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Jubiläum in Lindenberg : Geburtstag fußt auf Rechtsstreit

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lindenberg vor 450 Jahren erstmals erwähnt

von
erstellt am 22.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Zu einer Gefangennahme mit Langzeitwirkung kam es vor 450 Jahren. Denn ein Vermerk und eine mit Datum versehene Unterschrift von 1566 sind die urkundliche Ersterwähnung von Lindenberg, heute Ortsteil von Wittenberge. Ganz so friedlich, wie Lindenberg heute scheint, ging es dort damals augenscheinlich nicht zu.

Es ist 1566: Marx von Möllendorff, Gutsherr auf Lindenberg, hat einen Klaus Turmann und dessen Gesellschaft gefangen genommen. Am 6. November 1566 wendet sich der Gutsherr mit einem Schreiben „an die Schöffen der beiden Städte Brandenburg (Alt- und Neustadt) und berichtet ihnen über diese Gefangennahme und das Verhör des Turmann und seiner Gesellschaft durch sein Patrimonialgericht“. Welcher Taten der Festgenommene beschuldigt wird, geht aus dem Text nicht hervor. Wohl aber, dass sich von Möllendorff und ein anderer Adliger, nämlich Jürgen von Restorff, um den Gefangenen gestritten.

Deshalb wendet sich von Möllendorff auch an die Schöffen. Er bittet um Einleitung eines Gerichtsprozesses gegen die Gefangenen und außerdem um eine „juristische Belehrung, ob die von Jürgen von Restorff geforderte Überstellung der Gefangenen ohne Leistung eines Vorstandes (Bürgschaft, Kaution) rechtens ist“. Auch der Entwurf zum Antwortschreiben der Schöffen von Alt- und Neu-Brandenburg ist erhalten geblieben. Sie bestimmen, dass Jürgen von Restorff zunächst Marx von Möllendorf einen Vorstand zu leisten habe. Dann würde auf die Klage des Jürgen von Restorff der Gerichtsprozess gegen den Gefangenen Turmann eingeleitet.

Was ist aus dem Gefangenen geworden? Das liegt (noch) im Dunkel der Geschichte. Dass dieser historische Einblick in Lindenberger Verhältnisse vor Jahrhunderten heute überhaupt möglich ist, ist auch Reintraud Pankow zu verdanken. Sie hat das historische Rechtsdokument entziffert und in das heute gebräuchliche Deutsch übertragen. „Zu unserem Studium gehörte die Schriftkunde der verschiedenen Jahrhunderte mit ihren Besonderheiten wie beispielsweise Aktenkunde“, sagt Reintraud Pankow, die über Jahre das Wittenberger Stadtarchiv leitete. Auf Vermittlung des Heimatgeschichtlers Günter Rodegast hat sie sich des historischen Dokuments angenommen, erst Buchstaben für Buchstaben der schwer zu lesenden Handschrift mit zahlreichen Abkürzungen erschlossen und dann in verständliches Deutsch übertragen.

Die Lindenberger feiern den Geburtstag ihres Ortes morgen.

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