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Erfolgreich Recherchiert : Geschichte bekommt ein Gesicht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Perleberger Hobbyhistoriker trug zur Aufklärung eines Flugzeugabsturzes in der Nähe von Baek bei / Namen der unbekannten Opfer ermittelt

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 21:00 Uhr

Vermisstenschicksale alliierter und deutscher Soldaten interessieren und faszinieren ihn gleichermaßen. Die Passion des Perleberger Hobbyhistorikers Jürgen Freitag geht aber noch ein Stück weiter: Er recherchiert und entschlüsselt diese Schicksale auch erfolgreich. Seine jüngsten Nachforschungen brachten Licht in eine Soldatengedenkstätte in Baek: „Hier ruhen zwei unbekannte deutsche Soldaten gefallen im Mai 1945“, lautet die Inschrift. Inzwischen sind sie nicht mehr unbekannt. Bei den Opfern eines Flugzeugabsturzes handelt es sich um Julius Haak (30 Jahre, Leutnant der Luftwaffe) aus Stuttgart und Hans Tietzel (25 Jahre, Oberfeldwebel der Luftwaffe, geboren in Frankenberg/Sachsen). Aufschluss brachte ein Blick ins Baeker Kirchenbuch, den ein Wittenberger Hobbyhistoriker warf. Dieser setzte sich mit Jürgen Freitag in Verbindung, der bereits zum Absturz bei Baek, der in den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges geschah, Untersuchungen angestellt hatte.

Auch zum Hergang des Unglücks gibt es recht genaue Informationen, niedergeschrieben von Josef Steinweg, einem Augenzeugen und seinerzeit nicht eingesetzten Flugzeugführer. Er berichtet: „… und als ich einmal eine Maschine auf den in der Nähe liegenden Übungsplatz überführe, liegt dort ein totaler Bruch auf der Wiese. Beim Anflug des Baumes hatten zwei erfahrene Fluglehrer, ein Leutnant und ein Oberfeldwebel, die Maschine nach dem Abschuß überzogen – die Leichen liegen in einer Scheune.“

Jürgen Freitag weiß dazu Näheres: „Julius Haak und Hans Tietzel flogen mit ihrer Bücker im Tiefflug, lösten während dieses Übungsfluges die auf der Maschine montierten Panzerfäuste aus, gerieten dann aber in die Explosionswolke bzw. in die Druckwelle und stürzten ab.“ Auf dem Schwarz-Weiß-Foto ist eine identische Maschine abgebildet, eine Bücker Bü 181 „RM+LB“, startklar zum Übungseinsatz. An den Tragflächen sieht man die jeweils ober- und unterhalb montierten Panzerfäuste. Dazu muss man wissen, dass kurz vor Kriegsende so genannte Panzerbekämpfungsstaffeln aufgestellt wurden, um die von allen Seiten anrückenden feindlichen Panzer aus der Luft zu attackieren. Dafür wurden die kleinen Maschinen „Bücker 181“ eingesetzt, eigentlich leichte Schulflugzeuge. Zwei dieser Staffeln installierte man auch auf dem Perleberger Fliegerhorst, wo die ersten Trainingseinheiten und die Einweisung erfolgten. Eine der beiden Staffeln war dann bei Wüsten Vahrnow stationiert. Dort geschah am 13. April der Bruch. Bei seinen Nachforschungen vor Ort und Gesprächen mit Einheimischen machte Jürgen Freitag dann noch eine ganz besondere Entdeckung: Er fand den Zylinderkopf der abgestürzten „Bücker“.

Für die Umbeschriftung der Grabstelle in Baek sei inzwischen alles in die Wege geleitet, so Freitag. Die Kosten übernehme der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. In diesem Verein arbeitet auch der Perleberger engagiert mit – und kann sich nun den nächsten ungeklärten Fällen zuwenden. Bereits vor zehn Jahren hatte er übrigens einen amerikanischen Piloten zu Gast, mit dem er eine Absturzstelle in der Umgebung aufsuchte. Sechs Todesopfer waren nach diesem Flugzeugcrash im zweiten Weltkrieg zu beklagen.  

 

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