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Ärger in Groß Breese : Gemeinde nutzt Wald als Müllkippe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Groß Breese wurde Laub in einem Privatwald entsorgt. Familie des Flächenbesitzers protestiert nun. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht

von
erstellt am 28.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Auf den ersten Blick ist nichts auffällig an dem Waldstück nahe der Strommasten zwischen Groß Breese und Kuhblank. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt Laubreste – ungewöhnlich für einen Nadelwald. Grund: Die Gemeinde Breese hat hier über Jahre das Laub entsorgt, das die Bäume in der Groß Breeser Allee abwerfen. Auf Privatbesitz und gegen den Willen des Grundstückseigentümers, wie es aus dessen Umfeld im Gespräch mit dieser Zeitung heißt.

„Die Gemeinde hat sich hier nicht rechtskonform verhalten“, sagt Revierförster Stefan Koepp auf „Prignitzer“-Anfrage. Auch Andreas Much, Bereichsleiter Abfallwirtschaft beim Landkreis, stellt fest, dass das Laub sich nicht ordnungsgemäß dort befindet.

In Paragraf 24 des brandenburgischen Waldgesetzes heißt es: „Es ist verboten, Wälder dadurch zu verschmutzen, dass Abfälle wie gebrauchte Verpackungen, Sperrmüll, Bauschutt, Altautos und Klärschlamm oder Abwasser oder andere nicht zum Wald gehörende Gegenstände oder Stoffe im Wald abgelagert oder sonst zurückgelassen oder in diesen eingeleitet werden.“ Dieser Passus gelte auch für Grünschnitt und Laubabfälle, fügt Koepp an. Die aus der Ablagerung resultierende Artenverfälschung sei ein Problem, ebenso der zusätzliche Nährstoffeintrag durch Gartenabfälle, die ebenfalls dort landen würden. „Mit den Abfällen werden auch pilzliche Pathogene eingetragen“, so Koepp. Diese Mikroorganismen würden zu einem für den Standort unüblichen Artenvorkommen führen.

Immer wieder sollen in den vergangenen Jahren ganze Container mit Laub in den Wald gefahren worden sein – mit Fahrzeugen einer Entsorgungsfirma und denen der Gemeinde. Im Oktober 2016 hätten sie, so Angehörige des Waldbesitzers, der in der Gegend große Flächen sein Eigen nennt, beim Pilzesammeln zufällig die großen Laubberge entdeckt. Seitdem dauert die Debatte zwischen ihm, der Gemeinde, dem Amt Bad Wilsnack/Weisen und dem Landkreis an, wie das Laub entsorgt werden kann und wer dafür aufkommen muss. „Rechtlich gibt es die Möglichkeit, den Abfallentsorger, also die Gemeinde, heranzuziehen, oder auch den Abfallbesitzer, also den Grundstückseigentümer“, so Andreas Much. Klar sei aber, „dass wir eher auf die Gemeinde zugehen werden“. Bisher gibt es allerdings noch keinen Plan, wie das Laub, das auf einer Fläche von mehreren hundert Quadratmetern liegt, entsorgt wird. Dazu kommt die Besorgnis der Eigentümerfamilie, die namentlich nicht genannt werden will, dass das Laub belastet ist. „Schließlich wurden die Bäume in Groß Breese gegen den Eichenprozessionsspinner besprüht“, sagt auch Bärbel Treutler, Kreistagsabgeordnete der Grünen, die in Groß Breese wohnt. Diesbezüglich kann Andreas Much aber Entwarnung geben. „Von dem Laub geht keine akute Gefahr für die Nadelbäume oder den Waldboden aus.“ Doch nicht nur Blätter liegen nun inmitten der Natur, sondern auch Plastikeimer, Netze großer Strohballen und Kunststoffteile, „die die Leute einfach dort hinbringen“, so Bärbel Treutler.

