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Kleines Dorf an der B 5 wird 775 Jahre : Geflügelanlagen aus Düpow

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine Betriebsgeschichte, die 1968 vielversprechend begann und 1996 schließlich doch in die Liquidation führte

von
erstellt am 31.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Geflügelanlagen aus Düpow – auch das ist ein Stück Perleberger Geschichte. Einst war das der größte Arbeitgeber im Territorium der Stadt. Reinhard Sappok, Erhard Kramer und viele andere haben mitgeschrieben an dieser Geschichte, die 1968 begann.

Aus dem damaligen Kreisbetrieb für Landtechnik wurde am 1. Januar 1968 das Ausrüstungskombinat für Geflügel- und Kleintieranlagen. Es war zugleich auch die Zeit der KIM-Betriebe (Kombinate industrielle Mast). „Die DDR suchte nach Wegen der Eigenversorgung. und mit Hühner klappt das am schnellsten“, erinnert sich Reinhard Sappok.

Produzent der Anlagen und Erzeuger unter einem Dach – so lautete die Strategie und so war das übergeordnete Organ die VVB Industrielle Tierproduktion. Neben der eigentlichen Produktionsstätte, der Verzinkerei, waren in Düpow noch Fuhrpark, Handwerker, Kombinatsverwaltung und ganz „wichtig die Verpackung und der Versand“. Denn während die erste Anlage für industrielle Haltung noch im Westen gekauft wurde, kamen alle anderen dann aus Düpow. Und diese nahmen ihren Weg vor allem in die damalige UdSSR, CSSR und nach Polen. „Komplette Maschinensysteme für die Aufzucht, Haltung, Vermehrung und Mast von Legehennen, Broiler, Puten und für die Frischeiererzeugung lieferten wir in die UdSSR“ , erinnert sich Sappok.

Legehennen- und Broilerfarmen wurden in mehreren Ländern Europas und Asien errichtet. Was in Düpow produziert wurde, ging zu 80 bis 90 Prozent in den Export.

Zum Düpower Stammbetrieb gehörten in der Region noch drei Betriebsteile. In Berge war die Blechverarbeitung angesiedelt, in Wolfshagen die Gitterfertigung und Plastverarbeitung für Rohrsysteme, Tränken und dergleichen. In Glöwen hingegen waren das Ersatzteillager, der Rationalisierungsmittel- und Werkzeugbau sowie der Versuchsmusterbau. Zum Kombinat gehörten zudem das Brutmaschinenwerk Bismarck in der Altmark, die Forschung und Entwicklung in Berlin-Kaulsdorf sowie das Projektierungsbüro in Radebeul bei Dresden. An die 750 Werktätige waren in diesem Kombinat in Lohn und Brot, in Düpow selbst waren es so um die 380, überschlägt Erhard Kramer.

Wie jeder Betrieb musste auch der Geflügelanlagenbau neben der eigentlichen Produktionspalette Konsumgüter – begehrte Bückware – für den Bevölkerungsbedarf herstellen. „Wir haben uns auf das besonnen, was wir konnten und bauten für die Kleintierhalter Kaninchenställe, Futterraufen und dergleichen. Über die BHG wurde all das dann in der ganzen Republik vertrieben. Einen Kleinstbrüter für 20 Eier, auch das haben wir entwickelt“, so Sappok.

Als junger Informatiker kam er 1974 nach Düpow. „Ich war verheiratet, wir hatten schon ein Kind, und die Düpower stellten mir eine Wohnung in Aussicht. Das war damals wie ein Sechser im Lotto.“

Der Aufbau der EDV war sein Metier und später auch die Einführung der folgenden Generationen. Übrigens, Düpow war der erste Betrieb im Kreis, der einen Bürocomputer hatte. „Wir waren zwar ein Maschinenbaubetrieb, zählten aber zur Landwirtschaft. Dort wusste zu der Zeit niemand etwas mit einem Computer anzufangen. So bekamen wir ihn, und Betriebe wie die Nähmaschine beneideten uns.“

Die EVD – das war die Jugendbrigade. Und offensichtlich leisteten die jungen Kader gute Arbeit, denn als Anerkennung ging es für vier Mann 1880 Kilometer mit dem Freundschaftszug auf Reisen. Und noch eine Begebenheit ist Reinhard Sappok recht lebendig in Erinnerung: „1980 die Olympischen Spiele in Moskau. In Tallinn fand die Segelregatta statt. Den Gästen wollte man Wachteleier als Gaumenschmaus anbieten. Jedenfalls haben wir extra eine Anlage für die Produktion von Wachteleiern hergestellt und geliefert.“

Anfang der 80er Jahre wurde Düpow dem Kombinat Industrielle Tierproduktion unterstellt und „wir nannten uns fortan VEB Geflügelausrüstungen“, berichtet Erhard Kramer. Von 1987 bis 1990 war er Direktor, dann wurde der VEB in eine GmbH umgewandelt, und er wurde Geschäftsführer. „Bis 1991 haben wir voll produziert, hatten bis dahin noch eine hohe Produktion. Sie lag bei rund 41 Mio DM“, so Kramer. Dann gab es keine Verträge mehr – „fast unser gesamte Export ging in die UdSSR“. „Frei konvertierbare Währung, damit konnte sie nicht dienen.“ Und auch im eigenen Land bracht der Absatz ein. „Gekauft wurden die Anlagen aus den alten Bundesländer. Sie hatten eindeutig technische Vorteile. Wir waren dafür nicht zu dumm, uns fehlten einfach die materiell-technischen Voraussetzungen.“

Am 1. Oktober 1992 entschied die Treuhand, den Betrieb in Liquidation zu schicken, Erhard Kramer wurde Mitarbeiter des Liquidators. Am 30. September 1996 war die Liquidation beendet, alles verkauft bzw. privatisiert.

„Ich habe die Tür abgeschlossen und dem Liquidator der Treuhand noch mal die Hand gegeben. Das war es“, berichtet Erhard Kramer. Und damit endet das Kapitel Geflügelanlagen aus Düpow.

 

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