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Stepenitz wird zum Kindergarten : Gegen den Strom Richtung Prignitz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

45 000 halbjährige Junglachse in Stepenitz entlassen / Fische finden hier neue Heimat und sollen in kommenden Jahren zurückkehren

Auch mit beinahe 90 Jahren steigt Willi Glöde noch mehrmals die steile Steinschräge in Wolfshagen hinunter, in der Hand jeweils einen Eimer voller Junglachse. „Nur zugucken kann ich einfach nicht, schon gar nicht bei so einer lohnenswerten Sache“, erzählt der Putlitzer, der bereits seit der Vereinsgründung Ende der 1940er Jahre dem Angelverein Obere-Stepenitz angehört. Da war es auch selbstverständlich, dass er und seine Kollegen am Donnerstag zum Eimer griffen und bei dem Besatz von 45  000 halbjährigen Junglachsen in die Stepenitz halfen.

Bereits seit 18 Jahren versuchen der Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) sowie das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow e. V. den atlantischen Lachs und die Meerforelle wieder vor Ort anzusiedeln. Denn die Prignitz war bereits einmal Lachsgebiet. „Deutschland hatte einmal die lachsreichsten Flüsse in der Welt, aber sie sind hier ausgestorben, da der Mensch 150 Jahre zu sorglos mit der Natur umgegangen ist. Übernutzung und Verschmutzung der Gewässer spielen hierbei die größte Rolle, die geringste die Fischerei“, so Ulrich Thiel vom Landesanglerverband. Deshalb sei eine neue Ansiedlung nur über eben jene Besatzmaßnahmen möglich.

Im Frühling werden Meerforellen ausgesetzt, im Herbst die etwa acht Gramm schweren Lachse. „Bis zum Frühjahr werden nur etwa 20 Prozent der in diesem Jahr ausgesetzten Lachse überleben, aber diese wandern dann über die Elbe in die Nordsee bis hin zu den Färöer Inseln oder nach Grönland und kommen dann in einem oder auch drei oder vier Jahren wieder in die Prignitz“, erklärt Thiel. Lachse hätten ein so genanntes „Homing“, also einen Heimfindeinstinkt. „Sie finden immer wieder dorthin zurück, wo sie zum Jungfisch geworden sind. Hier sind die Bedingungen gut, herrscht ein gutes Fließgewässer mit entsprechendem Gefälle“, erklärt Thiel. „Die Stepenitz hat zudem eine herausragende Wasserqualität“, ergänzt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei. Er ist seit dem Beginn des Projektes involviert und konnte bereits 2002 die ersten zurückgekehrten Lachs nachweisen.

„Die dänischen Kollegen liefern uns Fische ohne Fettflosse, dadurch können wir die von uns eingesetzten Lachse eindeutig wiedererkennen“, erklärt er. „Es soll überprüft werden, wie gut eine natürliche Fortpflanzung in dem Gebiet existiert“, so Thiel. Um diese zu erhöhen, wurden gestern an vier Stellen jeweils über 8000 Junglachse ausgesetzt. „Das hat damit zu tun, dass es Revierfische sind. Wir haben einmal zehn Fische in ein Aquarium gesetzt, übrig blieben vier – an jeder Ecke einer. Der Rest wird verbissen“, verdeutlicht Zahn.

Insgesamt seien die Rückkehrerzahlen derzeit unterschiedlich. „Bei Lachsen sind es 20 bis 30 Tiere pro Jahr, jedoch haben wir Schwankungen, bei den Meerforellen hatten wir 2015 sogar 300 Tiere.“ Finanziert wurde der Besatz, pro Fisch etwa 55 Cent, also etwa 23  000 Euro für die Jungfische durch die Fischereiabgabe und Eigenmittel des Verbandes. Also auch durch Willi Glöde, der mit seinen fast 90 Jahren noch oft an der Stepenitz steht: „Man ist mit der Natur verbunden, das Wasser beruhigt und wenn das Projekt Erfolg hat, ist das auch gut für die Region.“

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