Anfang des Jahres gab es einen Ortstermin mit Vertretern des Waldbesitzers, dem Amtsdirektor Bad Wilsnack/Weisen, Torsten Jacob, und auch dem Ordnungsamtsleiter Gerald Neu. Der hält sich auf Redaktionsanfrage bedeckt. „Wir sind mitten im Verfahren. Die Situation an der Groß Breeser Allee ist mit den sechs Baumreihen eine besondere. Wir suchen nun nach einer Ausweichfläche“, so Neu. Bis kommenden Herbst sei eine Lösung gefunden. Er betont, dass kein weiteres Laub mehr in dem Wald abgeladen würde. Das bestätigt auch Werner Steiner, Bürgermeister der Gemeinde Breese. „Wir haben sofort mit dem Abladen aufgehört, als klar war, dass das nicht mehr gewünscht wird.“ Steiner verweist auf eine Jahrzehnte alte Absprache zwischen dem damaligen Ortsvorsteher, Reiner Kühn, und dem Grundstücksbesitzer. Demnach sei das Abladen des Laubes von diesem geduldet worden. „Und in Groß Breese wusste jeder, wo das Laub hinkommt.“ Auch Steiner hat noch keine Lösung für die Entsorgung aus dem Wald. „Ich werde nicht für viel Geld eine Entsorgung veranlassen, wo es doch verrottet.“ Reiner Kühn, bis 2005 Bürgermeister von Groß Breese, erklärt, wie die Absprache damals zustande kam. „Ein Gemeindevertreter bot an, dass das Laub auf seinem Grundstück entsorgt werden kann. Wir haben aber erst später erfahren, dass ein Teil des Waldes auch seinem Bruder gehört.“ In Sachen Laubentsorgung auf Privatgrund „gab es nie einen Beschluss der Gemeindevertreter, weil die Übereinkunft so getroffen wurde“. Kühn fügt an, dass es darum ging, den Grünabfall so kostengünstig wie möglich zu entsorgen.

 

Kommentar - Der Forst ist kein Komposthaufen

Wie in Groß Breese jahrelang das Laub der Straßenbäume entsorgt wurde, ist ein Beispiel für einen einfachen Weg ohne Blick auf das Gesetz

Der leichteste Weg ist nicht immer der beste. Das zeigt das Beispiel der fragwürdigen Laubentsorgung in Groß Breese. Auch wenn es mal eine Absprache zwischen dem Waldbesitzer und dem damaligen Ortsbürgermeister gab, macht das den Vorgang nicht unanfechtbar.

Unter der Prämisse der Kosteneinsparung wurde unter der Hand eine Regelung getroffen, die letztlich ein offenes Geheimnis unter Lokalpolitikern und Bürgern war. Wohin die zig Container mit dem Laub fahren, wird in all den Jahren kaum jemandem entgangen sein. Eine bequeme – und sicher auch gut gemeinte – Lösung ohne viel Aufhebens. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis diese Verfahrensweise mal Kritiker auf den Plan ruft. Nun muss gehandelt werden, auch bei den Behörden ist der Fall bekannt geworden. Jetzt ist Schluss mit dem Laubabkippen, und auch die Einwohner dürfen ihre Abfälle nicht einfach im Grünen ablagern – recht so. Ein Wald ist kein Komposthaufen. Da ist es egal, ob dessen Eigentümer mit der Entsorgung einverstanden ist. Das Gesetz steht über allem.

Zu fragen ist, warum die Gemeinde Breese für diese Masse an Laub keinen Lagerort vorhält. Schließlich fällt das Laub in jedem Herbst von den Bäumen, die in insgesamt sechs Reihen  in der Groß Breeser Allee stehen. Also ist die ordnungsgemäße Zwischenlagerung und Entsorgung eine planbare Größe für den Gemeindehaushalt. Hier sollte schnellstens eine Lösung her, denn der nächste Herbst steht vor der Tür. Eine schnelle Lösung wünschen sich viele auch für den regelmäßig von Blaualgen bedrohten Rudower See. Doch das wird wohl nichts. Dafür sind zu viele in dieses Vorhaben involviert. Und gut überlegt will auch jeder Schritt sein.


 

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