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Mehr als 1000 Kilometer radwege : Geld für Instandhaltung nötig

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburger Tourismusverband warnt vor Verschleiß an Radwegen – Situation in der Prignitz ist gegenwärtig gut

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 22:32 Uhr

Weit mehr als 1000 Kilometer Radwege weist der Tourismusverband Prignitz auf seiner Internetseite für den Landkreis aus. Nicht zuletzt aufgrund dieser hervorragenden Infrastruktur wurde die Prignitz im vergangenen Jahr vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) als eines der ersten Gebiete überhaupt als ADFC-RadReiseRegion klassifiziert.

Voraussetzung dafür ist allerdings nicht allein die Länge der Radwege, sondern auch deren Zustand. Der Tourismusverband Brandenburg hat jüngst den Zustand der märkischen Trassen für Pedalritter beklagt. Die dauerhafte Instandhaltung inklusive der Beschilderung müsse abgesichert sein, verlangte der Verband und forderte ein Landesprogramm Radtourismus.

Derzeit kümmerten sich Gemeinden, Landkreise und Tourismusorganisationen in Eigenregie um die Pflege der Radwege, erklärte Landtagspräsident Gunter Fritsch, Vorsitzender des Landestourismusverbandes Brandenburg. Sie könnten aber unmöglich die gesamten 6800 Kilometer in Schuss halten. Für die einheitliche Pflege gebe es bisher keinen festen Verantwortlichen. Die Instandhaltung der Wege koste im Jahr bis zu acht Millionen Euro. Wieviel im Landkreis Prignitz investiert wird, ist nur schwer zu beziffern. „Der Kreis selbst hat nur 7,4 Kilometer Radweg zu betreuen, und die Kosten sind bei den Straßen mit eingepreist“, so Pressesprecherin Christel Spenn. Ähnlich verfahren die meisten Kommunen, wobei es derzeit kaum akuten Handlungsbedarf zu geben scheint.

„Aktuell sind die meisten Radwege in der Prignitz in einem guten Zustand“, sagt Radwegeinspektor Bernd Gerhardt aus Wittenberge. Viele Wege seien mit Asphalt oder festen Schotterdecken gut ausgebaut. Probleme gebe es beispielsweise zwischen Weisen und Perleberg, wo der Radweg entlang der alten B 189 – der inzwischen nicht mal mehr als solcher klassifiziert ist – zusehends durch Wurzelaufbrüche verfällt. Auch im Bereich Lenzen hätten sich auf den Deichwegen Fahrspuren gebildet, eine Mahd der Seiten- und des Mittelstreifens sei dringend angeraten, beschreibt Gerhard Probleme.

Der Experte kann die Bedenken des Landestourismusverbandes nachvollziehen. „Die Kommunen und Kreise sind mit den Radwege allein gelassen. Für den Bau gab es in vielen Fällen Fördermittel, die Unterhaltung wurde hingegen nicht berücksichtigt.“ Dabei gebe es schon beim Bau durchaus Möglichkeiten, die Anfälligkeit für Schäden zu minimieren. „Das beginnt bereits damit, an Radwegen keine Pappeln oder Sanddorn zu pflanzen, denn deren Wurzeln entwickeln nach wenigen Jahren so viel Kraft, dass sie den Asphalt mühelos aufbrechen“, so Gerhardt. Weiterhin sei es wünschenswert, an den Rändern generell keine Sträucher mit Dornen zu pflanzen. „Das tut im Zweifelsfall richtig weh, wenn sie nicht ordentlich verschnitten werden.“

Selbst wenn es akut nur geringen Handlungsbedarf gebe, plädiert der Experte für eine Unterstützung durch das Land bei der Unterhaltung der Wege. „Die Schäden kommen
mit der Zeit durch den normalen Verschleiß. Und man darf nicht vergessen, dass die Radwege wichtiges Kapital für den Wirtschaftszweig Tourismus sind. Damit sollte man pfleglich umgehen.“

Auch der Tourismusverband Prignitz unterstützt die Forderung des Landesverbandes. „In der Prignitz sieht es noch gut aus, da unsere Radwege vergleichsweise jung sind“, sagt Katharina Zimmermann. In andere Kreisen, die ihr Radwegenetz bereits kurz nach der Wende saniert hätten, gebe es deutlich größere Probleme. „Die Wege dort sind 20 Jahre und älter. Da besteht wirklich Handlungsbedarf. Und auch bei uns wird der mit der Zeit größer werden, deswegen ist es notwendig, dass das Land dafür Mittel bereitstellt.“

Laut aktuellen Umfragen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs belegt Brandenburg den zweiten Platz unter den beliebtesten Radreisezielen Deutschlands. Mit jährlich rund 850 Millionen Euro macht der Radtourismus rund 25 Prozent des Umsatzes im Tourismus aus.


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