Gemeinsam gegen den Schädling

Nicht anfassen! Der Eichenprozessionsspinner. Foto: dpa
Nicht anfassen! Der Eichenprozessionsspinner. Foto: dpa

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12. Juli 2012, 07:26 Uhr

Prignitz | Gestern kam der Landesvorsitzende der FDP und umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Brandenburger Landtag, Gregor Beyer, in die Prignitz. Der Grund: Die Eichenprozessionsspinner-Plage. Beyer sah sich vor allem in den Regionen Laaslich, Lanz und Lenzen um, wo die Bewohner ganz besonders unter den giftigen Härchen der Raupen leiden. Mittlerweile haben sich zwei Bürgerinitiativen gebildet, gibt es einen offenen Brief an den Kreistag Prignitz, wird heute um 19 Uhr zu einer Protestversammlung in der Gaststätte Paesler in Lanz geladen, denn die Menschen fühlen sich allein gelassen mit dem Problem.

Beyer hat Verständnis für den Frust der Betroffenen. Für ihn erfordert die Biologie des Eichenprozessionsspinners, "dass in einigen wenigen und leider sehr kurzen Zeitfenstern konsequent gegen das Insekt, insbesondere in den bekämpfbaren Larvenstadien, vorgegangen wird. Diesbezüglich gibt es keine unklaren Zuständigkeiten und schon gar kein unzureichendes Wissen. Was fehlt, ist der Wille in genau diesem Zeitfenster bereit zu stehen und sich nicht von vorhersehbaren Entwicklungen überraschen zu lassen. Daher muss zukünftig auch dringend eine vom Land koordinierte Früherkennung und Beurteilung der Gradation möglich werden", erklärte er dem "Prignitzer" gegenüber. Beyer hat für die nächste Sitzung des Infrastrukturausschusses im Landtag einen Tagesordnungspunkt zum Eichenprozessionsspinner beantragt.

Auch für Thomas Domres, den wirtschaftspolitischen Sprecher der Linken-Fraktion im Potsdamer Landtag, ist es "völlig klar, dass die giftige Raupe nur mit vereinten Kräften wirksam bekämpft werden kann. Dafür ist ein koordiniertes Vorgehen notwendig." Domres sieht das Hauptproblem in den "offenbar unterschiedlichen Zuständigkeiten. Dies darf aber nicht dazu führen, dass die Zunahme der Population begünstigt wird und sich die Gefahren für die Gesundheit verschärfen." Nach Domres Meinung müsse jetzt "die Situation analysiert, vorgenommene Maßnahmen und Bekämpfungsmethoden ausgewertet und ein zwischen allen Akteuren abgestimmter Maßnahmeplan für das Jahr 2013 ausgearbeitet werden."

Die interministerielle Arbeitsgruppe, mit entsprechenden rechtlichen Kompetenzen ausgestattet, müsse für die Erarbeitung und Koordinierung zwischen den Kommunen und Institutionen sowie für die Umsetzung eines solchen Maßnahmeplanes zuständig sein. Gleichzeitig sei eine Abstimmung zwischen den Bundesländern notwendig. "Außerdem müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine wirksame Bekämpfung und die Zulassung des Bekämpfungsmittels beim Bund geprüft werden", erklärt Domres.

Genau das will der Landkreis regeln, wie Landrat Hans Lange gestern Vertretern aller Städte, Ämter und Gemeinden der Prignitz mitteilte. Angesichts der dringenden Notwendigkeit einer effektiven Bekämpfung sei eine länderübergreifende Strategie mit Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen angeregt worden. Dazu habe sich Lange in einem Schreiben an Ministerpräsident Matthias Platzeck gewandt. Der werde darin auch um Unterstützung gebeten, die Zulassung eines wirksamen Mittels zur Bekämpfung des Spinners aus der Luft in Siedlungen und siedlungsnahen Bereichen durchzusetzen bzw. eine Änderung pflanzenschutzrechtlicher Bestimmungen zu erwirken.

Derzeit erfolgt eine Bestandsaufnahme. Alle Prignitzer Kommunen sind aufgefordert, dem Landkreis bis zum 15. August die Befallsflächen mitzuteilen. Dabei ist auch die Bevölkerung aufgerufen, befallene Bäume oder Flächen ihrer zuständigen Kommune zu melden. "Ziel unserer Zusammenarbeit ist es, ein Konzept für die Bekämpfung des Schädlings im nächsten Jahr zu erarbeiten. Koordinieren heißt für mich, dass alle freiwillig mitmachen, insbesondere auch die Eigentümer. Das wird die Voraussetzung sein für eine gründliche Bekämpfung im nächsten Jahr", macht Lange deutlich. In allen betroffenen Kommunen liefen zudem Präventionsmaßnahmen, um schon jetzt einer weiteren Ausbreitung im nächsten Jahr entgegenzuwirken. Wo es möglich ist, werden aktive Gelege abgesaugt. "Was in diesem Jahr vernichtet wird, kann sich im nächsten Jahr nicht mehr entwickeln", betont Lange.

Im September will sich die Arbeitsgruppe wieder treffen. Dann werden auch Vertreter von Forst und Waldbesitzern dazu geladen.

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