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Der Prignitzer

21. November 2017 | 18:07 Uhr

Grabung : Galgenberg war letzter Richtplatz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Archäologen stießen bei Grabung auf Galgenfragmente. Nur Tierskelette gefunden, doch es ruht hier noch viel in der Erde.

von
erstellt am 11.Sep.2017 | 22:00 Uhr

Der Galgenberg war die Richtstätte des Landgerichts Perleberg. Man hat Galgenfragmente gefunden, die spezifisch seien für die Zeit um 1720/21. Alles deute auf den Platz, wo der letzte Galgen in Perleberg stand und gut sichtbar von der Macht der Territorialherren über Leben und Tod kündete, so Dr. Marita Genesis von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Seit 2014 beschäftigt sie sich mit Richtstätten. Die junge Disziplin der Richtstättenarchäologie liefert durch die Erfassung der materiellen Überreste Erkenntnisse über Vollstreckungen historischen Strafrechts.

Mit 19 Studenten der Kulturwissenschaft der Europa-Universität Viadrina und der Klassischen Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin war sie drei Wochen auf archäologischer Spurensuche auf dem Galgenberg. Mit einem Absolventen der University of Bradford sowie Studenten aus Polen ist gar ein internationales Team in Perleberg am Graben.

Ein überaus spannendes Unterfangen, wie die Studenten bestätigen. Alles deutet darauf hin, dass hier auf einem urgeschichtlichen Bestattungsplatz später gerichtet wurde. Urnenreste mit Leichenbrand und Rudimenten bronzezeitlicher Beigaben habe man gefunden. Möglicherweise gebe der Leichenbrand noch Aufschluss auf Geschlecht und Alter des Toten. Das werden die anschließenden Untersuchungen im Landesdenkmalamt zeigen.

Belegen lässt sich jetzt zudem, dass auf dem Galgenberg auch Tierbestattungen stattfanden. Welcher Art, Aufschluss darüber müssen ebenfalls die Untersuchungen im Labor nun geben, ergänzt die Richtstättenspezialistin. Zum einen kann es sich um Tierkadaver handeln, die der Abdecker hier begrub. Doch auch andere Möglichkeiten bieten sich an. So fanden bis ins 17. Jahrhundert gerichtliche Prozesse gegen Tiere, etwa gegen verwilderte Schweine, die Kinder angegriffen hätten, Hunde, Wölfe, Rinder oder Pferde, die sonst wie Schaden anrichteten, statt. Sie konnten bei einer Verurteilung gehenkt, verbrannt, ertränkt, erwürgt oder lebendig begraben werden.

Und es gab auch gemeinsame Hinrichtungen von Mensch und Tier, beispielsweise bei Fällen von Sodomie. In der Mark Brandenburg sind wissenschaftlich Fälle von Enthauptungen bekannt. Zumeist wurden die Delinquent en anschließend nicht verscharrt, sondern verbrannt, ihre Asche in alle Winde verstreut, weiß Dr. Marita Genesis zu berichten. Schnitt- und Hiebspuren an den Knochen können Auskunft über die Art der Strafvollstreckung geben.

Die Richtstättenarchäologin spricht von einem breiten Feld, dass sich hier aufgetan habe. „Drei Wochen sind da keine Zeit, wir haben erst in den Boden geschaut und Belege gefunden, dass die Richtstätte benutzt wurde.“ Auf menschliche Skelette sei man allerdings nicht gestoßen. Doch das Areal sei groß. „Es ruht und schlummert noch viel in der Erde des Galgenbergs“, ist sich Dr. Marita Genesis sicher.  

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