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775 Jahre Perleberg : Gartensparte putzt sich heraus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kleingärtner „Pritzwalker Straße“ schmücken zum Stadtjubiläum. Obst und Gemüse Marke Eigenbau und Gemeinschaft zählen auch heute

von
erstellt am 25.Jun.2014 | 09:03 Uhr

Wenn heute die Feierlichkeiten zum 775. Stadtjubiläum beginnen, dann „werden auch wir dabei sein“, sagt Bernd Grahl. Seit 32 Jahren lenkt er als Vorsitzender die Geschicke in der Kleingartensparte „Pritzwalker Straße“. „Nach unseren Möglichkeiten“, ergänzt er sofort, „viele unserer Mitglieder sind über 80 Jahre alt“. Der Grund auch, warum man sich nicht direkt in die Vorbereitungen und das Festtagsgetümmel mit einbringt. Doch zumindest ihre Kleingartensparte wolle sie geburtstagsmäßig ausstaffieren. Und dabei lassen sie sich auch nicht vom Regen abbringen. „Was ein richtiger Gärtner ist, der weiß das Nass von oben zu schätzen“, so schmunzelnd der Chef. Allerdings sei auch das eine Frage der Dosierung. Zum Fest hätten sie aber nichts gegen Sonnenschein.

Seit 1947 gibt es diese Kleingartensparte. „Das hier war Bodenreformland“, erzählt Bernd Grahl. Von den einst 105 Parzellen gibt es noch sieben sogenannte Bodenreformgärten. Einen hat Rainer Perlt. Er übernahm ihn von seinen Eltern. Alle anderen gingen, nachdem es eine Erbfolge in erster Linie nicht mehr gab, an die Stadt. Und die übergab das Land an den Kreisverband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK).

78 Gärten bewirtschaften die Mitglieder der Sparte heute noch, „14 weitere sind inzwischen renaturiert“. Daran werde sich auch nichts ändern, obwohl es inzwischen drei Anträge auf einen Kleingarten gebe. „Gärten werden auch bei uns zumeist aus Altersgründen immer mal wieder abgegeben. Aber eben eher selten zu dieser Zeit, wo alles in Blüte bzw. die Ernte bevor steht“, so Bernd Grahl. Summa summarum halte sich das Interesse für einen Kleingarten aber in Grenzen. „Zumal wir eine sehr alte Anlage sind, in den Jahren hier relativ wenig investiert wurde. Licht, Wasser, Laube – das erwarten angehende Kleingärtner. Bei uns haben etliche Gärten weder das eine noch das andere.“

Mindestens die Hälfte des Gartens musste und wurde zu DDR-Zeiten für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt, „allein schon aus Ermangelung des doch recht spartanischen Angebotes in den Geschäften.“ Heute habe sich das Verhältnis schon etwas gewandelt. „Unsere Mitglieder sind alle älter geworden, viele inzwischen auch alleinstehend. Aber auf einem Drittel der Fläche wird angebaut. Wir sind keine Freizeitgartensparte. Dann läge der Pachtzins auch weitaus höher“, so Bernd Grahl. Dennoch tendieren auch die Jüngeren zu einer pflegeleichten Bewirtschaftung, sprich Kartoffeln, Blumen und dergleichen. „Etliche arbeiten auswärts und der Garten soll nicht nur Arbeit verheißen, sondern vor allem auch Spaß machen und einen Erholungseffekt haben.“

78 Mitglieder hat die Sparte, davon sechs Aussiedlerfamilien und eine polnische. „Sie gehören inzwischen längst zu unserer großen Gemeinschaft. Und man muss sagen, in ihren Gärten wird richtig angepflanzt“, gesteht der Vorsitzende.

Frisches Obst und Gemüse und im Winter einen Vorrat an Eingemachten, dazu ein Stückchen eigenes Reich mitten in der Natur – Kleingärten waren zu DDR-Zeiten äußerst begehrt. Auch heute noch schmecken Tomaten und Gurken aus dem eigenen Garten einfach am besten. Aber es gibt sie auch im Supermarkt. Raus aus der Platte, die oftmals seit Jahrzehnten bestehende Gemeinschaft, das sind heute die Gründe für die kleine Parzelle in der Sparte. „Und einmal Kleingärtner, immer Kleingärtner“, ergänzt Bernd Grahl.

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