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Der Prignitzer

21. August 2017 | 04:47 Uhr

Gemeinsam auf Schmetterlingsjagd

vom

Wittenberge | 14 Tage lang wegen fehlenden Empfangs kein Handy und kein Computer, dafür aber handgroße Käfer und Schmetterlinge, die aus dem Reich der Riesen zu stammen scheinen: Hannes Paasch aus Hinzdorf bereitet sich auf ein großes Abenteuer vor. Für zwei Wochen geht es in den Urwald von Palmichal auf Insektenjagd. Der 14-Jährige darf den gestandenen Entomologen Hans-Dieter Tesch - ebenfalls Hinzdorfer - auf einer Expedition nach Venezuela begleiten. Eine Selbstverständlichkeit ist so eine Reise nicht, denn mit Urlaub hat sie wenig oder noch besser nichts zu tun.

Tesch beteiligt sich an einem auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekt zu den bei Palmichal vorkommenden Großkäfern und Schmetterlingsarten.

Im vergangenen Jahr war er im Zuge dieses Projektes das erste Mal dort, insgesamt ist es seine 34. Auslandsreise als Insektenspezialist. Am 28. Juni steigt Tesch wieder in den Flieger, der ihn via Frankfurt/Main nach Caracas bringt. Und nicht nur ihn. Mit an Bord wird Hannes sein. Seit über 200 Tagen zählt der Junge, wann es endlich soweit sein wird. Die Tage werden abgestrichen. "Knapp 20 sind es noch, dann geht es los", sagt Hannes. Scheinbar gelassen sitzt der Junge in einem Gartenstuhl auf der Terrasse bei Dieter Tesch. Aber er ist aufgeregt. Das gibt er ganz offen zu. Und er sagt auch gleich, wie sehr er sich auf die Reise freut. Sie ist ein Geschenk seiner Familie zur Jugendweihe. Eine Geschenk, an das die Familie allerdings auch die Bedingung knüpfte, "dass mit meinen Zensuren alles stimmt". Das mit den Zensuren klappt, sagt der Gymnasiast. Und der Entomologe Tesch ermöglicht seinem Lehrling das große Abenteuer.

Begonnen hat alles vor drei Jahren. Hans-Dieter Tesch ist auch in Hinzdorf als Insektenkundler sehr bekannt. Deshalb machten sich Hannes und sein jüngerer Bruder eines Tages auch auf den Weg zu dem Mann, der alles über Schmetterlinge weiß. "Sie hatten ein Pfauenauge gefangen und das tote Insekt mit einer Stecknadel auf einen Styroporuntergrund gesteckt", erinnert sich Tesch an diese erste Begegnung in Sachen Schmetterlinge. Die erste Begegnung überhaupt war es nicht: "Ich kenne Heike, die Mutter von Hannes, quasi schon von Kindesbeinen an", sagt Tesch. Er war bereit, sein entomologisches Wissen an den Jungen weiter zu geben, zeigte ihm nicht nur, wie man Schmetterlinge fachmännisch fängt, konserviert und in Kästen spannt.

Regelmäßig treffen sich der Entomologe und Hannes seit her. Der Junge hat Feuer gefangen. "Wir hoffen natürlich immer, dass wir Entomologen auch junge Nachfolger finden", meint Dieter Tesch. Vielleicht bleibt Hannes dem Hobby ja treu. Aus eigener Erfahrung weiß Tesch, wie das ist. Ihn hat es gepackt, da war er noch keine zehn Jahre alt. Hannes Mutti hat übrigens den Stein mit der Reise nach Mittelamerika ins Rollen gebracht, als sie eines Tages zu ihrem Sohn und Dieter Tesch sagte: "Am besten, ihr fliegt einfach mal zusammen hin." Nun fliegen sie. Alle Formalitäten sind geklärt - "und das waren nicht wenige", sagt Tesch. So muss beispielsweise amtlich besiegelt sein, dass der 14-Jährige mit Tesch unterwegs sein und in das Land ein- und ausreisen darf. Auch was zwingend ins Gepäck gehört , ist besprochen. Kescher, Taschenlampe, eben alles, was man zur Schmetterlingsjagd so benötigt.

"Wir steigen vom Basislager aus bis auf eine Höhe von 1700 Metern. Die Witterung wird uns einiges abverlangen", weiß Dieter Tesch. Die Jagd nach besonderen Exemplaren ihrer Gattung finde quasi im Nebelwald statt. "Die Temperaturen gehen selbst dort weiter über die 30 Grad-Marke. Und die Luftfeuchtigkeit erreicht bis zu 97 Prozent." Geschlafen wird meist in Zelten. Auch das ist mitten im Urwald gewöhnungsbedürftig.


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erstellt am 06.Jun.2011 | 07:15 Uhr

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