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Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 15:20 Uhr

Gerettet - Groß Leppins Kirche

vom

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erstellt am 08.Okt.2012 | 09:53 Uhr

Groß Leppin | So viele Freudentränen musste der Himmel nun wirklich nicht zu ihrem Festgottesdienst schicken. Die Groß Leppiner nahmen den tüchtigen Regenguss auf dem Weg zur Kirche jedoch mit einem Schmunzeln. "Wir feiern heute zugleich das Ende der Sanierung der Außenhülle unserer Kirche", fügt Fritz-Heinz Ernst, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats, an. Einfach wunderschön schaut sie aus in ihrem neuen Kleid, das pünktlich zum Erntedank fertig wurde. In nur vier Monaten wurden Dach samt Dachstuhlkonstruktion vom 1350 erbauten Schiff und dem Turm erneuert, Löcher im Feldsteinmauerwerk mit Kalkmörtel geschlossen, Fehlstellen ausgebessert, alle Fenster vom Tischler aufgearbeitet, die Bleiglasscheiben frisch verbleibt und das Eichenholz der Eingangstür vom Schiff erneuert, listet die baubegleitende Architektin Annette Schulze vom IBS Ingenieurbüro Schulze auf.

Auf was sie alles bei den Arbeiten gestoßen sind, das ist nicht minder interessant. In der Kugel der Dachbekrönung fand man einen kleinen Schatz: zwölf Münzen, die älteste von 1764, die jüngste aus D-Mark-Zeiten. Dazu noch einen Gemeindebrief und eine Zeitung vom 3. Oktober 1990. "Damals wurde das Dach neu eingedeckt, doch der Dachstuhl nicht repariert", so die Architektin. Als man jetzt die Mauerkrone vom Turm, der übrigens 1460 entstand und damit weitaus älter als angenommen ist, freilegte, gab es die nächste Überraschung: Zwei Schwellen auf der Westseite waren verrottet, der gesamte Dachstuhl hatte sich geneigt, lag auf dem Glockenstuhl auf. Bei jedem Glockenschlag wankte der Dachstuhl. "Das kann nun nicht mehr passieren", erklärt Annette Schulze, "die Schwellen, Aussteifungen und Verbindungen wurden in traditioneller, solider Handwerkerkunst vom Zimmermann neu hergestellt".

Geheimnisse gab auch die eigentliche Fassade preis. Die Restauratorin entdeckte hier eine zweifarbige Fassung der Schalllukenöffnungen. Das Carput Mortum (Rot) und Kalk (Weiß) ließen die Feldsteinkirche aus der Nähe und der Ferne imposant erscheinen - und jetzt wieder.

180 000 Euro kostete diese umfangreiche Sanierung, zehn Prozent beträgt der Eigenanteil der Gemeinde, die acht Jahre darauf gewartet hatte, dass ihre Kirche als Priorität im Staatskirchenvertrag aufgenommen wurde. "Denn eigentlich sollten sich diese Arbeiten bereits 2005 nahtlos an die Beseitigung des Schwammbefalls im Innenraum anschließen. Das damalige Förderprogramm Dach und Fach’ wurde aber nicht mehr aufgelegt", berichtet der Vorsitzender des Gemeindekirchenrats.

Jetzt ist es aber vollbracht, und "damit wieder eine Kirche im Bestand gerettet", so Ortrud Effenberger, Sachbereichsleiterin Denkmalschutz des Landkreises, und die Freude darüber ist ihr sichtlich anzusehen. Auch der Landkreis ist einer der sechs Fördermittelgeber. Freude ebenso bei Pfarrer Hans-Dieter Kübler, der bis Sommer die Gemeinde betreute. "Sie ist schön geworden, unsere Kirche. Und sie steht für ein enges Miteinander von Gemeinde und Dorfgemeinschaft."

Baustelle wird die Kirche aber auch weiterhin bleiben. "Es gibt noch so einiges zu tun. Die Außenanlage und die Decke müssen gemacht werden, und auch die Orgel ist noch dran", überschlägt Fritz-Heinz Ernst kurz. Annette Schulze ergänzt: Die Deckenmalerei soll untersucht und restauriert werden ebenso die beiden Saldern Epitaphe am Eingang. Ihre Sanierung werde zirka 12 500 Euro kosten.

Die ersten Münzen dafür klingeln bereits in der Kasse, denn die Spenden am Ende des Erntedankgottesdienstes und bei der anschließenden Kaffeetafel sollen dafür verwandt werden. Für den Kirchgarten gab es an diesem Tag einen symbolischen Scheck. Die an der Sanierung beteiligten Firmen, die übrigens alle aus der Region stammen, bedankten sich auf ihre Art mit einem Baum bei der Kirchgemeinde. Am 11.11. zum Martinsfest soll die Blutbuche gepflanzt werden. "Auch wir als Ortsbeirat werden uns daran beteiligen", so Ortsvorsteher Reimar Heering, der zugleich darauf verwies, dass Groß Leppin 2013 wieder allen Grund zum Feiern hat: Dann wird das Dorf 765 Jahre.

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