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Wir in Retzin : Früher „gans edel“, heute ganz sozial

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gutshaus ist seit mehr als 20 Jahren Wohnstätte für geistig Behinderte

Spricht man von wirtschaftlichen Aktivitäten in der Gemeinde Groß Pankow, dann kommt man an der Sozialwirtschaft und der Gesundheitsbranche nicht vorbei. Im Bereich Retzin/Klein Linde sind es gleich zwei, inzwischen fast schon traditionsreiche Unternehmungen, die Arbeitsplätze vor Ort schaffen und Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps ein Zuhause geben.

Der brandenburgische Landesverband der Lebenshilfe e. V. betreibt seit gut 20 Jahren im Gutshaus Retzin eine Wohnstätte für Erwachsene mit geistiger Behinderung. Am 21. August 1992 kaufte der Landesverband von der damaligen Gemeinde Retzin (im damaligen Amt Groß Pankow) das unter Denkmalschutz stehende, hochherrschaftliche Haus. Das Gebäude wurde mit Hilfe des Landes und der „Aktion Sorgenkind“ (heute „Aktion Mensch“) zu einer Wohnstätte umgebaut - es entstand eine Einrichtung mit modernstem Wohnstandard für insgesamt 24 Männer und Frauen, die ab August 1995 bezogen wurde.

Hintergrund: In den 1990er Jahren startete das Land Brandenburg ein so genanntes Enthospitalisierungsprogramm, das auf das genaue Gegenteil von Verwahrung, Isolation und Fremdbestimmung zielte. Für zahlreiche Patienten mit geistiger Behinderung, die bislang in psychiatrischen Kliniken untergebracht waren, wurden neue Wohn- und Betreuungsformen in stationären, teilstationären oder ambulanten Einrichtungen gefunden. Eine davon befindet sich in Retzin.

Den behinderten Bewohnern stehen zwei Wohnstuben, Balkon, Terrasse mit Blick auf die Parkanlage sowie je ein individuell gestaltetes Einzelzimmer zur Verfügung. Zwischen der Gemeinde und der Wohnstätte gibt es eine Vereinbarung, die es ermöglicht, die rund zwei Hektar große Parkanlage mit vielen Wanderwegen, zwei Schlossteichen, einer Gartenanlage sowie wertvollem Baumbestand mit uralten Eichen, Buchen und Sumpfzypressen kostenlos zu nutzen – was Bewohner und Betreuer gern tun. Immer wieder lockt die Wohnstätte mit verschiedenen Festlichkeiten zahlreiche Besucher an, die dann ebenfalls die Gelegenheit haben – zumindest im Sommerhalbjahr – den wundervollen Park zu erkunden.

Retzin selbst war übrigens früher ein Besitz der Edlen Herren zu Putlitz. Bereits im 17. Jahrhundert wurde hier eine kleine Gutswirtschaft aufgebaut. Albert Eduard Gans Edler Herr zu Putlitz (1789-1881), märkischer Landwirt, ließ 1816 bis 1830 ein Herrenhaus mit Gutshof errichten – die heutige Wohnstätte. Gleichzeitig entstand ein Garten – Ausgangspunkt für die heutige Parkanlage.

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erstellt am 20.Jul.2016 | 09:00 Uhr

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