Wir in Mellen und Rambow : Ein Leben für die tolle Knolle

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Reinhold Jacobs aus Mellen ist Kartoffelzüchter aus Leidenschaft

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07. August 2016, 04:45 Uhr

Sie heißen Linda, Bellana, Sieglinde oder Gloria, sind in vielen Supermärkten zu haben und des Deutschen liebster Knolle: die Kartoffel. Weltweit gibt es etwa 4000 Sorten, in Deutschland sind gut 200 davon zugelassen. So auch die Toccata. Sie ist eine von Reinhold Jacobs aus Mellen gezüchtete Stärkekartoffel, die nährstoffreiche sandige bis lehmige Ackerböden bevorzugt und bereits 2004 vom Bundessortenamt (BSA) in Hannover als höchste Behörde für Kartoffelzucht mit der Zulassungsurkunde ihre Anerkennung fand. Die gibt es erst nach zweijähriger Prüfungsdauer durch das BSA an insgesamt zwölf verschiedenen Standorten im Bundesgebiet.

„Das macht mich schon stolz. Es war mein Traum, für unsere Region eine besondere Kartoffel zu züchten“, sagt der 69-Jährige, der sich seit dem Abschluss seines Landwirtschaft-Studiums an der Universität Rostock im Jahr 1971 der „tollen Knolle“ verschrieben hat. Zunächst bis 1991 als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Kartoffelzucht in Böhlendorf (bei Ribnitz) und nach seiner Rückkehr auf den elterlichen Hof in Mellen auch privat.

„Ich bin keiner, der nur zu Hause sitzt“, sagt Jacobs von sich selbst. Vom Frühjahr bis zum Herbst ist er im Gewächshaus und auf dem Acker für die „Trüffel des kleinen Mannes“ da, führt akkurat seine Zuchtbücher. „Reinold ist den ganzen Tag bei seinen Kartoffeln“, erzählt Ehefrau Renate, ohne ihrem Gatten daraus einen Vorwurf machen zu wollen. Zum Setzen der Pflanzkartoffeln und später zur Ernte kommen auch Sohn und Tochter mit ihren Familien als Unterstützung in die Prignitz.

Die Sämlinge der Toccata hat der Experte in seinem eigenen Gewächshaus gezogen. „Von der Kreuzung bis zur Zulassung des Zuchtstamms dauert es zehn Jahre“, erklärt Jacobs. Eine lange Zeit, die durchaus auch von Rückschlägen geprägt ist und Durchhaltevermögen erfordert. Die vielversprechenden Stämme der angestrebten Neuzüchtung vermehrt Jacobs, die schlechten sortiert er aus. Gute Boden- und Witterungsbedingungen allein reichen nicht, um die vollkommene Kartoffelsorte zu züchten. Es gehört auch viel Glück dazu.

Die züchterische Arbeit des Melleners wird dabei vom weltweit führenden Kartoffelzucht-Unternehmen Europlant Pflanzenzucht GmbH in Lüneburg, die Jacobs‘ Kartoffeln europaweit vermarktet, unterstützt. Verbesserte Resistenz gegen Schädlinge, hohe Erträge und Qualität nennt der Diplom-Agraringenieur als wichtigste Merkmale für eine Neuzüchtung. 2009 wurde Jacobs‘ zweite, ebenfalls für die Stärkeproduktion vorgesehene, Kartoffelsorte mit dem Namen „Danuta“ zugelassen. Letzter Zuchterfolg ist die 2011 zugelassene „Ottawa“, eine ovale „Pommes-Züchtung“, wie der Landwirt erklärt. „Sie hat eine schöne Form und eine gute Pommesqualität“, so Jacobs, der vielen Prignitzern bei den hiesigen Kartoffelfesten mit Tipps rund um die Knolle zur Seite steht.

Und wer weiß, vielleicht kommen in den nächsten Jahren noch einige Sorten mehr dazu. Der Mellener, der persönlich keine bestimmte Kartoffelsorte favorisiert, tüftelt noch weiter an erfolgsversprechenden Neuzüchtungen.
 

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