Wir in Rosenhagen : Landwirt mit Leib und Seele

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Wolfgang Noppel ist Juniorchef auf dem ehemaligen Gut Rosenhagen

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31. August 2016, 10:22 Uhr

Als Werner Noppel sich 1995 anschickte, mit seiner Familie die schwäbische Heimat zu verlassen und in die Prignitz zu ziehen, da machte sein zehnjähriger Sohn Wolfgang zur Bedingung: „Nur wenn ich einen eigenen Mähdrescher bekomme.“ Er bekam ihn, durfte zumindest mitfahren und später auch alleine seine Runden drehen.

An Platz mangelte es in Rosenhagen nicht. „Wir kamen aus der Gegend um Böblingen, hatten rund 70 Hektar auf drei Gemarkungen, auf rund 300 Parzellen verteilt“, erinnert sich Brigitte Noppe.

Das Rosenhagener Gut, damals von der Treuhand zum Kauf ausgeschrieben, wurde ihr neues Zuhause. Damit hatte der schwäbische Landwirt zugleich rund 550 Hektar Acker- und Grünland – eigenes und gepachtetes Land. Dazu Milchvieh, Bullenmast, Färsenaufzucht und auch Pferde, ergänzt Sohn Wolfgang, mit 33 Jahren heute der Juniorchef. Und er verrät, dass sein Vater mal Springreiter und seine Mutter Dressurreiterin waren.

Auf seine Eltern ist der junge Landwirt stolz. „Was ich heute kann, haben vor allem sie mir beigebracht.“ Er sei mit Leib und Seele Landwirt. Am liebsten sitze er auf der Technik und sei auf dem Acker. Insofern sei er froh, dass seine Mutter sich um den Bürokram kümmere, ohne funktioniert auch Landwirtschaft heute nicht. Die Tiere mag er, doch „mein Trecker tut, was ich will. Bei einer Kuh weiß man das nie.“

Von Anbeginn habe sein Vater auf einen geschlossenen landwirtschaftlichen Kreislauf gesetzt. Auf dem eigenen Acker wächst zu 99 Prozent, was die Tiere als Futter bekommen. Und da werde auch probiert, was auf leichten Böden als Vorfrucht und guter Eiweißzusatz am besten gedeiht. Erbsen, Ackerbohne, zuletzt Öllein – vieles haben sie probiert und sind jetzt bei Lupine gelandet.

Von der Aufzucht bis zur Schlachtung bleibe alles in eigener Hand bzw. in der Region. Denn zur Schlachtung geht es nach Perleberg. „Zum Glück haben wir noch einen Rinderschlachthof. Den Tieren erspart das einen langen Transport und hält Arbeitsplätze in der Region“, so der Landwirt.

Die Gülle von der Kuh, der Mist von den Bullen und der Siloabraum – all das wandert seit zwei Jahren in die hofeigene Biogasanlage, so der Juniorchef, denn die Eltern wollen sich langsam zurückziehen, „jedenfalls versuchen sie es“, sagt er lächelnd. Zwei Mitarbeiter gehen dem 33-Jährigen zur Hand. Auch gute Freunde lassen ihn bei Arbeitsspitzen nicht im Stich. Jetzt in der Haupterntezeit hat Wolfgang Noppel alles, nur keine Zeit. Auch nicht wenn es regnet. Dann wird repariert, wird mit den Lieferanten telefoniert… „Im Winter ist es etwas ruhiger, aber Arbeit gibt es von morgens bis abends 365 Tage im Jahr. Dafür sorgen schon die Tiere.“ Wenn er dann doch mal einen Tag frei macht, fährt er durch die Gegend und schaut, wie es andere machen. Urlaub? „Vielleicht irgendwann mal. Dann möchte ich meine Großeltern besuchen und meine Schwester in Wien. Die ist übrigens gelernte Agrartechnikerin und ihr Mann Geschäftsführer eines 1000 Hektar Biobetriebes.“ Was der junge Rosenhagener sich wünsche? „Gesundheit, weniger Bürokratie und mehr Landwirtschaft. Heute muss man schon Bürokaufmann sein. Ich bin aber Landwirt.“ Es sei wichtig, dass dieser Berufsstand einfach wieder mehr respektiert werde.

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