Gastronomen sparen dank der GEZ

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21. März 2013, 06:00 Uhr

Prignitz | Seit dem 1. Januar hat die alte Gebührenordnung der GEZ ausgedient. Stattdessen soll jeder Privathaushalt einen einheitlichen Beitrag in Höhe von 17,98 Euro zahlen. Für Gewerbetreibende gestaltet sich die Reform weitaus undurchsichtiger. Ob sie künftig mehr oder weniger zahlen müssen, hängt grundsätzlich von der Zahl der Mitarbeiter, der Betriebsstätten und der Firmenwagen ab.

Kleine und mittelständische Gastronomie-Betriebe haben einen Vorteil, ist sich der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Hans-Jürgen Kiefer, sicher. Für Handwerksbetriebe sieht Kirsten Gmirek, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, die Reform nicht ganz so optimistisch.

"Laut der neuen Regelung zahlt ein Betrieb mit weniger als neun Mitarbeitern unabhängig von Anzahl und Art der Rundfunkgeräte im Betrieb pauschal nur ein Drittel des Betrages, also 5,99 Euro", erklärt Hans-Jürgen Kiefer. Teurer werde es für die Mitglieder im Prignitzer Hotel- und Gaststättenbereich kaum, denn die wenigsten Gastronomien haben mehr als neun Mitarbeiter.

Dem Dehoga-Vorsitzenden gehört selbst ein Gästehaus in Perleberg, für das er gut zwei Drittel einspare: "Mit meinen zwei Angestellten und insgesamt 95 Betten bezahle ich nun ein Drittel des Tarifs. Mit Firmenwagen und allem drum und dran werden die Ausgaben für die Rundfunkgebühr von zuvor 500 Euro auf 300 Euro sinken", rechnet er vor. "Wobei man da natürlich abwarten muss, wie die noch bestehenden Probleme der Gebührenänderung gelöst werden. Ich denke nur an die groß angekündigte Gema-Reform, die nach etlichen Protesten nun gar nicht in Kraft getreten ist."

Das Hotel "ambiente" in Bad Wilsnack kann rund 50 Prozent gegenüber der alten Gebührenordnung einsparen, wie Ingo Michael vom Controlling der KMG-Unternehmensgruppe auf "Prignitzer"-Nachfrage informiert. Das Hotel gehört zum KMG-Konzern. Nach der Mitarbeiterstaffelung bezahlt das "ambiente" künftig zwei volle Rundfunkbeiträge, und pro Zimmer - 59 sind es insgesamt - ein Drittel des Beitrags. "Für die Zimmer sind es sogar 66 Prozent weniger als vorher", so Michael.

Im Gegensatz zur Gastronomie sind Prignitzer Handwerker von Gebührenerhöhungen stärker betroffen. Mehrere Betriebsstätten und ein großer Fuhrpark können nun zum finanziellen Nachteil werden, so Kirsten Gmirek. "Allerdings hat sich die Handwerkskammer für ein paar Verbesserungen stark gemacht." Von diesen profitiert beispielsweise Horst Niemeyer, Geschäftsführer des Autohauses Koch in Perleberg. "Ich bezahle nur die zugelassenen Fahrzeuge, für alle anderen werden keine Gebühren fällig," erklärt er. Dazu zählen etwa die elf Wagen im Schauraum. Sein Fuhrpark umfasst aktuell zehn Miet- und Vorführwagen, pro Fahrzeug ist nun eine Gebühr von 5,99 Euro fällig. "Insgesamt verändert sich durch die Gebührenreform kaum was für mich", so Niemeyer. Statt wie zuvor 172,80 Euro pro Quartal bezahlt er nun 193,08 Euro. "Allerdings hat sich auch die Zahl der gemeldeten Wagen erhöht, sonst wäre es sogar günstiger geworden, da ich ja auch nur eine Betriebsstätte habe und weniger als neun Mitarbeiter beschäftige."

Anders sieht es bei Thomas Hausbalk aus. Der Obermeister der Bäcker- und Konditoren-Innung besitzt sechs Bäckereifilialen mit insgesamt 40 Mitarbeitern und muss künftig fast das Doppelte zahlen. Für jeden Standort werde ein Drittelbeitrag von 5,99 Euro pro Monat fällig. Hinzu kommen noch einmal 5,99 Euro für die Mitarbeiter pro Betriebsstätte. "Weil ich aber auch dort wohne, wo ich arbeite, muss ich zumindest für meinen Privathaushalt nicht noch extra zahlen", räumt Hausbalk ein. Der Betrag von 17,98 Euro pro Monat fallen also immerhin weg.

Trotz Mehrausgaben hält der Bäckermeister die neue Regelung aber für sinnvoll: "Sie ist auf jeden Fall gerechter, vor allem für die Privathaushalte. Das große Nachsehen haben allerdings die richtig großen Ketten." So wollen sich die Drogeriekette Rossmann und der Autovermieter Sixt, auf die hohe Mehrausgaben zukommen, wehren und nun den Klageweg bestreiten.

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