Initiative gegen Biogasanlagen : Gegen Krach, Gestank und Gefahr

Die „Radleroase“ in Klein Langerwisch ist wegen mangelnder Trinkwasserqualität  geschlossen. Besitzerin Lieselotte Fortmann sieht einen eindeutigen Zusammenhang mit der benachbarten industriell betriebenen Biogasanlage.
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Die „Radleroase“ in Klein Langerwisch ist wegen mangelnder Trinkwasserqualität geschlossen. Besitzerin Lieselotte Fortmann sieht einen eindeutigen Zusammenhang mit der benachbarten industriell betriebenen Biogasanlage.

Bürgerinitiative gegründet: Widerstand gegen Belastungen aus industriell betriebenen Biogasanlagen formiert sich / „Radleroase“ geschlossen

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03. März 2014, 22:00 Uhr

„Stoppt die Umweltbelastung durch Biogasanlagen in der Prignitz“ nennt sich eine Bürgerinitiative (BI), die sich vor kurzem in Groß Langerwisch (Gemeinde Groß Pankow) gründete. Ursprünglich sollte die Arbeit der Initiative nur auf die industrielle Biogasanlage in Neudorf (bei Groß Langerwisch) fokussiert werden. Die derzeit rund 25 Mitglieder der BI wissen jedoch, dass sie mit den aus den Anlagen erwachsenen Problemen beileibe nicht isoliert dastehen.

Das große Interesse an dem Thema dokumentierte allein die Gründungsveranstaltung am 13. Februar in Groß Langerwisch, zu der mehr als 40 Einwohner erschienen. „Wir hatten offensichtlich in ein Wespennest gestochen, den Nerv vieler Menschen getroffen“, formuliert es Lieselotte Fortmann, eine der Aktiven – und eine Hauptbetroffene aus Klein Langerwisch. Die 66-Jährige formuliert es drastisch: „Wären wir keine Rentner, sondern junge Leute, die hier investiert hätten, um davon zu leben, müssten wir Insolvenz anmelden.“ Die „Radleroase“ Klein Langerwisch, direkt an der „Tour Brandenburg“, die sie mit viel Aufwand, Herzblut und auch Kreditmitteln, aufbaute, ist geschlossen, schon seit November 2013. Grund: mangelnde Trinkwasserqualität. Für Beherbergungsbetriebe gibt es Auflagen, die Lilo Fortmann derzeit nicht erfüllen kann. Für sie besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Gärsaft aus den benachbarten riesigen Feldsilomieten und den bedenklichen Wasserwerten. Im Herbst 2011 seien rund 90 000 Tonnen Mais auf ein benachbartes Feld in Mieten gelegt worden, ohne Folien unterzulegen oder den Gärsaft aufzufangen, das Ganze nur rund 30 bzw. 100 Meter von den Brunnen entfernt, aus denen Lilo Fortmann ihr Trinkwasser entnimmt. Der alte Schachtbrunnen, so sagt sie, liefere schon seit 1754 zuverlässig Trinkwasser, in guter Qualität. Filter- und Osmoseanlagen führen zu starkem Druckabfall. Die Versorgung übers zentrale Wassernetz ist für die Radleroase und zwei weitere Grundstücke in Klein Langerwisch wegen der Außenlage nicht möglich. Lilo Fortmann erstattete bei der Staatsanwaltschaft Neuruppin Anzeige wegen Verschmutzung des Oberflächenwassers und der damit zusammenhängenden vielfachen Überschreitung der Grenzwerte, speziell in Bezug auf Nitrat und Mangan, gegen die Bio-Erdgas Neudorf GmbH.

Die Forderungen der Bürgerinitiative gehen über die Einhaltung der Trinkwasserqualität weit hinaus. Die große Zahl der Schwertransporte, der damit und mit dem Betrieb der Anlagen einher gehende Lärm, die Feinstaubbelastung, der Gestank sind ebenso Steine des Anstoßes wie die Tatsache, dass sich die Anlage in einem Vogelschutzgebiet befindet und zudem ein so genanntes FFH (Flora-Fauna-Habitat) tangiert. Unzureichende sowie zu späte Bürgerbeteiligung monieren die Einwohner, erinnern daran, dass es bereits 2008 einen Bürgereinspruch aus Neudorf gegen Verkehr, Lärm und Gestank bezüglich der Biogasanlage gegeben habe. Mit Sorge blickt die Initiative überdies auf die Gefahren, die von Biogasanlagen ausgehen können.

Die Anlage der Jörn Ahlers Biogas GmbH wurde 2006 bis 2011 errichtet bzw. fertig gestellt. Sie beliefert vier Blockheizkraftwerke (je 500 kW), die Strom und Wärme erzeugen, und speist über eine Aufbereitungsanlage – ein Joint-Venture der Energie Mark Brandenburg GmbH (EMB) und der Stadtwerke Pritzwalk – seit Juli 2012 zudem Gas ins Netz ein.

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