Wir in Bad Wilsnack : Ein sicheres Zuhause auf Zeit

 
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Kinder- und Jugenddorf betreut Klienten aus ganz Deutschland

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17. November 2015, 09:20 Uhr

Sie kommen aus der ganzen Bundesrepublik. Kinder zwischen vier und 18 Jahren, deren Eltern mit ihrer Erziehung überfordert sind. Manche haben einen Leidensweg hinter sich, wurden geschlagen, misshandelt, sexuell missbraucht. Im Kinder- und Jugenddorf Sigrön finden sie ein sicheres Zuhause auf Zeit.

„Bei uns leben sie in kleinen Wohngruppen, werden rund um die Uhr von Mitarbeitern betreut“, sagt Heimleiterin Marina Hasstedt. Ziel ist es, ihre seelischen Wunden zu heilen, sie auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. „Unsere Kollegen sind Sozialpädagogen, staatlich anerkannte Erzieher. Zwei Heilpädagogen bilden wir selbst aus“, so Marina Hasstedt, die 2013 die Hausleitung von ihrem langjährigen Vorgänger Hans-Dieter Spielmann übernommen hatte. Beruflichen Nachwuchs zu finden, sei nicht leicht. Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie Nachtdienste seien nicht gerade attraktiv für Berufseinsteiger, schildert Torsten Müller, stellvertretender Leiter, seine Erfahrung. Und leicht sei die Arbeit mit ihren Klienten auch nicht. Manch einen guten potenziellen Bewerber verliere man beispielsweise an Kindergärten. Dennoch sei es gelungen, den Altersdurchschnitt der rund 30 Mitarbeiter deutlich zu senken.

Das Alltagsleben neben Schule, Kita oder Ausbildung unterscheide sich kaum von dem einer Familie. Gemeinsames Kochen und Essen, Ausflüge ins Kino oder in die Badewelt nach Wittenberge. In den Ferien geht es auf große Fahrt. „Im Sommer waren wir in Dänemark und Polen, sind Kanu gefahren, haben geangelt. In den Herbstferien geht wieder nach Polen“, sagt Müller.

Im nächsten Jahr wird sich das Angebot im Kinder- und Jugenddorf noch verbessern. Das alte Hauptgebäude aus den 50er Jahren wird derzeit komplett umgebaut. Künftig gibt es dort Einzelzimmer, alles wird hell und freundlich sein. Die Bauskizzen zeigen Therapieräume und Terrassen.

Direkt davor steht bereits ein Holzzaun für eine Pferdekoppel. „Wir bieten dann eine Reit- und Tiertherapie an“, sagt Marina Hasstedt. Eine Mitarbeiterin sei speziell dafür ausgebildet. „Über die Tiere sollen die Kinder lernen, Vertrauen aufzubauen, sie sollen lernen, wieder ihren Mitmenschen vertrauen zu dürfen.“ Die Erfahrung zeige, dass die Kinder durch die Kontakte zu den Tieren entspannter und ausgeglichener sind.

Das Dorf im Wald bietet Platz für maximal 31 Kinder, darin eingeschlossen sind zwei Wohngruppen für Ältere in Wittenberge. Vor wenigen Tagen hat Sigrön zwei afghanische Kinder aufgenommen, die ohne Eltern geflüchtet waren. Die Betreuung endet in der Regel mit dem 18. Lebensjahr, kann in Ausnahmefällen bis zum 21. Lebensjahr verlängert werden. Kontakt zu den Eltern ist meist erwünscht und wird gefördert, unter anderem gibt es bei Besuchen Schlafmöglichkeiten für die Eltern.

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