Unwetter in Wittenberge : „Generelles Bauproblem“

Auf einem guten halben Meter Länge wurde die Wand des Rohres durch den Wasserdruck regelrecht aufgesprengt.
Auf einem guten halben Meter Länge wurde die Wand des Rohres durch den Wasserdruck regelrecht aufgesprengt.

Wohnungsbaugesellschaft nach Wassereinbruch im Horning mit Reparatur befasst / Kritik am Agieren des DRK

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10. Juli 2014, 22:00 Uhr

Hilde Kroggel sitzt der Schreck noch immer in den Knochen. „Es gab einen Knall, und plötzlich strömte das Wasser in den Flur und in die Wohnstube. Ein Deja-vu für die 90-Jährige, die vor rund zwei Jahren schon einmal miterleben musste, wie die Wassermassen eines Platzregens das Traufrohr, das durch ihre Wohnung führt, zum Bersten brachte. „Der Teppich ist hin, und ob meine Anbauwand ein zweites Bad verkraftet hat, weiß ich nicht“, sagt sie. Verlängerungsschnüre ziehen sich durch ihre Wohnung, überbrücken defekte Leitungen, Wasserflecken an der Wand erinnern an das Unheil vom Vortag.

Bei Iris Bartsch eine Etage tiefer sieht es nicht besser aus. Zwar hat das Rohr bei ihr gehalten, das Wasser aber kam durch die Decke. „Ich habe Glück gehabt, dass es nicht in den Fernseher getropft ist. Der wäre ganz sicher hin.“ Von ihrem Vermieter, der Wohnungsbaugesellschaft Wittenberge (WGW), erwartet sie, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt. „Zweimal in zwei Jahren reicht.“


WGW setzt auf druckfestes Rohr


Torsten Diehn, Geschäftsführer der WGW, bittet die Betroffenen in aller Form um Entschuldigung. „Auch wenn es hätte schlimmer kommen können, wollen wir den Schaden und die Belastungen für die Bewohner nicht klein reden“, sagt er. Dass es an ein und derselben Stelle zweimal zum Rohrbruch gekommen sei, deute auf ein Konstruktionsproblem hin. „Die Plattenbauten, wie sie im Horning und auch im Allendegebiet stehen, haben generell das Problem, dass das Regenwasser im Innern abgeleitet wird. Sofern die Kanalisation funktioniert, ist das auch kein Problem. Bei einem Platzregen wie gestern allerdings sind die Kanäle übervoll, das Wasser kann nicht abfließen, es staut sich auf, und dem Druck hat das Rohr nicht standgehalten.“

In der Konsequenz werde nun ein druckfestes Rohr installiert, „um zumindest an dieser Stelle künftig Ruhe zu haben“, wie Diehn sagt. Allerdings, räumt er auf Nachfrage ein, sei es nicht mit vertretbarem Aufwand möglich, alle derartigen Rohre in den entsprechenden Bauten zu prüfen und zu ersetzen. „Da es aber zweimal an ein und derselben Stelle gekracht hat, gehen wir von einer Besonderheit in diesem Rohrstrang aus, möglicherweise eine Engstelle oder ein Bogen. Deshalb gleich alles auszutauschen wäre übertrieben.“ Die Arbeiten sollten so schnell wie möglich erledigt sein.

Danken möchte Diehn den Angehörigen der Bewohner und der Feuerwehr, die durch ihr schnelles Handeln größeren Schaden verhindert haben. „So konnten die Bewohner in ihren Wohnungen bleiben und musste nicht umziehen“, sagt Diehn.


DRK-Mitarbeiter in Ausnahmesituation


Während die Arbeit der WGW von den Bewohnern gelobt wird, steht das Deutsche Rote Kreuz (DRK), was im Horning 60 betreutes Wohnen anbietet, in der Kritik. Zu spät hätten die Mitarbeiter reagiert, zu zögerlich Hilfe geleistet, finden Bewohner und Angehörige.

„Zugegeben, das war für unser Personal keine einfache Situation“, sagt Uwe Köring, Objektbeauftragter des DRK. „Da es nach 17 Uhr und damit außerhalb unserer Hauptbetreuungszeit passierte, war wenig Personal vor Ort. Dennoch haben wir nach unserer Auffassung richtig reagiert, die Kollegin hat sich den Schaden angeschaut und anschließend die Feuerwehr alarmiert.“

Man dürfe betreutes Wohnen nicht mit einer 24-Stunden-Rundumversorgung verwechseln – die die Bewohner auch nicht wünschten –, bittet Köring um Verständnis. „Auf jeder Etage gibt es einen Bereitschaftsplan mit Telefonnummern von Notdiensten, die jeder Bewohner in solchen Fällen kontaktieren kann.“ Die Feuerwehr und die Firma Duwe Hausmeisterservice seien schnell vor Ort gewesen, um zu helfen. „Vielmehr hätte man in dieser Situation auch nicht tun können, so etwas ist eben nicht in zehn Minuten erledigt“, so Köring.

Die betroffenen Mieter warten nun auf Gutachten der Versicherung, damit sie ihre Schäden geltend machen können.

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