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Energieversorgung in der Prignitz : Gaspreis in der Region gesunken

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dennoch könnten Verbraucher wohl noch weniger zahlen, gäbe es nicht so viele Kostentreiber

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erstellt am 27.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Verbraucher müssen im Landkreis zum Teil weniger für ihr Gas bezahlen. Das ergab eine Umfrage der Redaktion bei den Stadtwerken in Wittenberge, Perleberg und Pritzwalk.

Demnach sparen Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 25 000 Kilowattstunden bei den Stadtwerken Wittenberge 106,73 Euro brutto pro Jahr. „Zum Januar konnten wir die Preise für unsere Kunden senken“, erklärte Vertriebsleiter Lars Kretlow. Bei der PVU Perleberg sparen die Kunden bei gleicher Verbrauchsmenge etwa 38 Euro – hier gab es die jüngste Preissenkung in diesem Monat. Dagegen bieten die Stadtwerke Pritzwalk laut Geschäftsführer Lutz Kähler seit einer Preissenkung im Jahr 2013 stabile Gebühren an.

Schon seit Jahren fallen die Gaspreise auf dem internationalen Markt – in Europa seit 2014 um gut ein Drittel. Grund ist das Überangebot unter anderem wegen neuer Fördermethoden wie dem Fracking. Geht es nach einer Hamburger Studie, die für die Bundestagsfraktion der Grünen angefertigt wurde, könnten die Kunden noch mehr sparen. Demnach würden deutsche Gasversorger insgesamt ihre Kunden „nicht ausreichend“ an den stark gefallenen Beschaffungspreisen teilhaben lassen.

Die drei hiesigen Unternehmen betonen, dass neben dem Beschaffungspreis auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Unisono ist die Rede von Steuerlasten sowie Abgaben, Umlagen und Importgebühren. Außerdem führen sie die sogenannten Netzentgelte ins Feld. „Der Endkundenpreis hängt fast zur Hälfte von diesen externen Kosten ab“, sagt Rainer Müller, Verkaufsleiter der PVU in Perleberg. „Für die Stadtwerke Pritzwalk sind die Netzkosten in den vergangenen fünf Jahren um 44 Prozent gestiegen“, teilt Lutz Kähler mit. Reguliert werden die Netzkosten von der Bundesnetzagentur in Bonn. Deren Sprecher Michael Reifenberg informierte auf „Prignitzer“-Anfrage, dass sich das Netzentgelt für Haushaltskunden mit einem Gasverbrauch von rund 23 000 Kilowattstunden im Jahr seit 2013 auf einem ähnlichen Niveau bewegt – bei 1,40 Cent je Kilowattstunde. „Der Anteil der Netzentgelte am Gesamtgaspreis liegt für Haushaltskunden über die Jahre nahezu unverändert bei knapp 20 Prozent“, so Reifenberg. Nötig ist dieser Posten unter anderem für den Bau, den Betrieb, sowie die Instandhaltung und Erneuerung der Leitungen und sonstigen Einrichtungen.

Doch an wen zahlen die Versorger diese Netzentgelte? Auf Redaktionsnachfrage heißt es von den drei hiesigen Versorgern, dass sie diese Gebühr zum Teil an Tochterfirmen abführen. „Die Stadtwerke Wittenberge sind selbst Netzbetreiber“, sagt Lars Kretlow. Das trifft auch auf die PVU Perleberg zu, die an das Tochterunternehmen PVU Energienetze GmbH zahlt. „Allerdings zahlen wir außerhalb unseres Netzes auch an die Stadtwerke Wittenberge oder edis“, betont Rainer Müller. Und Lutz Kähler bestätigt, dass die Stadtwerke Pritzwalk über einen eigenen Netzbetrieb verfügen. Das ist aber nicht ungewöhnlich, weiß Hartmut Müller von der Verbraucherzentrale in Potsdam. „Die Netzfirmen sind völlig entflechtet von den Versorgern und damit nach dem Wettbewerbsrecht eigenständig.“ Diese Konstellation sei nach dem Energiewirtschaftsgesetz gewollt. Dieses sei vor einigen Jahren entsprechend angepasst worden, so Müller.

Ein weiterer Grund, warum die Menschen den niedrigeren Weltmarktpreis nicht noch deutlicher im Portemonnaie spüren, ist der langfristige Einkaufszeitraum. „Das aktuell an unsere Kunden gelieferte Erdgas wurde bereits 2014 beschafft“, so Kähler. Ähnlich sieht es bei den Stadtwerken Wittenberge aus.

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