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Woche der Ausbildung : Gegen den Bewerberschwund

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

„Woche der Ausbildung“ im Arbeitsagenturbezirk Neuruppin / Information war gestern und ist auch heute das A und O

von
erstellt am 07.Apr.2014 | 22:00 Uhr

Einen ganz besonderen Auftakt zur „Woche der Ausbildung“ gab es gestern im Arbeitsagenturbezirk Neuruppin: Geschäftsführerin Cornelie Schlegel machte sich auf den Weg nach Perleberg, um dem Leiter des DDR-Geschichtsmuseums, Hans-Peter Freimark, historische Berufsberatungs-Dokumente zu überreichen. Den beiden in Perleberg tätigen Berufsberaterinnen Karin Gresenz und Birgit Kollmorgen fielen unlängst beim Aufräumen Infoblätter aus den letzten DDR-Jahren in die Hände. „Wir sind einfach so gestrickt, dass wir nicht gleich alles wegwerfen, vieles aufheben und anderweitig verwenden“, erzählt Karin Gresenz, die bereits vor der Wende als Berufsberaterin arbeitete. So geschah es auch mit den Berufsinformationsblättern: Sie wurden auf einen Pappuntergrund geklebt und die Pappen hinten beschriftet. Die Infoblätter „überlebten“ bis 2014 und geben interessante Aufschlüsse über Berufsbilder in der DDR. Während Kosmetikerin oder Fliesenleger auch heute noch gängige Lehrberufe sind, sieht es bei Schuhfacharbeiter, Dachinstandsetzer oder Facharbeiter für Datenbereitstellung schon ein wenig anders aus. Letzterer wäre heute ein Fachinformatiker. Schuhfacharbeiter hingegen sind weitgehend „ausgestorben“, Dachinstandsetzer – gewissermaßen die Vorstufe zum Dachdecker – ist so als Ausbildung nicht mehr zu finden.

Informationen auf dem Weg ins Berufsleben waren damals ein großes Thema und sind es noch immer. Wenngleich sich die Art der Information und auch die Umstände vor allem in den Jahren ab 2006 rasant geändert haben, wie Cornelie Schlegel an Zahlen und Fakten verdeutlicht: So halbierte sich die Zahl der Lehrstellenbewerber von 2006 bis 2013 im Bereich der Arbeitsagentur Neuruppin von rund 5400 auf 2700. Rückläufig, wenn auch nicht ganz so extrem, sei die Zahl ebenso in den berlinnahen Agenturbezirken. Derzeit, so Schlegel, kämen im Bereich Neuruppin auf 255 Ausbildungsstellen 156 Bewerber, ein Verhältnis von 1,63 zu 1. Aufgeschlüsselt auf den Landkreis stellt sich die Situation im Bereich Perleberg mit einem Verhältnis von 2 zu 1 noch ein wenig verschärfter dar. Für den Bereich Pritzwalk errechnete Cornelie Schlegel ein Verhältnis von 1,1 zu 1, also etwas mehr Stellen als Bewerber. Das Problem verstärke sich noch dadurch, dass mitunter zu wenig Bewegung auf dem Lehrstellenmarkt herrsche: Schüler mit guten Noten bzw. dem Abitur vor Augen bewerben sich bei vielen Betrieben um eine Ausbildung – die Firmen ihrerseits warten auf diese bestgeeigneten Kandidaten … „Im Grunde führen wir hier eine Luxusdiskussion“, so Schlegel. In der „Woche der Ausbildung“ würden Betriebe gezielt angerufen werden, um künftige Azubis direkt zu vermitteln. Außerdem gibt es Informationsveranstaltungen in allen Beratungsstellen – in Perleberg im Berliner Weg diesen Donnerstag zudem von 13 bis 18 Uhr einen Sprechtag ohne Termin, wie Karin Gresenz mitteilt. Ihr ist auch wichtig zu sagen, dass es in der Prignitz eine Vielzahl von Wegen ins Arbeitsleben gibt, „bis hin zur Möglichkeit des dualen Studiums hier vor Ort.“

 

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