Wir in Lenzen : Tür an Tür mit den Ärzten

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Woanders werden Mediziner händeringend gesucht, in Lenzen gibt es zwei Praxen

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15. März 2016, 10:14 Uhr

Brandenburg ist das Bundesland mit einer der geringsten Arztdichten. Eine Ausnahme stellt die Stadt Lenzen mit ihren rund 2200 Einwohnern dar. Gemessen an vielen anderen Landstrichen, ist die ärztliche Grundversorgung überdurchschnittlich gut.

„Es ist außergewöhnlich, dass hier gleich drei junge Ärzte praktizieren“, sind sich Ira (42 Jahre) und Mathias Temmler (44) vom gleichnamigen Ärztehaus einig. Denn neben den beiden Allgemeinmedizinern arbeitet mit Dr. Enzo Hilscher noch ein weiterer junger Arzt in dem Städtchen. Außerdem kümmern sich ein Zahnarztehepaar und drei Physiotherapiepraxen um das Wohlergehen ihrer Patienten.
Für Ira Temmler, die in Lenzen aufgewachsen ist, war der berufliche Werdegang so eigentlich nicht geplant. Nach ihrem Studium und der Ausbildung in den Kliniken in Ludwigslust und Seehausen kam sie 2001 zurück in ihre Heimatstadt. „Ich wollte mal sehen wie es ist, in einer hausärztlichen Praxis zu arbeiten“, erzählt sie.

Als Assistenzärztin begann sie bei einem alt eingesessenen Arzt, der aber nur zwei Monate später verstarb. „Ich habe die Praxis zunächst für eine Woche geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bat mich dann jedoch, weiterzumachen, denn sonst hätte in der Stadt ein Ärztemangel gedroht, erinnert sich Ira Temmler.

Die Entscheidung war nicht leicht. Sie war mit ihrem zweiten Kind schwanger, aber gemeinsam mit der KV fand sich eine Möglichkeit für die junge Frau. Sie praktizierte weiter. Auch im Interesse ihrer Patienten, die ihr von Anfang an Mut gemacht hätten, betont sie. Zwei Jahre später kam ihr Mann Mathias, der noch in der Klinik arbeitete, dazu.
Mittlerweile hat das Hausarztzentrum Temmler mehrere Angestellte. Während sich „Chefin“ Ira um die Personalangelegenheiten kümmert, ist Ehemann Mathias für das Praxismanagement zuständig. Ihre Patienten kommen nicht nur aus Lenzen, sondern aus Dömitz, Wittenberge, ja eigentlich aus der gesamten Region im Umkreis von rund 30 Kilometern. „Man spürt die Dankbarkeit der Leute. Es ist ganz anders, als in der Großstadt.“ Sie haben ihre Entscheidung nicht bereut, im Gegenteil: „Das war das Beste, was uns passieren konnte.“
Für den ebenfalls in Lenzen aufgewachsenen Dr. Enzo Hilscher war der Weg zum Mediziner auch steinig. Kurz vor Abschluss seines Studiums in Rostock erkrankte der 42-Jährige an Leukämie, die er erfolgreich besiegte. Nach dreijähriger Unterbrechung ging er nach Wien und schloss hier dort das Studium erfolgreich ab.

Nach einigen Praktika in der Region übernahm er 2009 die Praxis von seiner Mutter Dr. Felicitas Hilscher, die heute noch stundenweise praktiziert. „Für mich stellte sich nie die Frage, woanders hinzugehen. Ich bin ein Prignitzer Kind und mit Lenzen verwurzelt“, sagt der Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin mit Spezialisierung auf Schmerztherapien. „Man lernt seine Patienten über Jahre kennen und das macht die Arbeit als Hausarzt aus.“

Auch Enzo Hilschers Zwillingsbruder Patrick ist in den Praxisräumen in der Jahn-Straße beruflich zu Hause. Er betreibt hier eine Physiotherapie.  

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