Wir in Blüthen : Gefüttert per Hand und Karre

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Familienbetrieb Jähnke in Strehlen fing auf bäuerlichem Hof bei Null an

svz.de von
20. November 2015, 09:48 Uhr

Ihren Familienstammbaum haben Jähnkes aus Strehlen bisher nicht groß erforscht, belegt ist jedoch, dass ein Hof Jähnke seit 1909 existiert und es auch davor bäuerliche Vorfahren gab.

Mit der Wende stand vor Ulrich und Christel Jähnke die Wahl, die mit LPG-Gründung eingebrachten Inventarbeiträge in der Agrargenossenschaft Karstädt zu belassen und sich beruflich umzuorientieren (AG-Arbeitskräfte wurden reduziert) oder sich die Beiträge als Kühe auszahlen zu lassen und einen Neuanfang als Wiedereinrichter zu wagen. Jähnkes entschieden sich für eine Wiederbelebung des bäuerlichen Hofes.

„Wir haben bei Null angefangen, alles allein erkämpft und sind stolz darauf“, betont Christel Jähnke (64). In Eigenregie bauten sie ein Stallgebäude als Anbindestall für 20 ausgeloste Kühe um. Gefüttert wurde per Hand und Karre, gemolken anfangs mit Kannen-, später Rohrmelkanlage. Mit Erweiterung des Kuhbestands auf 50 Tiere wurde ein LPG-Güllestall mitgenutzt. Das Melken erfolgte weiter im Anbindestall, was mit aufwendigem Hin- und Herkehren sowie Anbinden der Tiere verbunden war.

Mit Erkrankung ihres Mannes führte Christel Jähnke ab 1995 den Stall allein weiter. 2001 ein Tiefpunkt: Ulrich Jähnke, 54-jährig, verstarb. „Wie weiter?“ Und überhaupt: „Weiter oder aufhören?“ „Wir entschieden, wir machen weiter, denn wir hatten bereits viel Arbeit und Geld investiert“, blickt Christel Jähnke zurück. „Auch ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Hof leer stehen soll“, erzählt Sohn David (36), der bereits als Junge zu Hause half, 1999 eine Ausbildung als Landwirt abschloss und auf dem elterlichen Hof arbeitet. „Die Kühe und damit die Milch abschaffen und nur Marktfrüchte anbauen, geht auch nicht. Die Ackerfläche ist zu klein, um eine Familie zu ernähren“, erklärt David.

So wurde weiter investiert: in Hofbefestigung, einen neuen Melkstand sowie Milchlager. Auch wurde der Güllestall als Laufstall komplett rekonstruiert und mit einem Futtergang erweitert, so dass der Tierbestand auf 68 Kühe erhöht werden konnte. Hilfe brachte auch ein neues Gesicht: Davids Lebensgefährtin Susann, Tierwirtin, übernahm das Melken.

„Wir sind ein reiner Familienbetrieb“, unterstreichen Jähnkes. Wenn Not am Mann ist in der Tierhaltung (außer Milchkühe Kälber und Jungvieh) oder im Feldbau – bewirtschaftet werden knapp 100 Hektar, davon 20 ha Grünland – packen auch Davids Bruder, Schwester und Schwager mit zu. „Die Arbeit ist dank moderner Technik leichter geworden, doch Tiere verlangen das ganze Jahr Betreuung. Wenn ich den Milchpreis von 27 bis 28 Cent je Liter sehe, ist das ein erbärmlicher Preis für einen 365-Tage-Job“, ist David frustriert. Der 36-Jährige hofft, dass Sohn Jannes (5) den Hof fortführt. „Wichtig ist, dass die Politik Rahmenbedingungen schafft, damit nicht nur große, sondern auch kleine und mittlere Betriebe weiter bestehen.“

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