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Wir in Boberow : Von Trittleitern zum Blockheizkraftwerk

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die 1977 gegründete HSM Schreiber in Boberow setzt auf die Energiewende

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Die Energiewende ist eingeläutet und wie man sinnvoll neue Wege bei der Energiegewinnung und -nutzung gehen kann, das hat sich Helfried Schreiber auf die Fahnen geschrieben. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Boberower Unternehmer mit dem Thema Energie. Heute hat er „mit Blockheizkraftwerken eine Nische gefunden“, wie der Chef der HSM Schreiber sagt. HSM steht für Heizungs-, Sanitär- und Metallbau. In Gerdshagen zum Beispiel haben er und seine Mitarbeiter kürzlich wieder für zwei Wohnblöcke ein Blockheizkraftwerk eingebaut. Schreiber beschäftigt drei Metall- und drei Heizungsbauer sowie eine Sekretärin. „Aufträge habe ich genug, aber mir fehlt das Fachpersonal. Wer kommt schon zur Arbeit nach Boberow, wenn er zum Beispiel in Wittenberge wohnt“, äußert sich der HSM-Chef.

Er durchlebte mit seiner Firma, die er 1977 gründete, Höhen und Tiefen. Zuvor hatte er eine Lehre und seinen Meister gemacht, seine anfänglichen Lehr- und Berufsjahre führten ihn nach Schwerin, Neuruppin und Perleberg. „Ich habe überlegt, was ich machen kann. In Boberow hatten wir ja das Grundstück. Und bei der LPG wollte ich nicht arbeiten“, erinnert sich Schreiber. In der DDR war es nicht einfach, wie er sagt, sich selbstständig zu machen. „Doch dann hat man wohl eingesehen, dass man auch Handwerker braucht. Ich war einer der ersten, die die Lockerung der Gesetzgebung nutzten, ein Handwerk anzumelden“, sagt er von sich.

Auf dem Dorf sei es so gewesen, dass ein Schlosser und Schmied die Heizungsinstallation mitgemacht hat. Und Schreiber hatte den Auftrag unter anderem Haushaltstrittleitern zu produzieren. Mit einer selbst gebauten Maschine schafften er und sein Geselle damals die geforderte Tagesauflage schon bis zur Mittagszeit, erzählt er schmunzelnd. Das war gar nicht gern gesehen und er wurde, was die Trittleitern anbelangt, ausgebremst.

„Nach der Wende musste ich mich neu orientieren, es hieß, ihr müsst euch spezialisieren. Ich habe auf Aluminiumbau bei Fenster, Türen, Wintergärten umgesattelt und den Heizungsbau etwas herunter gefahren“, sagt der Boberower. Großprojekte wie die Feuerwehrwachen in Uelzen oder Schwerin stattete er aus. Doch er stellte sich die Frage: „Warum nur ein Standbein?“ Also konzentrierte sich der heute 60-Jährige wieder verstärkt auf Heizungsbau. Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigte er sich mit der neuen Technik von Brennwertkesseln, die der Erfinder Richard Vetter schon in den 70er Jahren zur Serienreife entwickelt hatte. Lobbyisten verhinderten lange den Durchbruch, der kam erst Mitte der 90er. „Zum Teil wurde heftig gekämpft, nicht alle Behörden und Institutionen standen der neuen Technik offen gegenüber. So wurden uns teilweise Knüppel zwischen die Beine geworfen. Wenn man unbequem wird, läuft man auf. Aber die Mühen haben sich gelohnt, die anfänglichen Probleme sind längst ausgestanden und die Technik ist heute nicht mehr wegzudenken“, sagt er. Ende der 90er, in den Hochzeiten, standen fast 40 Mitarbeiter bei der HSM Schreiber in Lohn und Brot. Die Firma baute auch die ersten Biogasanlagen der Region, eine davon steht in Boberow.

Der Tüftler, der sich nie verbiegen ließ, setzt heute auf Blockheizkraftwerke und er sagt: „Jedes ist eine individuelle Lösung.“ Und wer weiß, was dem Energiesparfuchs noch einfällt. Unter anderem soll als nächstes eine Brennstoffzelle installiert werden. „Die Energiewende gibt einem so viele Möglichkeiten. Auch wenn die neuen Wege schwer sind. Es gibt einem Genugtuung, wenn man wieder einen Pflock eingeschlagen hat“, so Helfried Schreiber.  

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