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Der Prignitzer

18. August 2017 | 07:01 Uhr

Modemuseum : Geschichte(n) in Trachten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Modemuseum im Schloss Meyenburg zeigt historische Kleidung aus dem Karpatenbecken

„Wenn zwei Sammlerherzen aufeinandertreffen, dann ist das immer etwas Besonderes. Und so freue ich mich sehr, dass Judit Pompéry bei uns im Modemuseum ausstellt.“ Josefine Edle vom Krepl kann ihre Begeisterung über die Stücke, die die gebürtige Ungarin Pompéry bis zum 1. Juni im Modemuseum zeigt, kaum zurückhalten.

Und tatsächlich bietet die Schau mit den 36 Trachten, die jeweils aus vier bis zehn Einzelteilen bestehen, einen imposanten Einblick in die Vielfalt dessen, was sich die Frauen und Männer im ethnischen Schmelztiegel des Karpatenbeckens um den Leib schneidern ließen. Oder korrekter: selbst schneiderten. „Die Mode ist in den meisten Fällen Hand- bzw. Heimarbeit, und zwar vom Rohstoff über die Faser- und Stoffherstellung bis zum fertigen Kleidungsstück“, sagt die Sammlerin.

In der Eröffnung ihrer Schau gibt sie sich nicht nur als absolute Expertin in Bezug auf modische Details ihrer Stücke zu erkennen, sondern offenbart auch beeindruckendes Wissen rund um die Historie und Herkunft der Trachten. Ob Donauschwaben, Sachsen, Ungarn oder Rumänen – Judit Pompéry weiß, wer welches Stück zu welchem Anlass mit welcher Absicht getragen hat, oder zumindest getragen haben könnte. „Tatsächlich verrät die Kleidung so ziemlich alles über ihren Träger. Herkunft bis hin zum Ort, Familienstand, sozialer Stand, Alter und Religion – all das kann der Kenner aus Farben, Schnitten und Mustern ableiten.

Zum Sammeln ist Judit Pompéry eher zufällig gekommen. „Ich habe mich vor 42 Jahren in ein Kleidungsstück verliebt, in das der Name seiner Besitzerin eingestickt war, allerdings mit einem Schreibfehler. Und irgendwie habe ich davon ausgehend meine Leidenschaft für diese Mode entdeckt – obwohl ich, aufgewachsen im kommunistisch beeinflussten Ungarn, diese Tradition selbst kaum kennen gelernt habe.“

Ihre Sammlung hat Judit Pompéry ständig ausgebaut, wobei sie sich auf Stücke aus dem Bereich der ehemaligen K. u. k.-Monarchie und hier vor allem aus dem Raum des Karpatenbeckens spezialisiert hat. „Mit großer Überraschung habe ich festgestellt, wie heterogen die Bevölkerung des Karpatenbeckens ist. Macht da eine Einteilung in Nationalstaaten überhaupt Sinn?“ fragt sie. „In Ost-Mitteleuropa lebten schon immer viele ethnische Minderheiten, und zwar nicht nur in den Grenzgebieten der jeweiligen Länder, sondern flächendeckend zerstreut. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Trachten wider. Ich bin von diesem unglaublichen Formenreichtum fasziniert – und hoffe, diese Begeisterung den Besuchern meiner Ausstellung nahe bringen zu können.“

Die Schau, die sie mit dem Förderverein des Modemuseums gemeinsam organisiert hat, ist ihre erste institutionelle. „In meinem Haus in Berlin habe ich bereits Gäste durch meinen Fundus geführt, und die Reaktionen waren einhellig: ,Judit, das musst du richtig ausstellen‘.“

Dass Frau in einer solchen Tracht auch heute noch eine gute Figur macht, das beweist Pompérys Tochter Sophia. „Ich finde diese Kleidung wirklich richtig schön, aber sie ist alles andere als bequem. Dadurch, dass man so zugeschnürt ist, zwingt sie zu einer aufrechten Haltung, es ist eben Ausgehmode.“

Abgerundet wurde der Abend mit der beliebten Schloss-Suppe – dieses Mal ungarn-typisch etwas feuriger gewürzt – und einem ebenso feurigen Konzert des Berliner Pianisten Balázs Demény, der natürlich auch Ungarns Musikhelden Bela Bartok im Repertoire hatte.

 

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erstellt am 15.Apr.2014 | 12:00 Uhr

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