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Kommune will 18 Gärten in Bauland umwandeln : Gärtnerin bangt um ihre Parzelle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gertrud Wunsch aus Wittenberge hofft, dass die Stadt Rücksicht auf Hobbygärtner nimmt.

von
erstellt am 26.Jan.2017 | 11:00 Uhr

Gertrud Wunsch will um ihren Kleingarten kämpfen, den sie seit Jahrzehnten im Wüstenweg bewirtschaftet. „Er ist wie unser Zuhause. Wir wünschen uns, dort bis zu unserem Lebensabend aktiv sein zu dürfen“, appellierte sie am Dienstagabend an die Mitglieder im Bauausschuss.

Die Wittenbergerin gehört zu jenen Kleingärtnern, die ihre Parzellen räumen müssen. 18 Gärten will die Kommune dort in Bauland umwandeln. Das Recht dazu hat sie. Denn bereits im Jahr 2000, mit dem Bebauungsplan für die Blumensiedlung, wurde das Gelände als künftiges Bauland vorgesehen. (Der „Prignitzer“ berichtete am Dienstag.)

Jetzt macht die Kommune ernst, reagiert auf Baulandnachfragen mit dem Erschließen von Potenzial. „Darunter ist unser Garten im Hauptweg Nummer 1 im Wüstenweg“, sagt Gertrud Wunsch. Sie sagt, für sie sei das Verhalten der Stadt, auch wenn es rechtlich in Ordnung ist, unsozial.

Gertrud Wunsch unterbreitete den Abgeordneten und den Verwaltungsvertretern am Dienstagabend das Angebot: „Wenn die Stadt Geld braucht, dann können wir unseren Garten ja auch kaufen.“

Verkauft werden soll das Gelände ja tatsächlich, aber „es geht um die Vermarktung als Bauland“, macht Bauamtsleiter Martin Hahn klar. Für siedelnde Familien soll das Areal genutzt werden. Aber im Gegensatz zu dem Bauland, das im Bereich Bad Wilsnacker Straße/ Friedrichstraße erworben werden kann, steht der Preis pro Quadratmeter im Wüsten- bzw. Hoppenradweg nicht fest. Bauherren in spe müssen bieten, wieviel sie zahlen wollen bzw. können. Der Bodenrichtwertpreis liegt dort derzeit bei 25 Euro pro Quadratmeter und sei der Maßstab, so das Bauamt. Werden die Grundstücke zu deutlich höheren Preis veräußert, treibt das in dem Bereich für die kommenden Jahre die Bodenrichtwerte in die Höhe: Gut für Verkäufer, weniger gut für Käufer.

Die Kommune profitiert allerdings nicht ein zu eins von dem Erlös der anstehenden Parzellenverkäufe.

Die Kleingärtner haben, wie Wolfgang Strutz erklärt, in diesem Fall nach dem Bundeskleingartengesetz Anspruch auf eine Kündigungsentschädigung. Strutz ist ein ausgebildeter Bewerter, der die Schätzungen dafür vornimmt. Aus der Erfahrung der letzten Jahre weiß er, dass pro Garten in der Regel zwischen 3500 und 4000 Euro – Ausreißer nach oben oder unten gebe es immer – anfallen. Dieses Geld muss die Stadt dem Verkaufserlös gegenrechnen. Und sie muss die Räumung der Parzellen finanzieren.

Für sie, so Gertrud Wunsch, wiege die Entschädigung keinesfalls den Verlust des Gartens auf.

Bauamtsleiter Martin Hahn hat die Kleingärtnerin nun zu einem gesonderten Gespräch eingeladen, an dem, wenn gewünscht, auch er als Bauausschussvorsitzender teilnehmen könne, so Marcel Elverich (SPD). Elverich sagte: „Wir verstehen das Problem von Frau Wunsch.“ Problem sei aber auch, dass die Kommune auf die Nachfrage von Bauland reagieren müsse und wolle. Und auf lange Sicht seien die vielen Gartenanlagen nicht zu halten.  

 

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