zur Navigation springen
Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 13:24 Uhr

Gerhard Krüger: Garten statt Pillen

vom

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2012 | 07:32 Uhr

Perleberg | "Da die Dahlien oder Löwenmaul." Noch vor einem Jahr habe man diese vor Gestrüpp nicht gesehen, erzählt Gerhard Krüger. Wie, als sei es sein Garten, zeigt er nicht ohne gewissen Stolz, was er hinterm Haus der Caritas geschaffen hat. Bis runter an die Stepenitz grünt und blüht es, sind die Bäume ausgeästet, Sträucher verschnitten bzw. hat er ihnen einen neuen Standort gegeben. Richtig idyllisch sieht jetzt hier aus, "und dabei bin ich noch lange nicht fertig", fügt der Ex-Berliner an, der inzwischen in der Prignitzer zuhause ist.

Seit fast zwei Jahren besucht Gerhard Krüger die Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke. "Vorher war ich einmal die Woche hier zum Sport und zur Entspannung." Beides sei aber nicht so sein Ding, der Garten da schon eher. "Da habe ich Entspannung und Sport - beides sogar an frischer Luft." Fast täglich komme er, "im Garten gibt es auch immer was zu tun". Das brauche er, denn wenn er Zeit für sich habe, dann komme es wieder, das Grübeln.

Alles habe er mal gehabt, Familie, ein kleines Häuschen, regelmäßig sei er in Urlaub gefahren. Und alles habe er verloren. "Für was lohnt sich da das Leben noch? Was soll’s, die Pillen reichen." Nicht nur einmal habe er so gedacht, und sei so erst in die Klinik, dann in Wohnbetreuung und letztlich zur Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch Kranke gekommen.

Nein, Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen habe er nun wirklich nicht. Er gehe auf die Leute zu und meist komme da dann auch was zurück. "Aber mehr als zweimal frage ich nicht, dann mache ich es lieber allein oder lasse die Hände davon."

Als Gerhard Krüger bescheiden bei der Caritas nachfragte, ob er den Garten hinterm Haus wieder auf Vordermann bringen könne, da rannte er sprichwörtlich offen Türen ein. "Ich bin auf dem Land groß geworden, so mit Ackerbau und Viehzucht. Und wir hatten immer auch einen Garten", erzählt der 54-Jährige von früher. Gebraucht zu werden, eine Aufgabe zu haben, das sei für ihn ganz wichtig. Lieber rette er die Welt, als dass er nicht weiß, was er mit sich anfangen soll. "Ich bin auch gern in der Küche, koche mit." Einwenig ist er Hans Dampf in allen Gassen, "und dabei geht es mir gut". Allerdings müsse er schon aufpassen, dass er sich und seine Kräfte nicht überschätze. "Da passt man hier schon auf mich auf", kommt gleich im nächsten Atemzug. Und außerdem habe er noch eine Betreuerin. Vor allem in den ersten Wochen nach seinem Umzug nach Perleberg, wo all die Behördengänge anstanden, war das ganz wichtig. "Behörde, da habe ich schon rot gesehen", gesteht er. Inzwischen kann er sehr gut mit diesen umgehen, hat selbst beim Umweltamt nachgefragt, ob sie ein Feuer im Garten abbrennen dürfen und was zu beachten ist.

"Über den Garten habe ich wieder zu mir selbst gefunden. Das Leben hat einen Sinn bekommen". Doch nicht jeder Tag ist ein guter Tag, gesteht Gerhard Krüger. Er habe aber wieder den Ehrgeiz, dagegen an zu gehen, "denn eigentlich ist es doch sehr schön hier", sagt er und zeigt auf seinen großen Garten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen