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Erstes Treffen nach der Wende : Geflügelanlagen aus Düpow

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine Betriebsgeschichte, die 1968 vielversprechend begann und 1996 in die Liquidation führte / Ehemalige trafen und erinnern sich

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erstellt am 22.Sep.2014 | 08:00 Uhr

Bis 1991 bauten sie Geflügelanlagen in Düpow. 1968 aus dem dortigen Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) hervorgegangen, war das Ausrüstungskombinat für Geflügel- und Kleintieranlagen der größte Arbeitgeber im Territorium der Stadt Perleberg. Rund 750 Beschäftigte standen hier in Lohn und Brot, 380 allein in Düpow. 1996  ging dann das Licht aus, war der Betrieb liquidiert, alles verkauft und privatisiert.

„Fortan redete niemand mehr von uns“, eröffnete Reinhard Sappok am Sonnabend das Treffen der ehemaligen Belegschaft im Gasthof Imm – das erste nach der Wende. Dabei habe der Betrieb viel für Perleberg getan, u.a. zur 750-Jahrfeier den Saal von „Stadt Berlin“  neugebaut, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Im Tierpark übernahm er die Stahlbauarbeiten für das erste Wolfsgehege und auch die Kegelbahn am Schwimmbad  geht aufs Konto der Düpower. 

Für Reinhard Sappok, Bärbel Schmidt und Arno Mertens Grund genug, den Betrieb und ehemalige Kollegen untereinander   wieder ins Gespräch  zubringen. 120 kamen, „wir waren überwältigt vom Zuspruch“, gesteht Sappok, der ein nächstes Treffen, sofern gewünscht, in zwei Jahren in Aussicht stellt.

Sonnabend dabei u.a. auch Gundula Linke. Zuletzt arbeitet die Perlebergerin in der Technologie. „Düpow, das war mein Berufsleben.“ 1963 habe sie  Landwirtschaftskauffrau gelernt in der MTS Glöwen, die dann zum KfL zusammengeschlossen wurde.  Bis zum Ende der Düpower Geflügelanlagen arbeitete sie hier.

Horst Elfreich kam 1973 frisch von der Uni Rostock nach Düpow. „Der Betrieb war dabei, groß in den Export einzusteigen. Fachschulen und Uni klapperte er ab, auf der Suche nach Fachkräften“, erinnert er sich.  Legehennen- und Broilerfarmen wurden in mehreren Ländern Europas und Asien   errichtet. Was in Düpow produziert wurde, ging zu 80 bis 90 Prozent in den Export. 1979/80 schickte man ihn als Baustellenleiter auf die Krim. „Wir haben Broileranlagen mit 50 Ställen auf Einstreu aufgebaut. Für mich war das eine gute Schule.“ Und ein Sprungbrett. Fortan war der Export vor allem in die Sowjetunion sein Aufgabengebiet, führte er gemeinsam mit Manfred Dieckmann Verhandlungen mit Moskau. „Ausrüstungen für rund 350 Ställe und an die 100 komplette Stallgebäude haben wir im Jahr geliefert.“

18 Jahre war Düpow seine Arbeitsstelle, 1991 verhandelte Horst Elfreich den letzten Vertrag mit Moskau, den ersten übrigens in D-Mark. „Es war eine fantastische wie spannende Zeit. Man musste sich oftmals was einfallen lassen, denn Material gab es nie. Schnell und auf Zack musste man sein, um die Bilanzanteile zu bekommen, und Beziehungen haben. Doch letztere schaden auch heute nicht.“ In seinem Metier ist er geblieben, heute als Verkaufsleiter bei Big Dutchman in Vechta.

Karl-Heinz Streiter, zur Wende stellvertretender Direktor Technik, begann 1964 im Betrieb. Während die erste  Anlage für industrielle Haltung noch im Westen gekauft wurde, kamen alle anderen dann aus Düpow. „Wir rüsteten sie auf unsere Verhältnisse um“, erinnert er sich. Eine Art Neuererbewegung? „Eher nicht. Die machten neue Bleche einfach nur dünner und wir mussten es ausbaden.“

Harry Schulz (80) war von 1956 bis ’88 dabei, als Betriebsleiter Wolfshagen wo unter anderem die Gitter gefertigt wurden, dann als Absatzdirektor im Brutmaschinenwerk Bismarck.  „Der Betrieb, das ist unsere Jugend, unsere berufliche Entwicklung. Wir kannten nichts anderes und haben uns gefreut, wenn  alles klappte, wir wieder ein gutes Geschäft gemacht hatten.“ Doris Ritzka

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