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Der Prignitzer

23. Oktober 2017 | 12:05 Uhr

Geschenke gibt es erst zu Silvester

vom

svz.de von
erstellt am 08.Dez.2012 | 02:13 Uhr

Wittenberge | Andere Länder, andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie geht es heute nach Estland.

Noch ist die Wohnung von Al yona Buchmann fast gar nicht weihnachtlich geschmückt. Doch das wird sich bald ändern: "Die ganze Deko liegt noch im Keller", erzählt sie. Erst am Wochenende, wenn ihr Mann zuhause ist - er arbeitet in der Woche in Bonn - will sie zusammen mit ihm und ihrer siebenjährigen Tochter Jaana alles nach oben holen und die Zimmer mit Weihnachtssternen, Kerzen, Figuren, einer Pyramide und einem Tannenbaum festlich herrichten.

Alyona Buchmann ist gebürtige Russin, lebte aber 25 Jahre in Estland. Vor zwei Jahren wollte sie eigentlich nur eine Freundin in Perleberg besuchen, als sie sich Hals über Kopf in einen Prignitzer verliebte. "Letztes Jahr im August haben wir dann in Estland geheiratet." Einen Monat später zog sie mit Jaana zu ihm nach Wittenberge, ließ ihre Heimat, die kleine Stadt Sillamäe an der russischen Grenze, hinter sich.

Weihnachten in Estland habe viele Gemeinsamkeiten mit Deutschland, vieles wiederum sei aber auch ganz anders, sagt Alyona Buchmann. Enttäuscht ist sie von den deutschen Weihnachtsmärkten. "Sie sind langweilig. In Estland haben wir auch Weihnachtsmärkte, aber dort geht es viel lustiger zu. Die Menschen feiern, singen und lachen und der Markt hat bis 23 Uhr geöffnet." Den Wittenberger Weihnachtsmarkt hat sie deshalb noch gar nicht besucht.

Verwundert war Alyona Buchmann auch darüber, dass die Deutschen schon im November mit dem Schmücken beginnen. "Das geht bei uns erst Mitte Dezember los. Dafür bleibt alles bis in den Januar hinein weihnachtlich dekoriert. Auch den Weihnachtsbaum lassen wir einen Monat lang in der Wohnung stehen." Das Nadelproblem kennen natürlich auch die Esten, weshalb viele auf eine künstliche Tanne umgestiegen sind. "Ich habe auch einen Kunstbaum", verrät sie.

An Heiligabend essen die Esten opulent. "Bei uns gab es immer Gans, gefüllt mit Äpfeln, und Sauerkraut. Das ist typisch estnisch." Überhaupt, die Weihnachtsfeiertage verbinden die Menschen in Estland hauptsächlich mit Kulinarischem. "Es wird viel gegessen und natürlich auch viel Wodka getrunken", erzählt sie lachend. "Beim Spazierengehen über die Weihnachtsmärkte gibt es auch oft Glühwein." Beschert wird an Heiligabend hingegen nicht: Erst eine Woche später, zu Silvester, ist es soweit. Am Morgen des 31. Dezember werden alle Geschenke verpackt unter den Baum gelegt. Erst nach dem Feuerwerk nach Mitternacht dürfen sie geöffnet werden. Deshalb heißen sie auch nicht Weihnachtsgeschenke, sondern Neujahrsgeschenke. "Wir schreiben vorher auch keine Wunschzettel. Überraschungen sind uns viel lieber."

Der Weihnachtsmann klingelt allerdings schon ein oder zwei Tage vor Silvester an der Tür. "Dann muss jedes Kind ein Gedicht oder ein Lied vortragen", sagt Jaana. Wer brav ist, bekommt ein Geschenk. Das darf natürlich auch erst in der Nacht zum 1. Januar geöffnet werden.

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