Wir haben Mist und Futterreste um den dickflüssigen Aushub gefahren, damit er nicht auseinanderläuft“, so die Landwirtin, die das in einem Schreiben an die Untere Wasserbehörde des Kreises mitteilte, das unserer Redaktion vorliegt. Dann kam der Starkregen.

Vor einer Woche hatten dann ihre Mitarbeiter das Dünnflüssige abgefahren. „Wir durften es auf ein schon geerntetes Feld eines Nachbarn verteilen“, so die Landwirtin.

Doch die Angelegenheit ist noch nicht vorbei. Es muss erst geklärt werden, wem eigentlich das Grundstück gehört. Der Gemeinde, wie Ordnungsamtsleiter Sven Steinbeck sicher war, oder Sabine Nolte: „Ich habe das Grundstück 1991 von der Treuhand gekauft“, sagt sie. Die Wahrheit liegt dazwischen. Karstädts Bauamtsleiter Christian Gadow zeigte dem Prignitzer die Flurstücke. Ein kleines gehört der Gemeinde, daran grenzt ein großes Flurstück von Sabine Nolte. Der Aushub war auf beiden Grundstücken verteilt. Doch da stellt sich noch eine andere Frage. Darf ein Landwirt Gülle einfach auf seinem Grundstück zwischenlagern? Aus der Unteren Wasserbehörde heißt es dazu: Das regelt das Wasserhaushaltsgesetz. Gülle ist grundsätzlich in Behältern zu lagern. Der Sachverhalt im Fall Nolte muss noch geprüft werden, wie der besagte Aushub, der sich mit Festmistanteil durch den Starkregen vermischt hat, überhaupt eingeordnet werden könne.

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