Wir in Gross Langerwisch : Ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch

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Gut Groß Langerwisch hat lange Historie und war immer ein Wirtschaftsstandort

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27. Januar 2016, 12:00 Uhr

Könnten das Gutshaus in Groß Langerwisch und das Areal drumherum sprechen – sie würden mit Sicherheit spannende Anekdoten aus mehr als 500 Jahren Geschichte erzählen. 1498 verkauften die von Quitzows der Familie Gans Edle Herren zu Putlitz die Feldmark Mittel- und Groß Langerwisch mit einem Rittersitz, der allerdings im 30-jährigen Krieg verwüstet wurde.

Es dauerte bis 1753, dass die Feldmark wiederbesiedelt und das Gut an der heutigen Stelle errichtet wurde. Letzte private Eigner vor der Bodenreform waren ab 1890 der Baron Gans Edler zu Putlitz auf Laaske und sein Sohn Walter. „Ja, es gibt da auch eine Laasker Linie bei den Gans Edlen Herren, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Adligen, denen unter anderem das Gutshaus Groß Pankow gehörte“, erzählt Friedrich von Möller, der den hier nach der Wende wieder ansässigen landwirtschaftlichen Betrieb bereits seit 1995 verwaltet. Und nicht nur das: Für den Agraringenieurökonomen und seine Familie wurde die Prignitz zur Heimat. Von hieraus führt der Vater dreier Kinder zudem die Geschäfte für die Hölscher, Leuschner, Quittmann GbR, so die offizielle Bezeichnung des Betriebes.

„Zwölf Mitarbeiter haben wir seinerzeit übernommen – auch heute arbeiten hier immer noch zwölf Leute“, skizziert von Möller die Personalentwicklung. Kein Vergleich zu den Zeiten vor 1989: Das Volkseigene Gut Groß Langerwisch (VEG) war der zweitgrößte Standort für die Zucht von Merino-Fleischschafen im Osten. Das Gelände, wo sich heute in Jakobsdorf (bei Steffenshagen) die Kingspan Gefinex GmbH befindet, gehörte ebenfalls dazu. Gut 150 Leute arbeiteten im VEG, hinzu kamen immer um die 30 Lehrlinge, weiß Friedrich von Möller. Als er selbst in Groß Langerwisch begann, gab es noch 400 Schafe, außerdem Milchkühe. In den Hoch-Zeiten als Zuchtbetrieb sahen die Zahlen etwas anders aus: Knapp 10 000 Schafe gehörten im Dezember 1989 zum VEG, außerdem 52 Pferde, davon 19 Zuchtstuten. 1973 hatte man begonnen, die spezialisierte Schafproduktion und eine Pferdeherdbuchzucht aufzubauen. Um die Tiere ernähren zu können, arbeitete das Gut ab 1967 mit sieben landwirtschaftlichen Pflanzen-Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammen. Direkt nach der Wende gründete sich die Tierzucht Groß Langerwisch GmbH, sie wurde vor fast genau 16 Jahren liquidiert.

Seit 1997 liegt der Fokus auf Schweinezucht und Ackerbau. „Wir sind so aufgestellt, dass wir unsere Tiere komplett aus eigenen Anbau ernähren können – wir veredeln also die Feldfrüchte zu Fleisch, um es in der Fachsprache auszudrücken“, sagt der Landwirt. Gut 1000 Hektar Anbaufläche gehören zum Gut Groß Langerwisch beziehungsweise werden von hier mit bewirtschaftet. „Das ist hier alles rundherum, um den Ort. Man kann die Felder vom Gut aus mit dem Trecker erreichen“, so von Möller. Dem Gut geht es gut – die Geschichte kann also fortgeschrieben werden. 

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